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Sohn der Hamas - Mein Leben als Terrorist

von: Mosab Hassan Yousef

SCM Hänssler im SCM-Verlag, 2014

ISBN: 9783775170253 , 260 Seiten

2. Auflage

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 9,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

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Mehr zum Inhalt

Sohn der Hamas - Mein Leben als Terrorist


 

Die Leiter des Glaubens

1955 bis 1977

Mein Name ist Mosab Hassan Yousef.

Ich bin der älteste Sohn von Scheich Hassan Yousef, einem der sieben Gründer der Hamas. Ich wurde im Westjordanland in einem Dorf in der Nähe von Ramallah geboren und ich gehöre zu einer der religiösesten islamischen Familien im Nahen Osten.

Meine Geschichte beginnt mit meinem Großvater, Scheich Yousef Dawud, der die oberste religiöse Autorität – der Imam – des Dorfes al-Janiya war. Das liegt in der Gegend Israels, die in der Bibel unter die Bezeichnung »Judäa und Samarien« fällt. Ich liebte meinen Großvater heiß und innig. Sein weicher, weißer Bart kitzelte an meiner Wange, wenn er mich umarmte. Ich konnte stundenlang sitzen und ihm zuhören, wenn seine melodische Stimme mit dem adhan – dem islamischen Gebetsruf – zum Gebet rief. Und dazu hatte ich reichlich Gelegenheit, da Muslime fünfmal am Tag zum Gebet gerufen werden. Den adhan und Texte aus dem Koran gut zu rezitieren, ist nicht einfach, aber bei meinem Großvater klang es immer zauberhaft.

Als ich noch ein kleiner Junge war, störten mich einige Gebetsrufer so sehr, dass ich mir am liebsten die Ohren zugestopft hätte. Aber mein Großvater war ein leidenschaftlicher Mann und mit seinem Ruf führte er die Zuhörer tief in die Bedeutung des adhan ein. Er glaubte selbst jedes Wort, das er vortrug.

Etwa vierhundert Menschen lebten damals in al-Janiya, als es unter jordanischer Herrschaft und israelischer Besatzung stand. Doch die Einwohner dieses kleinen, ländlichen Dorfes hatten nur wenig Sinn für Politik. Malerisch in den sanft geschwungenen Hügeln einige Kilometer nordwestlich von Ramallah gelegen, war al-Janiya ein sehr friedlicher und schöner Ort. Die Sonnenuntergänge dort tauchten alles in rosafarbenes und violettes Licht. Die Luft war sauber und klar, und von vielen Hügeln konnte man bis zum Mittelmeer sehen.

Jeden Morgen um vier Uhr war mein Großvater bereits auf dem Weg in die Moschee. Wenn er sein Morgengebet beendet hatte, nahm er seinen kleinen Esel und ging aufs Feld. Er bearbeitete den Boden, kümmerte sich um seine Olivenbäume und trank frisches Wasser aus der Quelle, die dem Berg entsprang. Es gab keine Luftverschmutzung, weil nur eine Person in al-Janiya ein Auto besaß.

Wenn er daheim war, empfing mein Großvater einen nicht versiegenden Besucherstrom. Er war mehr als nur der Imam – er war alles für die Menschen im Dorf. Er betete über jedem neugeborenen Baby und flüsterte den adhan ins Ohr des Kindes. Wenn jemand starb, wusch und salbte mein Großvater den Leichnam und wickelte ihn in große Tücher. Er traute Ehepaare und begrub die Toten.

Mein Vater Hassan war sein Lieblingssohn. Schon als kleiner Junge, noch bevor er dazu verpflichtet war, ging mein Vater regelmäßig mit meinem Großvater in die Moschee. Keinem seiner Brüder war der Islam auch nur annähernd so wichtig wie ihm.

An der Seite seines Vaters lernte Hassan, den adhan vorzutragen. Und wie sein Vater hatte er eine Stimme und eine Leidenschaft, welche die Menschen berührte. Mein Großvater war sehr stolz auf ihn. Als mein Vater zwölf Jahre alt war, sagte mein Großvater: »Hassan, du hast gezeigt, dass du großes Interesse an Allah und dem Islam hast. Deshalb werde ich dich nach Jerusalem schicken, um die Scharia zu studieren.« Die Scharia ist das islamische religiöse Gesetz, das alle Fragen des täglichen Lebens regelt, von den Bereichen Familie und den Reinheitsvorschriften bis hin zu Politik und Wirtschaft.

Hassan wusste nichts über Politik und Wirtschaft. Das interessierte ihn auch nicht. Er wollte einfach wie sein Vater sein. Er wollte den Koran lesen und rezitieren können, und er wollte den Menschen dienen. Doch bald sollte er herausfinden, dass sein Vater sehr viel mehr war als nur eine vertrauenswürdige religiöse Autorität und ein geliebter Diener seines Volkes.

Da Werte und Traditionen dem arabischen Volk schon immer mehr bedeutet haben als Regierungserlasse und Gerichtshöfe, wurden Männer wie mein Großvater oft zur höchsten Autorität. Besonders in Regionen, wo die weltlichen Führer schwach oder korrupt waren, war das Wort einer religiösen Autorität Gesetz.

Mein Vater wurde nicht nach Jerusalem geschickt, um einfach nur Religion zu studieren; er sollte aufs Regieren vorbereitet werden. In den nächsten Jahren lebte und studierte mein Vater also in der Jerusalemer Altstadt neben der al-Aqsa-Moschee – in der Umar-Moschee, dem berühmten Bauwerk mit der goldenen Kuppel, welche das Stadtbild von Jerusalem in den Augen der meisten Menschen der Welt bestimmt. Im Alter von 18 Jahren schloss er sein Studium ab und zog nach Ramallah, wo er sofort als Imam der Moschee in der Altstadt angestellt wurde. Voller Leidenschaft, Allah und seinem Volk zu dienen, konnte mein Vater es kaum erwarten, hier seine Arbeit zu beginnen, so wie sein Vater es in al-Janiya getan hatte.

Doch Ramallah war nicht al-Janiya. Erstere Ortschaft war eine geschäftige Stadt. Letztere ein kleines verschlafenes Dorf. Als mein Vater zum ersten Mal die Moschee betrat, war er schockiert, dass nur fünf alte Männer auf ihn warteten. Alle anderen waren anscheinend in irgendwelchen unmoralischen öffentlichen Schauspiel- und Kaffeehäusern, wo sie sich betranken und dem Glücksspiel frönten. Selbst der Mann, der für den adhan in der Nachbarmoschee zuständig war, hatte das Minarett mit einem Mikrofon ausgerüstet, damit er der islamischen Tradition entsprechen konnte, ohne sein Kartenspiel unterbrechen zu müssen.

Meinem Vater blutete das Herz beim Anblick dieser Menschen, obwohl er nicht wusste, wie er sie erreichen sollte. Selbst seine fünf alten Männer gaben zu, dass sie nur kamen, weil sie wussten, dass sie bald sterben würden und ins Paradies kommen wollten. Doch immerhin waren sie bereit zuzuhören. Also arbeitete er mit denen, die da waren. Er leitete die Männer im Gebet und lehrte sie den Koran. Schon nach kurzer Zeit liebten sie ihn, als wäre er ein Engel, den der Himmel geschickt hatte.

Außerhalb der Moschee sah es allerdings ganz anders aus. Für viele Menschen unterstrich die Liebe meines Vaters zu dem Gott des Koran nur umso deutlicher ihre eigene laxe Haltung zur Religion, und sie waren beleidigt.

»Wer ist dieses Kind, das den adhan vorträgt?«, spotteten die Leute und deuteten auf meinen durchaus noch sehr jung aussehenden Vater. »Er gehört nicht hierher. Er ist ein Unruhestifter.«

»Warum blamiert dieser junge Kerl uns? Nur alte Leute gehen in die Moschee.«

»Ich wäre lieber ein Hund, als so zu sein wie du«, schrie ihm einer ins Gesicht.

Mein Vater erduldete die Verfolgung still. Er schrie nie zurück oder verteidigte sich. Doch seine Liebe und sein Mitgefühl für die Menschen ließen ihn nie aufgeben. Und er setzte die Arbeit fort, zu der er berufen worden war: Er ermahnte die Menschen, zum Islam und zu Allah zurückzukehren.

Seine Sorgen besprach er mit meinem Großvater, der rasch erkannte, dass mein Vater noch größeren Eifer und größeres Potenzial besaß, als er ursprünglich angenommen hatte. Mein Großvater schickte ihn nach Jordanien, um den Islam noch gründlicher zu studieren. Wie Sie noch sehen werden, sollten die Menschen, die er dort kennenlernte, später den Lauf meiner Familiengeschichte und sogar die Geschichte des Nahostkonflikts beeinflussen. Doch bevor ich weitererzähle, muss ich kurz innehalten und einige wichtige Punkte der Geschichte des Islam erklären. Sie können Ihnen helfen zu verstehen, warum die zahllosen diplomatischen Lösungen bisher durchweg versagt haben und keine Hoffnung auf Frieden bieten können.

* * *

Zwischen 1517 und 1923 verbreitete sich der Islam – personifiziert durch das Osmanische Kalifat – von seinem Sitz in der heutigen Türkei über drei Kontinente. Doch nach einigen Jahrhunderten großer wirtschaftlicher und politischer Macht wurde das Osmanische Reich zentralistisch und korrupt, und sein Niedergang begann.

Unter den Osmanen waren muslimische Dörfer im ganzen Nahen Osten das Ziel von Unterdrückung und harter Besteuerung. Konstantinopel, das heutige Istanbul, war einfach zu weit weg, als dass der Kalif die Gläubigen vor Übergriffen durch Soldaten und örtliche Beamte schützen konnte. Als das 20. Jahrhundert anbrach, waren viele Muslime desillusioniert und begannen, nach einer anderen Lebensweise zu suchen. Einige schlossen sich dem Atheismus des gerade aufkommenden Kommunismus an. Andere ertränkten ihre Probleme in Alkohol, Glücksspiel und Unmoral. Diese Dinge waren zu einem großen Teil von den Abendländern eingeführt worden, die der Reichtum an Bodenschätzen und die wachsende Industrialisierung in die Region gelockt hatte.

Im ägyptischen Kairo blutete dem jungen Grundschullehrer Hassan al-Banna das Herz beim Anblick seiner Landsleute, die arm, arbeitslos und gottlos waren. Doch er gab...