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Hart genommen: Was geile Frauen wirklich wollen - Erotischer Roman

von: Victoria de Torsa

venusbooks, 2017

ISBN: 9783958855380 , 160 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 9,99 EUR

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Hart genommen: Was geile Frauen wirklich wollen - Erotischer Roman


 

Jagdurlaub


Ich hatte das Glück, in die Ermittlungen eines Kriminalfalles einbezogen zu werden, was nicht bedeutet, dass ich kriminologisch tätig wurde. Nein, ich durfte an der Seite des ermittelnden Beamten Zeuge eines Vorfalls werden, der für den einen als blanke Routine gewertet werden kann, für den anderen hingegen ein Höchstmaß an Betroffenheit hervorrief. Doch lesen Sie selbst:

Mühsam kämpfte sich das kleine Polizeiauto in dem tiefen Schnee bergauf. Der Motor gab keuchende Töne von sich. Auch der Rettungswagen mit dem Arzt hatte Mühe, bei diesen verheerenden Straßenverhältnissen die Steigung zu bewältigen. Kommissar Mayol war schlecht gelaunt. Der Anruf war bei der Polizeiwache um etwa sechs Uhr früh hereingekommen, und bereits fünf Minuten später hatte man ihn aus dem Bett geholt. Es war unangenehm kalt in dieser Februarnacht, und es war ihm schwergefallen, aus den warmen Federn zu steigen. Doch Mayol war ein pflichtbewusster Kriminalbeamter, der jeden Fall ernst nahm und verbissen verfolgte, bis er alle Spuren aufgenommen und für alle Vorgänge eine logische Erklärung gefunden hatte.

Der Tote lag am Waldrand, etwa fünfzig Meter von einer Jagdhütte entfernt, die in der Mitte einer Lichtung stand. Er saß eher, als dass er lag, und war mit dem Rücken an einen Baum gelehnt. Das Jagdgewehr lag neben ihm. Der Schuss war durch den Mund eingetreten und hatte den hinteren Teil seiner Schädeldecke weggerissen. Die Leiche war fast nackt. Nur der Oberkörper war von einem ärmellosen Unterhemd bedeckt. An dem Körper waren – außer der tödlichen Schussverletzung – keine Spuren irgendeiner Gewaltanwendung zu entdecken.

Es begann ganz leicht zu schneien, und die Polizei war froh, dass sie rechtzeitig eingetroffen war, bevor sich der neue Schnee auf die Spuren legen konnte. Der Bereich um den Toten herum war durch viele Fußspuren gekennzeichnet. So führten diejenigen von drei Menschen von der Jagdhütte zum Toten und zurück. Mit aufwendigen Fotos konnten die Fußabdrücke im Bild festgehalten werden.

Die Polizeibeamten waren dann zusammen mit dem Sanitätswagen, in dem auch die Leiche lag, ins Tal zurückgefahren, nur Kommissar Mayol und ein Gendarm blieben zurück.

Mayol war immer noch schlecht gelaunt. Die Fahrt auf den Berg hatte fast eine Stunde gedauert. Der feuchte Schnee war an den Rädern wie ein Bremsklotz geklebt. Gewiss, im Film hatten die Polizisten immer geländegängige Range Rover, zumindest aber einen Jeep. Nur das hier, das war die Realität. Die im Dienst strapazierten, kleinen und veralteten Automobile waren für solche Einsätze im Grunde genommen nicht mehr geeignet. Das gleiche galt für das Rettungsauto, das dann als Leichenwagen dienen musste.

»Einwandfrei Selbstmord«, hatte Dr. Dasté, der Polizeiarzt, gesagt, der den Toten untersucht hatte. Die Pulverspuren im Mund, der Austrittswinkel des Geschosses und die sonst völlige Unversehrtheit der Leiche, alles deutete darauf hin. Doch Kommissar Mayol wollte sichergehen. Man konnte an diesem nasskalten, unangenehmen Morgen durchaus etwas übersehen haben, eine Kleinigkeit nur, die aber die Annahme nach dem jetzigen Stand auf den Kopf stellte und zu ganz anderen Schlüssen führte. Mayol, der erfahrene Beamte, war gründlich, und so ließ er es sich nicht nehmen, die drei Personen, die sich noch in der Jagdhütte befanden, ausführlich zu befragen.

Es waren zwei Frauen und ein Mann. Der Kommissar und Monsieur Pallardy, so hieß der Mann, setzten sich an einen Tisch in der Küche, der Gendarm zog sich in eine Ecke zurück, setzte sich auf einen Stuhl und streckte seine Beine vor sich aus. Die beiden Damen standen noch unter Schock und hatten sich in ihre Zimmer zurückgezogen. Monsieur Pallardy hingegen schien die Nerven behalten zu haben beziehungsweise hatte sich bereits soweit beruhigt, dass er die Situation klar schildern konnte.

***

Zwei Ehepaare, Celina und Gérard Pallardy und Valérie und Jacques Furneaux, hatten die kleine Jagdhütte für zwei Wochen gemietet, um ihren Winterurlaub in der reinen Luft der Berge zu verbringen. Die beiden Männer arbeiteten seit etwa zehn Jahren im selben Architekturbüro und waren seit ebendieser Zeit auch befreundet. Auch ihre Ehefrauen, die lebhafte Celina Pallardy und die etwas stillere Valérie Furneaux, wurden gute Freundinnen. Beide Ehepaare verstanden sich prächtig. Sie besuchten sich gegenseitig und unternahmen vieles gemeinsam, vom Theaterbesuch bis hin zu Urlaubsreisen. Diesmal wollten sie die zwei Wochen ihres Winterurlaubs in den Bergen verbringen. Sie hatten zwar ihre Jagdausrüstung dabei, aber sie wollten eher die Stille der Berge und des winterlichen Waldes genießen, als pirschend durch den hohen Schnee zu stapfen. Deshalb war es von vornherein nicht sicher, ob sie überhaupt jagen würden. Na und jetzt war nicht einmal mehr daran zu denken.

Monsieur Pallardy hatte die Situation in klaren Worten geschildert, dann wandte er sich an den Kommissar: »Möchten Sie vielleicht einen Tee, Monsieur?«

Mayol nickte. Die Kälte war ihm in die Glieder gekrochen, was sich in einem Reißen in seinem linken Knie bemerkbar machte, und ein heißer Tee würde ihm jetzt gut tun.

Während Pallardy am Holzofenherd das Wasser für den Tee aufsetzte, erwähnte er auch, dass sie vor zwei Tagen hier angekommen seien. Er und seine Frau Celina hätten eine der beiden Schlafkammern bezogen, die Furneaux’ die andere. Sie machten an beiden Tagen einen langen Spaziergang im Wald und spielten abends im Licht der Petroleumlampe Karten. Die beiden Frauen bereiteten auf dem kleinen Herd etwas zu essen, und alle vier hätten diese Robinsonade, fern von der technisierten Welt, von Fernsehen und Radio, fließend Warmwasser und anderen Bequemlichkeiten genossen. Die einzige technische Errungenschaft, auf die sie nicht hatten verzichten wollen, war das Telefon, das sie mit der Außenwelt verband.

Es sei etwa um halb sechs Uhr früh gewesen, als sie einen Schuss hörten. Sie liefen aus der Hütte und sahen im fahlen Mondlicht den leblosen, fast völlig nackten Körper von Jacques Furneaux am Rande der Lichtung liegen. Er war tot.

»Obwohl er mein bester Freund war«, fuhr Gérard Pallardy fort, während er dem Kommissar Tee einschenkte, »und sein Tod mich wirklich schockierte, behielt ich einigermaßen die Nerven. Ich sah, dass wir Jacques nicht mehr helfen konnten, deshalb bat ich meine Frau, Madame Furneaux ins Haus zurückzuführen. Ich habe dann gleich auf der Polizeiwache angerufen.«

»Wo befindet sich Madame Furneaux jetzt?«, fragte Mayol. »Ich möchte sie sprechen.« Er war rücksichtsvoll, er sagte charmanterweise »sprechen«, nicht »verhören«.

Gérard Pallardy deutete auf die eine von den beiden Türen, die sich links von der Küche befanden. »Ich glaube, Valérie, das heißt Madame Furneaux, hat sich inzwischen so weit beruhigt, dass Sie mit ihr sprechen können.«

Mayol klopfte, und als er ein zaghaftes »Herein« hörte, trat er in das Zimmer. Valérie Furneaux saß leichenblass und am ganzen Körper zitternd auf dem Rand des hölzernen Doppelbettes, das fast die ganze Breite des Raumes einnahm. Sie war keine besonders schöne Frau. Sie war nicht hässlich, aber irgendwie unscheinbar. Eine zwar sympathische, aber irgendwie doch eine graue Maus. Ihre Augen waren vom Weinen gerötet, in der Hand hielt sie ein zusammengeknülltes Taschentuch, mit dem sie mal ihre Augen, mal ihre Nase abtupfte.

»Entschuldigen Sie, Madame«, begann Mayol gefühlvoll. »Es tut mir leid, Sie in Ihrer Trauer zu stören, aber leider muss ich Ihnen einige Fragen stellen. Vorausgesetzt, Sie sind in der Verfassung, mir antworten zu können.«

»Fragen Sie nur, Monsieur«, sagte sie leise. »Sie tun ja nur Ihre Pflicht.«

»Hat Ihr Mann Feinde gehabt, Madame?«

»Oh nein, nein, Monsieur! Mein Mann war der beste, der friedlichste Mensch auf der Welt! Alle haben ihn gemocht. Nein, er hatte keine Feinde!«, beteuerte sie, und ihre Tränen begannen erneut zu fließen. Sie trocknete sie mit dem zerknüllten Taschentuch ab.

»Hatte er finanzielle Schwierigkeiten? Ist es Ihnen vielleicht in der letzten Zeit aufgefallen, dass er sich irgendwie verändert hat? Dass er Sorgen hat?«

»Nein«, erwiderte Valérie Furneaux, »er war immer die Ruhe selbst. Er war immer ausgeglichen, er war nie ungeduldig oder nervös. Und er hatte nie Geheimnisse vor mir. Oh, mein Gott, warum hat er das getan?«

»Hat er Ihnen vielleicht etwas gesagt, bevor er ging? Hat er angedeutet, was er vorhat?«

»Nein! Nichts!«, seufzte sie unter Tränen.

»Ist etwas passiert in der Nacht? Wie hat er sich verhalten? Haben Sie miteinander gesprochen, bevor er dieses Zimmer verließ und aus dem Haus ging?«

Valérie schaute den Kommissar schuldbewusst an. »Er war gar nicht hier in diesem Zimmer.«

»Ah, dann waren Sie alleine im Zimmer, als Sie den Schuss hörten«, mutmaßte der Kommissar.

»Nein«, hauchte Valérie kaum hörbar.

Mayol hob seine rechte Augenbraue, wie immer, wenn er etwas Neues erfuhr und sich darüber wunderte. »Also, Sie waren nicht alleine, Madame.« Es war keine Frage. Es war das Erkennen eines wichtigen Details, eines Mosaiksteins, das eventuell etwas Licht in das Dunkel dieser unbegreiflichen Geschichte bringen könnte.

»Nein, eh … nein«, bestätigte Valérie. Mehr konnte sie nicht sagen.

»Also, Sie waren nicht allein hier, als der Schuss fiel«, wiederholte sich der Kommissar. »Darf ich fragen, wer außer Ihnen sich noch in diesem Zimmer befunden hat?«

»Monsieur Pallardy«, sagte Valérie Furneaux leise, fast flüsternd.

***

Die grauen Zellen in Mayols Kopf begannen zu arbeiten. Das war eine ganz neue Situation, und zwar eine...