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Interpretation. Theodor Storm: Der Schimmelreiter - Reclam Interpretation

von: Volker Hoffmann

Reclam Verlag, 2009

ISBN: 9783159500287 , 41 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX,Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 2,49 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

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Mehr zum Inhalt

Interpretation. Theodor Storm: Der Schimmelreiter - Reclam Interpretation


 

Der verteufelte Schreib- und Erzählpakt
Der Tod ist End- und zugleich Ausgangspunkt für die Erzählung Der Schimmelreiter. Sie endet mit dem Selbstmord des Deichbauers Hauke Haien und dem Untergang seiner Familie in der Flutkatastrophe von 1756. Obwohl die Körper der Ertrunkenen auf dem Meeresgrund »in ihre Urbestandteile aufgelöst« werden (144)1, bedeutet in diesem Fall der Tod nicht das absolute Ende. Der von Hauke Haien geschaffene neue Deich bleibt als Werk für Jahrhunderte stehen (89, 110, 144), und im Volksglauben kehrt der selbstmörderische Werkschaffer als Schimmelreitergespenst an den Ort seiner Tat zurück, um in Sturmnächten als Warnspuk zu dienen (5, 17, 55, 145).

Deich und Gespensterglaube sind die materiell-geistige Basis für eine lange Überlieferungskette. Der Deich und der eingedeichte Koog erhalten im Volksmund inoffiziell den Namen nach ihrem Gründer (110, 124, 144, 146). Um den Anspruch, die wahre Lebensgeschichte des Deichbauers zu tradieren, rivalisieren zwei Typen der mündlichen Volksüberlieferung, das »Geschwätz« der abergläubischen Unterschicht, die Hauke Haien dämonisiert, wenn nicht verteufelt, und die »Überlieferungen verständiger Leute« (75, vgl. 8 f., 144). In der Überlieferungskette folgt etwa siebzig Jahre nach Hauke Haiens Tod der Schulmeister als erster individueller Überlieferungsträger, der aber noch im Bereich der Mündlichkeit bleibt. In einer stürmischen Oktobernacht der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts erzählt er die Lebensgeschichte Hauke Haiens zuerst einer Männerrunde und einem fremden Reiter, der zwei unheimliche Begegnungen mit dem Schimmelreitergespenst hinter sich hat (5 ff.), später den größeren Teil der Geschichte sogar diesem allein (ab 56).

Der unbekannte Gast wird, nachdem er den aufgeklärten Schulmeister gezwungen hat, auch aus der Quelle der abergläubischen Unterschichtüberlieferung für seine Erzählung zu schöpfen (9, 75), in der Überlieferungskette der erste ›Verschrifter‹ der Lebensgeschichte. Spätestens in den dreißiger Jahren lässt er sie drucken, wohl in einem Journal. Ich nenne ihn im Unterschied zu dem Schulmeister-Binnenerzähler den Journalverschrifter. Über die Vermittlung einer Reader’s Digest-ähnlichen Zeitschrift lernt schließlich der Endverschrifter als Junge im Haus seiner Urgroßmutter die Geschichte vor 1838 kennen.

Er vergisst sie sein Leben lang nicht mehr. Mehr als fünfzig Jahre nach der Lektüre schreibt er sie in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts aus dem Gedächtnis nieder, ohne noch einmal seine damalige Lektürequelle konsultiert zu haben (3). Die über hundertjährige Überlieferungskette verläuft also von kollektiven zu individuellen Trägern und von mündlicher zu schriftlicher Gestaltung.