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Ladies Man - Wenn du mich loslässt

von: Katy Evans

LYX, 2018

ISBN: 9783736307612 , 316 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 8,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Ladies Man - Wenn du mich loslässt


 

1


Die Nacht der Nächte

Robin Schulz’ »Prayer in C« hallt durch den Club. Es ist ein piekfeiner Laden – übertrieben edel bis ins letzte Detail, fast schon abtörnend. Die Wände sind mit Milchglas verkleidet und von seidig glänzenden Vorhängen aus fallendem Wasser bedeckt. Lange, kaskadenförmige, moderne Kristallkronleuchter hängen von einer mit Strass bedeckten Kuppeldecke herab. Alles ist in unterschiedlichen Blautönen gehalten – hellblaue Drinks in Kristallflöten, blaue, blinkende Lichter, blaugefärbte Springbrunnen.

Hunderte von Gästen hüpfen johlend auf der Tanzfläche herum. Kunstvoll arrangierte Drinks werden auf teuren Tabletts herumgereicht.

Alle feiern den sechsundzwanzigsten Geburtstag ihres Gastgebers. Die Männer sind Tausende von Meilen mit dem Auto gefahren und aus der ganzen Welt hergeflogen, um dabei zu sein. Die Frauen haben ihre Kreditkarten überzogen, um sich für dieses Event zu stylen.

Meine beste Freundin Wynn und ich drängeln uns durch die Menge in Richtung Pool und Bar.

Wir sind wahrscheinlich die Einzigen, die nicht ihr künftiges Erstgeborenes für eine Einladung verkaufen mussten. Wir sind wahrscheinlich auch die Einzigen, die selbst noch in ihren zwei Nummern zu kleinen Kleidern overdressed sind. Aber seit der Club Waves heißt und seine Hauptattraktionen Dutzende von Swimmingpools sind, ist hier eigentlich alles, was über einen knappen Bikini oder sonstigen Hauch von Nichts hinausgeht, »overdressed«.

Ich hätte gedacht, dass unter so vielen spärlich bekleideten Mädels die Stoffmenge meines Outfits Spinner auf Abstand halten würde.

Fehlanzeige.

Ich musste bereits drei Po-Grapscher und einen aufdringlichen Titten-Fummler abwehren.

Wynn quiekt jedes Mal, wenn jemand sie anfasst. Ich nehme an, insgeheim schmeichelt ihr die Aufmerksamkeit, aber ich habe es langsam satt, ständig Hände wegschlagen zu müssen.

Ehrlich, so verbringe ich meine Samstagabende normalerweise nicht. Ein Eimer gesalzenes Light-Popcorn und meine Lieblingsserie im TV – das kommt der Sache schon näher. Bequeme Jeans und kleinere, intimere Treffen sind eher mein Ding.

Aber Wynn befindet sich auf einer Art Entertainment-Kreuzzug, um mich nahezu jeden Tag aufs Neue zu unterhalten, seit Rachel, unsere andere beste Freundin (und meine ehemalige Mitbewohnerin), am vergangenen Wochenende geheiratet hat.

Ich weiß nicht mehr, warum ich mich von Wynn dazu habe überreden lassen, heute Abend ausgerechnet hierher zu kommen, aber mein Herz hämmert, seit wir aufgebrochen sind.

Gott, was mache ich hier bloß?

»Ginaaaaa!« Wynn klingt frustriert, als sie meine Hand drückt und mich vorwärts zieht.

Sie versucht, uns beiden einen Weg durch die Menge zu bahnen. Versucht, mir dabei zu helfen … ihn zu finden. Aber ich würde ihr trotzdem am liebsten meine Hand entreißen und direkt durch den Haupteingang wieder hinausmarschieren, denn … was mache ich hier?

In diesem Moment wird meine Aufmerksamkeit auf die an den Kronleuchtern hängenden nackten Frauen mit blauen, glitzernden Monden auf den Brustwarzen gelenkt. Sie reiben sich gewissermaßen an den Kristallen, winden sich wie Eidechsen und wackeln mit ihren perfekten Ärschen; man sieht nur noch glänzende Körper und entblößte Haut.

Mein Outfit und Make-up fallen hier nicht weiter auf. Warum habe ich Stunden darauf verwandt, mich fertig zu machen? Mein Herz hämmert schnell. Weil ER hier ist. Ich habe seinen Wagen auf dem Parkplatz gesehen – einen weißen Rolls-Royce Ghost, der einerseits vor Geld schreit, während seine total verdreckten Reifen andererseits »Ich scheiß drauf« schreien.

Es ist zwar lange her, dass ich in einem solch gerammelt vollen Club war, aber ich hätte mir denken können, dass ein mega Partylöwe seinen sechsundzwanzigsten Geburtstag stilecht feiern würde.

Sein Name ist Tahoe Roth. Und er ist einfach ein Freund. Das ist der einzige Grund, warum ich hier bin. Weil Freunde nun mal die Geburtstage ihrer Freunde feiern. Oder?

»Hör mal, wir werden einfach zu ihm rübergehen, ›Happy Birthday‹ sagen und dann verschwinden«, rufe ich energisch in Wynns Ohr.

Sie dreht sich um und reißt die Augen auf.

»So früh? Bevor Emmett hier auftaucht? Auf keinen Fall!« Wynn wirft mir einen tadelnden Blick zu und zieht mich energisch weiter. »Du wirst deine Reize spielen lassen, ›Happy Birthday‹ sagen und ihm mitteilen, dass du ein Geschenk hast, das nur für seine Augen bestimmt ist. Dann wirst du ihn für diese Nacht mit nach Hause nehmen – und ihn ein für alle Mal aus deinem System löschen.«

»Ähm … das wäre aber ziemlich hart.«

»Gina! Genau das war der Plan – ihn aus deinem System zu löschen.«

Ich sträube mich. »Nicht wirklich. Du kannst nichts aus deinem System löschen, was gar nicht drin ist!«

Wynn und ich drängen uns zusammen, als sich einige Leute an uns vorbeiquetschen und auf einen der Poolbereiche zusteuern. Zum ungefähr zwölften Mal an diesem Tag bereue ich es, Wynn erzählt zu haben, dass ich nicht weiß, ob ich Tahoe schlagen oder ihn die ganze Nacht vögeln sollte. Seitdem sitzt sie mir im Nacken.

Ich trage sexy Unterwäsche, die ich heute gekauft habe, und denke an seine blauen Augen.

Mein Magen verknotet sich, als mir sein Grübchen in den Sinn kommt.

Und jetzt habe ich eine Panikattacke und frage mich, wie viele Tequilas ich wohl brauchen werde, um das zu tun, wovon ich den ganzen Tag lang fantasiert habe.

»Lass uns Tahoe in den Pool locken – wir müssen ihn irgendwie aus seinen Klamotten holen!«

Das Flüstern kommt von meiner rechten Seite, als ein Mädchen und ihre Freundin sich an uns vorbeischieben und denselben Pool ansteuern wie wir.

»Oooh! Sieh mal! Da ist er!«, ruft Wynn.

Ich schnappe scharf nach Luft und verspüre genau denselben Frust wie immer, wenn ich ihn sehe. Er ist aufreizend. Er ist nervig. Er ist eingebildet. Selbstsüchtig. Egozentrisch. Wirklich, ich habe keine Ahnung, warum wir eigentlich Freunde sind.

Ich stoppe einen vorbeilaufenden Kellner und schnappe mir ein Glas Tequila von seinem Tablett, kippe es in einem einzigen Zug herunter und drehe mich zu Tahoe um. Und der Tequila trägt nichts dazu bei, seine Wirkung auf mich abzumildern.

Er steht dort mit einigen anderen Männern zusammen. Aber Tahoe Roth ist der einzige, den ich sehe.

Sein blondes Haar glänzt im Schein der Lichter. Seine Augen sind von einem elektrisierenden Blau, seine markanten Züge sind unvollkommen, roh. Und sein Ein-Tages-Bart lässt ihn noch urtümlicher, wilder erscheinen. Vikings ist eine meiner Lieblingsserien, und ich muss zugeben, dass er eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ragnar hat. Das verschlägt mir den Atem.

Und dann … sein Lächeln, sein Lächeln ist so ansteckend, so mühelos leicht. Noch nie habe ich einen Mann so viel lächeln sehen wie ihn. Es ist ein respektloses Lächeln, ein spöttisches Lächeln, denn tatsächlich scheint Tahoe niemals irgendetwas zu respektieren.

Mein Magen verkrampft sich und es schnürt mir die Kehle zu bei seinem Anblick und seinem wunderschönen Mund, aus dem manchmal versaute Dinge zu hören sind.

Die beiden Stalkerinnen, die ihn ausziehen wollten, kommen näher, und er legt die Arme um beide. Einfach so steht er da, eine Frau in jedem Arm, und ein Stich durchzuckt meine Brust. Ein schrecklicher Stich der Angst, jener Art von Angst, die dich erfasst, wenn du umringt bist von Hunderten von Fremden, die alle weiter tanzen und reden und trinken … während du den Mann anstarrst, der dich in deinen Träumen verfolgt, und du nicht weißt, was du tun sollst.

Was du in Bezug auf ihn tun sollst.

»Gina!« Wynn stupst mich an. »Zieh den Plan durch. Mann, du weißt, dass er eine scharfe Bestie ist. Er hat Ende Oktober Geburtstag, also ist er Skorpion, und Skorpion ist das Symbol für Sex. Und du bist diese erotische, dunkelhaarige Marilyn Monroe, die mit ihrem knappen Kleid und diesen dunkelroten Lippen geradezu nach Sex schreit.«

Ich atme tief ein und versuche, meinen ganzen Mut zusammenzunehmen, doch es gelingt mir nicht, und ich drehe mich halb zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind – bin aber außerstande wegzugehen, weil Wynn mich aufhält.

»Ich kann nicht, Wynn, ich will ihn gar nicht wirklich, ich mag ihn nicht mal«, protestiere ich.

Stirnrunzelnd und sauer auf mich selbst vermeide ich es, IHN anzusehen, als ich einen Mann bemerke, der mich anstarrt. Er ist relativ klein und sieht harmlos aus, daher schenke ich ihm ein schwaches Lächeln und bete, dass er kein enger Freund von Tahoe ist.

Der Mann grinst zurück und kommt auf mich zu. Doch dann löse ich unseren Blickkontakt, als ich Gebrüll von der anderen Seite des Raums höre und mich umdrehe.

»Roth!«

Ein Mädchen unter dem Wasserfall ruft nach ihm, und ich kann es mir nicht verkneifen, noch mal zu ihm hinüberzuschauen. Warum kann ich ihn nicht einfach ignorieren?

Er steht neben Callan Carmichael und zwei älteren Männern, und die beiden Mädchen in seinen Armen ziehen sich bis auf ihre Bikinis aus. Carmichael und Tahoe sind beide einfach nur heiß. Callan hat kupferfarbenes Haar und gehört zum hochgewachsenen, athletischen Typ und dann … Tahoe.

Tahoe, die Bestie.

Er ist von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, und die blitzenden Lichter...