Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
1. Der Wald (S.4)
Ein Wispern erfüllte die Sternenräume der Galaxis Hangay. Es bestand aus 125 Chören, die wie wahllos über das fl ammende Spiralrad verteilt waren und einander doch niemals verloren. Es waren die Stimmen der Wälder, die alle aus einer Wurzel entsprangen: Arystes. Das Wispern endete nicht etwa an den Grenzen Hangays, sondern eilte fort, ohne an Lautstärke zu verlieren und ohne laut zu sein, immer weiter, bis es eines sehr fernen Tages, in zirka 20 Millionen von Jahren, auch jenen Ort im Universum erreichte, an dem die Geschichte der Wälder einst ihren Anfang genommen hatte.
Es war die Geschichte von Alomendris, dessen Leben als winziger Schössling des Pfl anzenvaters Arystes begonnen hatte. Eine als grenzenlos angelegte Existenz, die alle Höhen und Tiefen des beseelten Daseins durchlitten hatte und von Beginn an geprägt wurde von Mächten, die sie für ihre Zwecke zu missbrauchen versuchten.
Die Erish Vikhtold waren die Schlimmsten – eine monströse Roboterzivilisation, die nach dem Verlust ihrer Weißen Herren in ihm einen Ersatz sahen, einen neuen Meister, dem sie dienen wollten. Was als scheinbar lösbare und auch sinnvolle Aufgabe begonnen hatte, entwickelte sich jedoch schon bald zum Albtraum, dem zentralen Trauma, das Alomendris’ gesamtes Leben durchzog wie ein roter Faden. Die Roboter waren gewachsen und hatten expandiert, hatten ihr Imperium aufgeblasen wie ein wucherndes Geschwür, das sich Sonnensystem für Sonnensystem und Galaxis um Galaxis einverleibte und ihre Bewohner versklavte und umbrachte – und alles in Alomendris’ Namen. Sie hatten in dem Wahn gelebt, für ihn zu kämpfen und seine Existenz zu sichern, was jedoch letztlich nichts anderes war als das Alibi für ihre eigene Expansion und Verheerungen. Erst als er keinen anderen Ausweg mehr sah, gelang ihm die Flucht. Seither war er immer weiter fortgelaufen, von Stern zu Stern und Galaxis zu Galaxis. Die 126 aus ihm erwachsenen Kernwälder waren mit eigenem Antrieb ausgestattet und vermochten schier unbegrenzt durch den Weltraum zu fliegen. Und das hatten sie getan, Millionen von Jahren lang, bis sie wieder von den Peinigern gefunden worden waren, die nichts unversucht ließen, ihn zu sich zurückzuholen.
Das Leben der Wälder war Angst gewesen, Schrecken und immer wieder neue Flucht. Bald schrumpfte die Hoffnung darauf, eine Zeit und einen Ort zu erreichen, an dem sie sich endlich sicher fühlen durften. Die Furcht davor, dass irgendwann die alten Quäler wieder auftauchten, war unüberwindlich.
Schließlich erreichten die 126 Wälder die Galaxis Hangay und ließen sich dort auf je einem Planeten nieder. Sie brauchten sich keine Welt zu teilen, denn sie waren auf mentalem Weg untereinander verbunden. Sie besaßen die Möglichkeit, sich auszutauschen und Informationen zu senden. Aber auch materiell war ein Austausch zwischen ihnen gegeben. Mit der Distanzlosen Interaktion konnten sie Dinge und Wesen von einem Wald zum anderen befördern, ohne Zeitverlust und ohne Schaden für die Betroffenen. Eine einzige, schmerzliche Ausnahme gab es – der 126. Wald befand sich gefangen in der Kernzone von Hangay, da das Böse diese Kernzone besetzt und vom Rest des Universums abgeriegelt hatte. Nummer 126 hatte die Gelegenheit zur Flucht verpasst und lebte nunmehr in unmittelbarer Nähe jener Wesenheit, die den Aufbau des Chaos in Hangay steuerte und leitete – KOLTOROC.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion









