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Projekt Nighthawk - Ein Kurt-Austin-Roman

von: Clive Cussler, Graham Brown

Blanvalet, 2019

ISBN: 9783641226824 , 544 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 9,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Projekt Nighthawk - Ein Kurt-Austin-Roman


 

PROLOG

DER FEUERSTURM

Südamerika

Januar 1525

Der Speer prallte gegen Diego Alvarados Brust. Obwohl es ein schwerer Treffer war, der ihn zu Boden warf, konnte er die widerstandsfähige kastilische Rüstung, die Alvarado den ganzen weiten Weg von Spanien bis hierher getragen hatte, nicht durchbohren.

Er rollte sich über den Boden, kam auf ein Knie hoch und spannte seine Armbrust. Als er zwischen den Bäumen eine Bewegung wahrnahm, schoss er den Bolzen ab, der in das dichte Laubwerk eindrang und einen Schmerzensschrei auslöste.

»Zwischen den Bäumen auf der rechten Seite!«, rief er seinen Männern zu.

Eine Wolke blauen Pulverqualms wallte über dem schmalen Trampelpfad hoch, als mehrere großkalibrige Musketen, Arkebusen genannt, gleichzeitig feuerten. Die Geschosse rasten in den Wald hinein, rissen Zweige von den Bäumen und zerfetzten das üppig wuchernde grüne Laub.

Eine Woge von Pfeilen kam als Antwort auf sie zugeflogen. Zwei von Alvarados Männern brachen zusammen, und auch er selbst spürte einen stechenden Schmerz in seinem Oberschenkel, als sich die Obsidianspitze eines Pfeils in sein Fleisch bohrte.

»Sie haben uns umzingelt«, warnte einer seiner Männer.

»Haltet eure Position«, befahl Alvarado, drang humpelnd weiter vor, anstatt umzukehren, und ignorierte den Schmerz, während er seine Waffe lud.

Nach einem langen Marsch in die Hügellandschaft am Fuß des Gebirges waren sie in einen Hinterhalt geraten, auf einen Pfad durch den dichten Dschungel gelockt worden und wurden nun von beiden Seiten angegriffen. Eine andere Truppe wäre unter der Attacke wahrscheinlich in Panik geraten und hätte kopflos die Flucht ergriffen. Alvarados Männer aber hatten früher als Soldaten gedient, und jetzt standen sie dicht gestaffelt wie eine Mauer und dachten nicht daran, ihre wertvolle Munition zu vergeuden. Mehrere zückten ihre Schwerter, während die anderen ihre Feuerwaffen in Anschlag brachten.

Die Eingeborenen sammelten sich, um abermals anzugreifen. Mit schrillem Geschrei brachen sie zwischen den Bäumen hervor, stürmten dann auf die Lichtung, wo sie von spanischem Donner aufgehalten und niedergestreckt wurden, als eine zweite Salve von Schwarzpulverexplosionen die Luft erzittern ließ.

Etwa die Hälfte von ihnen ging im konzentrierten Feuer der Spanier zu Boden, die anderen machten kehrt und rannten um ihr Leben. Nur zwei setzten den Angriff fort. Sie stürmten auf Alvarado zu und ließen sich vom Pulverqualm nicht aufhalten. Eine grelle Kriegsbemalung machte ihre rötlich dunklen Gesichter, in denen ihre weißen Augen hell leuchteten, zu furchteinflößenden Fratzen.

Alvarado traf den Ersten mit dem Armbrustbolzen, sodass er mitten im Lauf zusammenbrach, aber der Zweite war nicht aufzuhalten und schleuderte einen Speer. Die Spitze der primitiven Waffe prallte von der nach vorne spitz zulaufenden Brustplatte von Alvarados silbern glänzender Rüstung ab. Da ihm solche schlichten Klingen nichts anhaben konnten, warf sich Alvarado seinem Angreifer entgegen. Er packte den Mann, nutzte seinen Schwung und schleuderte ihn zu Boden.

Dann ließ sich Alvarado mit seinem ganzen Gewicht auf den Eingeborenen fallen und tötete ihn mit einem Dolch.

Als er sich aufrichtete, hatten die restlichen Krieger längst das Weite gesucht.

»Nachladen!«, befahl er seinen Männern. »Sie kommen bald zurück!«

Während die Männer mit der mühsamen Arbeit begannen, Pulverladungen in ihre langläufigen Schusswaffen zu stopfen, versuchte Alvarado, den Pfeil des Eingeborenen aus seinem Oberschenkel zu ziehen. Er stocherte mit der Spitze seines Dolchs in der Wunde herum und hebelte die Pfeilspitze behutsam heraus. Dann betrachtete er den Pfeil und warf ihn schließlich achtlos beiseite. Er lieferte keine neuen Erkenntnisse. Aus Berichten wusste er, dass sich diese »Wolkenmenschen« erheblich von den Inka und den anderen Stämmen in dieser Region unterschieden. Dass sie tapfere Krieger waren, stand außer Zweifel, aber sie hatten keine besseren Waffen als die anderen Eingeborenen. Das Einzige, was sie so gefährlich machte, war ihre große Anzahl.

Alvarado träufelte ein wenig Wein aus einer kleinen Flasche auf die Wunde. Er verursachte zwar ein heftiges Brennen, aber es überlagerte immerhin den Wundschmerz und betäubte ihn – und würde, wie Alvarado hoffte, Gift und Schmutz herausspülen. Danach umwickelte er den Oberschenkel mit einem Tuch und sah zu, wie das Blut den Stoff tränkte und sich von einem Punkt in der Mitte ausbreitete, bis der gesamte Verband blutrot glänzte.

»Wir müssen uns zurückziehen«, sagte er und bemühte sich, auf die Füße zu kommen.

»Wie weit?«, wollte einer seiner Männer wissen.

»Den ganzen Weg«, antwortete Alvarado. »Bis zum Dorf.«

Niemand widersprach. Tatsächlich waren sie sogar erleichtert, als sie den Befehl hörten.

Sie stellten sich in Reih und Glied auf und setzten sich in Marsch. Die ersten zwei Kilometer schaffte Alvarado noch aus eigener Kraft, aber die schwere Rüstung und die Schmerzen in seinem Bein wurden ihm bald zu viel. Einer seiner Männer kam ihm zu Hilfe und führte ihn zu dem kräftigen Packpferd, das ihren Proviant trug. Der Gurt wurde gelöst, und die Vorräte fielen auf den Erdboden. Zwei Männer hoben Alvarado mit vereinten Kräften auf das Pferd. Er suchte sich eine halbwegs bequeme Position auf dem breiten Rücken des Tieres, und der gesamte Trupp setzte den Weg fort, eilte bergab und zum Lager zurück.

Nach mehreren Stunden erreichten Alvarado und seine Männer die Ansiedlung, von der aus sie am frühen Morgen des Tages aufgebrochen waren. Die Nacht war hereingebrochen, aber wärmende Feuer, die von den Soldaten, die er zurückgelassen hatte, angefacht worden waren, hießen ihn und seine Begleiter willkommen.

Ein Adliger namens Costa half Alvarado beim Absteigen vom Pferd. »Was ist geschehen?«, fragte er und erbleichte beim Anblick der Wunde.

Costa war ein Aristokrat mittleren Rangs. Er hatte sich bereiterklärt, die Kosten für die Expedition als Gegenleistung für ein Drittel aller Schätze zu übernehmen, die gefunden oder erobert wurden. Weshalb er persönlich an der Expedition teilnahm, wusste niemand zu erklären. Vielleicht aus Abenteuerlust oder, was eher wahrscheinlich war, um sicherzugehen, dass ihn niemand um seinen Profit betrog. Bisher hatte er allerdings wenig mehr zu dem Unternehmen beigetragen, als sich ständig zu beschweren.

»Wir wurden gründlich getäuscht«, sagte Alvarado. »Diese Wolkenmenschen sind uns ganz und gar nicht freundlich gesinnt. Eher würden sie uns töten, als sich mit uns zu verbünden, selbst wenn dies zur Folge hätte, dass sie weiterhin anderen Herren als Sklaven dienen müssen.«

»Aber was ist mit Pizarro?«, fragte Costa. »Wir sind seinen Zeichen gefolgt. Er hat diesen Weg genommen. Er sagte doch, wir würden Verbündete finden.«

Alvarado wusste über Pizarros Zeichen Bescheid. Der Möchtegernkonquistador hatte Inschriften in einige Baumstämme entlang des Pfades geritzt, sodass Alvarado und seine Hilfstruppen zu Pizarro und seinem Vorauskommando aufholen konnten.

Er kannte auch Pizarros weitere Pläne, andere Eingeborenenstämme gegen die herrschende Klasse aufzuwiegeln. In anderen Regionen war diese Taktik bereits aufgegangen, hier aber nicht.

»Irgendetwas muss ihm zugestoßen sein«, sagte Alvarado. »Entweder wurde Francisco getötet oder …«

Er brauchte den Satz nicht zu beenden, keiner von ihnen traute Pizarro über den Weg. Er redete ständig von Gold, von dem bisher niemand auch nur einen flüchtigen Schimmer zu Gesicht bekommen hatte, und versprach Reichtümer, die allerdings erst noch aufgestöbert werden mussten. Er war ein kleiner Mann mit fantastischen Träumen. Zweimal war er von dem Gouverneur abgewiesen worden, als er diesen um Unterstützung für seine Expeditionen gebeten hatte, und dann war er schließlich an Costa und an seinen unmittelbaren Rivalen, Alvarado, herangetreten.

Einerseits mochte Alvarado Francisco Pizarro ganz und gar nicht und vertraute ihm auch nicht im Mindesten, andererseits konnte er den Mann recht gut verstehen. Sie waren beide aus dem gleichen Holz geschnitzt. Beide waren von niederer Geburt, und beide hatten sich von Spanien aus auf den Weg gemacht, um sich Namen und Ansehen zu verschaffen. Aber nur wenige Monate zuvor hatten sie einander als Feinde gegenübergestanden, und so war es durchaus möglich, dass Pizarro eingewilligt hatte, sich mit ihnen zu verbünden, um sie in ihr Verderben zu locken.

»Wir müssen sofort zur Küste aufbrechen«, drängte Alvarado.

Costas Miene verdüsterte sich, als er den Vorschlag seines Schicksalsgenossen hörte.

»Ist mit diesem Befehl etwas nicht in Ordnung, mein Freund?«

»Das nicht«, sagte Costa. »Es ist nur so, dass …«

»Heraus damit.«

Costa zögerte. »Einige Männer sind erkrankt. Sie haben Fieber. Es könnten die Blattern sein.«

Alvarado konnte sich keine schlimmere Nachricht vorstellen. »Das muss ich sehen.«

Costa führte ihn zu der größten der Eingeborenenhütten. Sie war aus Lehm und Stroh erbaut und hatte möglicherweise als allgemeiner Versammlungsort gedient. In der Mitte brannte ein Feuer, dessen Rauch durch eine große Öffnung im Dach abzog. Darum herum lagen auf dem Lehmboden mehrere von Alvarados Soldaten in unterschiedlicher körperlicher Verfassung, aber ganz eindeutig waren sie nicht gesund.

»Wann hat das...