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Ein kalter Mord - Thriller

von: Colleen McCullough

Aufbau Verlag, 2011

ISBN: 9783841202444 , 464 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 7,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Mehr zum Inhalt

Ein kalter Mord - Thriller


 

Kapitel zwei


Donnerstag, den 7. Oktober 1965

 

Carmines Tag begann in Commissioner John Silvestris Büro, wo er in der Mitte eines Halbkreises vor dessen Schreibtisch saß. Links von ihm hatten Captain Danny Marciano und Sergeant Abe Goldberg Platz genommen und zu seiner Rechten Dr. Patrick O’Donnell und Sergeant Corey Marshall.

Nicht zum ersten Mal dankte Carmine seinen Glückssternen für die beiden älteren Männer, die in der Hierarchie über ihm standen.

Der südländische, gutaussehende John Silvestri war ein Schreibtischpolizist, war schon immer einer gewesen und ging zuversichtlich davon aus, dass er bei seiner Pensionierung in fünf Jahren von sich sagen könne, noch nie in einem Tumult seine Waffe gezogen, geschweige denn ein Gewehr oder eine Pistole abgefeuert zu haben. Was schon merkwürdig war, da er 1941 als Lieutenant in die U. S. Army eingetreten war und sie 1945 hochdekoriert wieder verlassen hatte, unter anderem mit der Medal of Honor, der höchsten Auszeichnung für Tapferkeit im Kampfeinsatz. Seine ärgerlichste Gewohnheit betraf allerdings Zigarren, die er eher nuckelte als rauchte, wodurch er quasi eine Spur schleimiger Stummel hinter sich ließ, die einen Geruch verströmten wie ein Spucknapf in einem Saloon von Dodge City im Jahre 1890.

In vollem Bewusstsein, dass Danny Marciano die Zigarrenstummel am meisten hasste, machte Silvestri sich stets ein besonderes Vergnügen daraus, seinen Aschenbecher direkt unter Marcianos Stupsnase zu schieben; Marciano hatte einen sommersprossigen hellen Teint und blaue Augen, die viele Sitzerei am Schreibtisch hatte ihm ein paar Extrapfunde beschert. Er war ein guter zweiter Mann, dem aber die listige Geduld abging, am Ende Commissioner zu werden.

Sie überließen Carmine und seinen Kollegen, den beiden anderen Lieutenants, die Erledigung der richtigen Polizeiarbeit, ignorierten jeden politischen Druck vonseiten der Stadt und der Universität sowie aus Hartford, der Hauptstadt von Connecticut, und man konnte sich darauf verlassen, dass sie sich für ihre Männer einsetzten. Jeder wusste, dass Carmine ihr Favorit war. Daraus entsprang jedoch keine Missgunst, denn in der Praxis bedeutete es, dass Carmine alle kitzligen Fälle erbte, die Diplomatie oder Zusammenarbeit mit anderen Strafverfolgungsbehörden erforderten. Außerdem war er der Chef der Mordkommission des Departments.

Delmonico hatte gerade sein erstes Studienjahr an der Chubb abgeschlossen, als Pearl Harbor angegriffen wurde. Also unterbrach er sein Studium und meldete sich freiwillig. Durch reinen Zufall wurde er zur Militärpolizei abgestellt, und nachdem er den einfachen Wachdienst und die Festnahme betrunkener Soldaten erst einmal hinter sich hatte, stellte er fest, dass er diese Arbeit liebte. Bei Kriegsende und im Anschluss an eine Dienstzeit im besetzten Japan war er Major und qualifiziert, sein Studium an der Chubb in einem beschleunigten Programm abzuschließen. Mit einem Diplom in der Tasche, das ihn berechtigte, englische Literatur oder Mathematik zu unterrichten, entschied er sich dann, dass ihm die Polizeiarbeit am besten gefiel. 1949 kam er so zur Polizei von Holloman. Silvestri, zum damaligen Zeitpunkt Lieutenant im Innendienst, erkannte bald sein Potential und versetzte ihn zu den Detectives, der Kriminalpolizei, wo er mittlerweile ranghöchster Lieutenant war. Holloman war nicht groß genug, um wie größere Städte ein eigenes Morddezernat oder andere Abteilungen für bestimmte Deliktsbereiche zu haben, weswegen Carmine alle möglichen Verbrechen bearbeitete. Morde waren jedoch seine Spezialität, und er hatte eine ausgezeichnete Aufklärungsquote: nahezu hundert Prozent.

Erwartungsvoll, aber entspannt saß er da; das hier würde interessant werden.

»Sie zuerst, Patsy«, sagte Silvestri, der bereits jetzt den Fall nicht mochte, weil er mit Sicherheit in den Fokus der Öffentlichkeit geraten würde. Nur ein kurzer Absatz in der Holloman Post von diesem Morgen, aber wenn erst Einzelheiten durchsickerten, stünde die Story auf der ersten Seite.

»Ich kann sagen«, begann Patrick, »dass, wer auch immer den Torso im Kühlraum des Hug deponierte, weder Fingerabdrücke noch Fasern oder sonst irgendwelche Spuren von sich hinterlassen hat. Das Opfer ist im mittleren Teenageralter, in ihren Adern fließt auch farbiges Blut. Sie ist klein und sieht gesund und gepflegt aus.« Er beugte sich aus seinem Stuhl vor, seine Augen funkelten. »Auf der rechten Pobacke hat sie einen herzförmigen Schorf. Ein vor etwa zehn Tagen entferntes Nävus. Allerdings war es kein pigmentiertes Muttermal, sondern ein Hämangiom – ein Blutschwämmchen. Der Mörder benutzte einen bipolaren Elektrokauter, um sämtliche den Tumor ernährenden Gefäße abzuknipsen und zu veröden. Das muss ihn Stunden gekostet haben. Dann hat er es mit Gelschaum abgedeckt, um die Gerinnung zu unterstützen, und anschließend die Wunde verschorfen lassen, damit sie schön trocken wird. Ich habe Reste von etwas gefunden, von dem ich zunächst dachte, es wäre eine Wundsalbe auf Ölbasis, aber das war’s nicht.« Er holte tief Atem. »Es war Ölfarbe in exakt derselben Farbe wie ihre Haut.«

Carmine bekam eine Gänsehaut. »Selbst nach Entfernung des Muttermals sah sie noch nicht perfekt aus, also hat er die Stelle mit Ölfarbe abgedeckt, um sie perfekt zu machen. Mann, Patsy, da haben wir’s aber mit einem schrägen Typen zu tun!«

»Ja«, bestätigte Patrick knapp.

»Also ist er Chirurg?«, fragte Marciano nach und schob Silvestris Aschenbecher samt Inhalt weit von sich weg.

»Nicht unbedingt«, kam von Carmine. »Gestern sprach ich mit einer Lady, die an den Versuchstieren im Hug mikrochirurgisch arbeitet. Sie hat kein medizinisches Studium absolviert. Wahrscheinlich gibt es in jedem großen Forschungszentrum wie der medizinischen Fakultät des Chubb Dutzende von Laboranten, die genauso gut operieren können wie jeder Chirurg. Übrigens habe ich bis zu dem Punkt, an dem uns Patsy erklärt hat, wie der Kerl das blutende Muttermal verödet hat, auch noch Metzger und Schlachter in meine Überlegungen einbezogen. Die kann ich jetzt wohl ruhigen Gewissens ausschließen.«

»Aber Sie glauben, dass das Hug involviert ist?«, fragte Silvestri, er nahm seine ekelerregende Zigarre in die Hand und lutschte daran.

»Das tue ich.«

»Und was jetzt?«

Carmine stand auf und nickte Corey und Abe zu. »Wir nehmen uns die Vermisstenfälle vor. Wahrscheinlich im gesamten Bundesstaat. Hier in Holloman haben wir keine vermissten Personen in den Akten, es sei denn, er hatte sie schon viel länger, als er brauchte, um ihr all das anzutun. Weil wir nicht wissen, wie das Opfer aussah, werden wir uns auf das Muttermal konzentrieren.«

Patrick begleitete Carmine hinaus. »Das hier wirst du nicht auf die Schnelle lösen«, sagte er. »Dieser Bastard hat nichts zurückgelassen, womit du weitermachen könntest.«

»Als wenn ich das nicht wüsste. Wenn dieser Affe in dem Eisschrank nicht aufgewacht wäre, wüssten wir ja noch nicht mal, dass ein Verbrechen begangen worden ist.«

Als bei den Vermisstenmeldungen in Holloman nichts herauskam, begann Carmine herumzutelefonieren und die anderen Polizeibehörden des Bundesstaates anzurufen. Die State Police hatte in unmittelbarer Nähe des Appalachian Trail die Leiche eines zehnjährigen Mädchens gefunden – ein großes Mischlingskind, das von seinen zeltenden Eltern als vermisst gemeldet worden war. Doch sie war an Herzstillstand gestorben, und es gab keinerlei verdächtige Todesumstände.

Die Polizei in Norwalk hatte die Vermisstenmeldung eines sechzehnjährigen Mädchens dominikanischer Herkunft namens Mercedes Alvarez, das vor zehn Tagen verschwunden war.

»Einsfünfzig, lockige, aber keine krausen dunklen Haare, dunkelbraune Augen – ein wirklich hübsches Gesicht – eine vollentwickelte Figur«, sagte jemand, der sich als Lieutenant Joe Brown gemeldet hatte. »Oh, und ein großes, herzförmiges Muttermal auf ihrer rechten Pobacke.«

»Geh nicht weg, Joe, ich bin in einer halben Stunde da.«

Carmine packte das Blaulicht auf das Dach seines Ford und steuerte den Wagen die I-95 runter, mit heulender Sirene. Er brauchte etwas mehr als zwanzig Minuten für die vierzig Meilen.

Lieutenant Joe Brown war ungefähr in seinem Alter, in den frühen Vierzigern. Er war nervös, so wie auch die anderen Polizisten in der Nähe. Carmine betrachtete das Farbfoto in den Akten und suchte nach dem Hinweis auf das Muttermal, das eine ungeübte Hand skizziert hatte.

»Das ist unser Mädchen, ganz klar«, sagte er. »Mann, ist die...