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Der Text der Geschichte
Im Mittelpunkt des Romans stehen fünf Personen, der Junge, der Kommunist Gregor, der Fischer Knudsen, der Pfarrer Helander, die Jüdin Judith, und ein Kunstwerk: Ernst Barlachs »Lesender Klosterschüler«. Die Skulptur löst nicht nur bei diesen Personen entscheidende Veränderungen aus, sondern sie vereint sie auch zu einer privaten Aktion. Für eine kurze Zeit »verschwindet [. . .] die Kluft zwischen Kommunisten und Pfarrer, zwischen Christ und Jüdin [. . .], zwischen Proletarier und Bürgerlichem, zwischen alt und jung«. Angesichts der gemeinsamen Handlung gegen den totalitären faschistischen Staat verlieren die Klassenunterschiede und die verschiedenen ideologischen Prägeformen ihre Bedeutung. Paradoxerweise entspricht das genau der »neuen Taktik der Partei«. »Wir arbeiten jetzt mit allen zusammen«, verkündet Gregor dem enttäuschten Kommunisten Knudsen, »mit der Kirche, mit den Bürgern, sogar mit den Leuten von der Armee« (57). Der Parteiauftrag, als den Gregor gegenüber Knudsen die private Aktion ausgibt, verliert aber nichtsdestoweniger seine ideologische Intention: er wird in eine spontane menschliche Handlung verwandelt.
Dabei markiert der Text von Anfang an die Unterschiede der an dieser Handlung beteiligten Personen. Verachtet der Junge generell die ideenlosen Erwachsenen und nimmt sich vor, einmal »anders [zu] sein« und »anders zu werden« als sie (33), so scheinen diese von ihren jeweiligen Interessen, Meinungen und von ihrem Misstrauen gegeneinander bestimmt zu sein, so dass die Dialoge oft zu Monologen missraten. Die durchaus konventionelle auktoriale Erzählhaltung wird insofern differenziert, als Andersch einen dauernden Perspektivenwechsel vornimmt und Realität im Text immer als eine von den jeweiligen Figuren verschieden erfahrene und segmentierte Wirklichkeit darstellt. Trotz der Stilisierung nach dem Modell eines klassizistischen Dramas und den drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung werden die vorgestellten Perspektiven, Wahrnehmungen und Ansichten weder idealisiert noch kritisch beurteilt, sondern kommentarlos aufeinander bezogen.
Die auktoriale Erzählhaltung steht gewissermaßen im Dienst der personalen Perspektivierung, welche subjektive Wirklichkeitserfahrungen gegeneinander stellt, die nur im Sinnzusammenhang der privaten Aktion aufgehoben zu sein scheinen. Es erfolgt ein häufiger Wechsel von der erlebten Rede mit dem etwas altmodischen Perspektivensignal »dachte er« zur direkten Rede, von der auktorialen zur personalen Erzählhaltung, von der Außen- in die Innenperspektive. In einem solchen Text »durchschneiden sich die Sehweise des Betrachters und die Seinsweisen des Betrachteten«. Was dabei an »objektiver Eindeutigkeit« eingebüßt wird, das gewinnt diese Darstellungsweise »an differenzierter Erfahrbarkeit«.
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