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Selbsterkenntnis im ›Spiegel‹ des Bewusstseinstheaters
Mit jenem »Nachspiel« und den Chorpassagen ist freilich in die Auseinandersetzung mit dem marxistischen »Klassiker« Brecht ein weiterer Gesprächspartner eingeführt, der sich stets gegen die Hoffnung auf eine bessere Geschichte ausgesprochen hatte: der Apokalyptiker Friedrich Dürrenmatt. Mit ihm hatte Frisch eindringliche Werkstattgespräche während der Arbeit am Biedermann und am Nachspiel geführt; ihre Werke kommentieren sich gegen Ende der fünfziger Jahre wechselseitig. Und wie Frischs Nachspiel-Erlösungsszene in die Chordeklamation zeitsatirisch das Vergessen der unbequem mahnenden Opfer einblendet:
BIEDERMANN. Nur jetzt nicht den Glauben verlieren. Die Witwe Knechtling geht.
CHOR. Halleluja!
BABETTE. Die Knechtling ist gegangen – (414)
so hatte auch Dürrenmatt auf den Schlusschor der Antigone, also jene von Brecht den jüngeren Schweizer Stückeschreibern so eindrucksvoll in ihrem fortschrittlichen Potential vorgeführte antike Nachkriegs-Tragödie, parodierend geantwortet in einer Komödie von der ewigen Gegenwart des Mörderischen: Der Besuch der alten Dame. Und er hatte zudem bereits das alltägliche Verbrechen Biedermanns in dem normalen Geschäftsgebaren seines Alfredo Traps in dem Hörspiel Die Panne präfiguriert: »Dieser Wildbolz! Der soll was erleben. Junge, Junge. Rücksichtslos gehe ich nun vor, rücksichtslos. Dem drehe ich mal den Hals um.«
Auch hier überlebt der Geschäftspartner diesen gesunden Eigennutz bei der Verfolgung von Geschäftsinteressen nicht; er fällt – wie Knechtling – der strukturellen Gewalt des Systems zum Opfer.
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