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Die Novelle ist unmittelbarer Teil der Danziger Trilogie, in Paris (1956/59) entstanden, um »aus Distanz zu Deutschland [. . .] auf tausendfünfhundert Seiten in Prosa das zu schreiben, was mir trotz und nach Auschwitz notwendig war.«11 Der Autor isoliert den novellistischen Stoff aus dem fehlgeschlagenen Konzept eines zweiten Romans mit dem Arbeitstitel Kartoffelschalen (1959) und einem »Kapitel [. . .] ›Katz und Maus‹«,12 der dann umgeformt als Roman Hundejahre erscheint (1963).
Katz und Maus bleibt auf die Kriegszeit begrenzt, behält erzähltechnisch die Reflexion historischer Ereignisse aus der ironisch-grotesk wirkenden Ich-Perspektive des schuldbedrängten Kleinbürgers im Faschismus über die ebenso disponierten Kleinbürger bei. Dieser thematisch-erzähltechnische Zusammenhang der Trilogie bei der Gestaltung einer sich zerstörenden Weltordnung wird durch zahlreiche Übereinstimmungen von Ort und Zeit, von Personen, Motiven und Episoden, des Autors authentischer Erinnerung und seiner Auseinandersetzung mit der verlorenen Heimat, durch die Verbindung von historischer Realität und phantastischer Weiterung unterstützt.
Katz und Maus erscheint im Jahr des Berliner Mauerbaus 1961. Die sprichwörtliche Wendung des Titels, in der literarischen Tradition paarweiser Kurztitel wie Gustav Freytags Soll und Haben (1855) oder Leo Tolstois Krieg und Frieden (1869), nennt, symbolisch oder allegorisch verkürzt, miteinander verbundene Qualitäten des Zusammenlebens. So aufs Allgemeine gerichtet, des Lesers Vorwissen von Tiermetaphorik und redensartlichem Katz-und-Maus-Spiel stimulierend, zielt sein Interesse auf eine konkrete, auch grundsätzlich gemeinte Handlung von Stärke und Schwäche, Verfolgen und Verfolgtwerden. Die Umschlaggrafik, für die Erstausgabe vom Autor gezeichnet, erläutert die Titelaussage. Der massige, schwarz-weiß getigerte, behäbige Katzenkörper mit den starrenden Augen vor dem grünen Hintergrund vermittelt Bedrohlichkeit, und das Ritterkreuz signalisiert weltgeschichtliche Zusammenhänge.
Der Gattungsbezug »Eine Novelle« knüpft bewusst an die Erzähltradition des 19. Jahrhunderts an: eine überschaubare Fabel, entfaltet in linearer, symmetrischer Handlung episodisch, dramatischen Zuschnitts (Exposition / I, steigende Handlung / II–VI, Peripetie / VII, fallende Handlung / VIII–XII, Katastrophe / XIII); eine zentrale, die Welt und ihre Konflikte vertretende Figur; komplementäre Personen von Held und Ich-Erzähler (Rahmenhandlung/Rollenprosa); ein Leitmotiv (der ›Falke‹, Heyse; hier Maus/Adamsapfel) und leitmotivisches Dingsymbol (Schraubenzieher und Varianten/Ritterkreuz); ein Wendepunkt (vgl. A. W. Schlegel / L. Tieck) als »Unerhörtes« (Kap. VIII; Goethe zu Eckermann am 25. Januar 1827). Man kann jedoch eine veränderte Thematik beobachten: Statt einer traditionell idealistisch ausgerichteten Progression des Helden durch Läuterung findet sich bei Grass die Regression als Entlarvung des kleinbürgerlichen Lebensverständnisses in einer ideologisch verblendeten Welt.
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