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Sniper Elite: Geisterschütze

von: Scott McEwen

Festa Verlag, 2018

ISBN: 9783865526540 , 100 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 4,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Sniper Elite: Geisterschütze


 

1

Sechs Monate später

Distrito Federal

Mexiko-Stadt, Mexiko

08:45 Uhr

Chance Vaught stand in der hinteren Lobby der amerikanischen Botschaft in Mexiko-Stadt und sprach mit Bill Louis, dem amerikanischen Botschafter in Mexiko. Vaught war ein ehemaliger Green Beret mit acht Jahren Kampferfahrung im Irak und in Afghanistan. Inzwischen arbeitete er als Spezialagent für den diplomatischen Sicherheitsdienst der Vereinigten Staaten, kurz DSS. In seinem derzeitigen Einsatz war er für die Sicherheit von Alice B. Downly verantwortlich. Downly war die Leiterin der Bundesbehörde für Nationale Drogenkontrollpolitik und wurde in dieser Funktion intern gern auch als ›Drogenbaronin‹ tituliert.

»Sie wollen mir also sagen, dass wir einen Spießrutenlauf von hier bis zum Senatsgebäude absolvieren müssen?«, fragte Vaught. Er war 30 Jahre alt, besaß ein südländisches Gesicht mit grünen Augen und schwarzem Kinnbart. »Ich dachte, alle Termine für die gesamte Woche wurden hier in der Botschaft angesetzt. Was zur Hölle ist passiert?«

»Ganz unter uns?« Louis senkte die Stimme. »Downly hat gestern die mexikanische Delegation beleidigt, insbesondere Lazaro Serrano. Zuerst hat sie vorgeschlagen, dass sie amerikanische Spezialeinheiten nach Mexiko reinlassen, die sie beim Krieg gegen die Kartelle als Berater unterstützen sollen, und dann hat sie angedeutet, dass diese Teams unabhängig operieren sollen, so wie unsere Agenten es damals unten in Kolumbien gemacht haben, zu Pablo Escobars Zeiten.«

Vaught verdrehte ungläubig die Augen. »Mexiko mit Kolumbien zu vergleichen ist ja auch überaus diplomatisch.« Er holte eine Dose Copenhagen-Tabak aus der Tasche seiner Cargohose und steckte sich einen Dip hinter die Unterlippe. Er war sicher, dass das mexikanische Senatsgebäude – vor Ort als La Casona de Xicoténcatl bekannt – engmaschig überwacht wurde, aber er hätte dort keinerlei Kontrolle über das Vorgehen. Treffen und Besprechungen, die außerhalb des Botschaftsgeländes stattfanden, gaben stets Anlass zu erhöhter Vorsicht und Nervosität und wurden weltweit zunehmend zu einem Problem für den DSS. Seit den von Osama bin Laden orchestrierten Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren Milliarden US-Dollar geflossen, um amerikanische Botschaften wehrhaft zu machen, bis sie weit mehr den Hochsicherheitsgefängnissen zu Hause glichen als Orten der Diplomatie. Und seither weigerten sich viele ausländische Diplomaten schlichtweg, sich zu Gesprächen in den festungsähnlichen Anwesen einzufinden, was wiederum die amerikanischen Diplomaten dazu zwang, solche Treffen an weniger sicheren Orten abzuhalten, so wie heute Morgen.

»Es sind ja nur zwei Meilen.« Louis war ein rundlicher Mann über 40, mit Glatze und blassblauen Augen. Er sprach fließend Spanisch und verstand auch die mexikanische Kultur bis ins Detail. »Sie schicken uns die übliche staatliche Eskorte, zwei Wagen, vier Motorräder, und zusammen mit unseren drei Fahrzeugen ist das mehr als genug. Die Fahrt dauert nur acht Minuten.«

Vaught hatte schon erlebt, dass die Welt in acht Minuten im Chaos versinken konnte.

»Ich weise meine Leute ein und sorge dafür, dass sie abfahrbereit sind«, erwiderte er. Er hatte Familie in Mexiko, seine Mutter stammte aus dem Bundesstaat Jalisco, und er war zweisprachig aufgewachsen und sprach Englisch und Spanisch gleich gut. Das hatte es ihm erlaubt, auf Anhieb ein gutes Verhältnis zum Botschafter aufzubauen. »Dann bin ich ja gespannt, worum sie heute bitten wird – vielleicht um einen eigenen Luftwaffenstützpunkt direkt hier im Distrito Federal?« Er bezog sich auf die offizielle Bezeichnung für den Bundeshauptstadtdistrikt, der die Metropolregion von Mexiko-Stadt umfasste.

Louis lachte leise, als er sich abwandte. »Die direkte Route führt über die Avenida Reforma. Ich sorge dafür, dass drüben beim Senatsgebäude die angemessenen Vorkehrungen getroffen werden. Lassen Sie mich wissen, wenn Sie sonst noch irgendetwas brauchen.«

Vaught versammelte die neun Agenten seiner Personenschutzeinheit beim Fuhrpark hinter der Botschaft. Die Männer waren für diese Aufgabe sorgfältig ausgewählt worden, jeder von ihnen ein ehemaliger Agent der Spezialstreitkräfte. Alle hatten ausgedehnte Kampfeinsätze hinter sich. »Also Folgendes, Jungs: Downly hat es geschafft, die mexikanische Delegation gestern zu verärgern, deswegen wollen sie sich heute im Xicoténcatl treffen, ein paar Meilen von hier entfernt.« Der Name wurde Schiko-tén-katl ausgesprochen. »Das ist der Bau, in dem der mexikanische Senat zusammenkommt, für die Gringos unter euch.« Die anderen lachten. »Sie schicken die übliche Eskorte, und die Strecke sollte uns nicht mehr als acht Minuten kosten, aber ich möchte, dass ihr Jungs den gesamten Weg über auf jede Kleinigkeit achtet. Haben wir uns verstanden?«

Die Antworten bestanden aus »Roger!« und »Aye-aye!«, je nachdem, in welcher Abteilung der jeweilige Agent zuvor gedient hatte, und dann verteilten sie sich auf die Fahrzeuge, um den Konvoi vorzubereiten: drei schwarze Chevy SUVs mit schusssicheren Scheiben und Türen.

Vaught nahm seinen zweiten Mann beiseite, einen Afroamerikaner namens Uriah Heen, ebenfalls ehemals bei den Green Berets. »Sellers kommt mit dem Trio ins Führungsfahrzeug. In der Mitte sitzen Jackson und ich mit Downly, ihren beiden Stabsmitarbeitern und Botschafter Louis. Du bildest mit den restlichen drei die Nachhut. Lass Bogart hinters Steuer. Ich will den besten Fahrer als Rückendeckung. Alles klar?«

Uriah nickte ihm zu. »Klar. Wie hat Downly es vermasselt?«

Vaught spuckte Tabaksaft auf den Asphalt; er hatte genug geschluckt. »Sie hat vorgeschlagen, hier amerikanische A-Teams von der Leine zu lassen, um die Kartelle zu bekämpfen. Das kam wohl ebenso gut an wie ein Furz während einer Taufe.«

Uriah lachte leise und rieb sich den kahl rasierten Hinterkopf. »Mit wem hat sie’s getrieben, um diesen Posten zu kriegen?« Alice Downly war eine hochgebildete, 40-jährige Brünette mit ansteckendem Lächeln und sehr fotogen. Aber auf dem Washingtoner Parkett war sie nicht gerade für ihren politischen Scharfsinn bekannt. Ihre Berufung an die Spitze der Behörde war für viele, die sich in der Szene auskannten, überraschend gekommen.

Vaughts Gesichtsausdruck verhärtete sich. »Verkneif dir den Mist, solange wir im Ausland sind.«

»Verstanden.« Auch Uriah wurde ernst. »Ich kümmere mich darum, dass alle auf ihren Plätzen und per Funk verbunden sind.«

Eine Stunde später bestieg die amerikanische Delegation die Fahrzeuge und es ging los. Ein viertüriger Pick-up der mexikanischen Bundespolizei mit vier Beamten führte die Kolonne an, ein weiterer Truck bildete die Nachhut, und vor jeder Ampel fuhren zweimal zwei Motorräder voraus, um zu verhindern, dass der reguläre Verkehr die Karawane kreuzte oder unterbrach. Die Männer des DSS trugen kakifarbene Cargohosen, schwarze Jacken von North Face, Baseballkappen, Kampfstiefel und Sonnenbrillen von Oakley. Jeder von ihnen trug eine Phase-5-Nahkampfpistole verdeckt in einer Ein-Punkt-Schlinge mit Gummizug und eine Glock 21 als Reserve. Bei der Nahkampfwaffe, kurz CQC, handelte es sich im Grunde um einen M4 Karabiner mit verkürztem 7,5-Inch-Lauf und Kaliber 223. Der Schaft war entfernt worden, sodass nur das Pufferrohr übrig war, welches an einen gepolsterten Besenstiel erinnerte, den man für einen kontrollierten Schuss gegen die Schulter legen konnte. In jeder Waffe befand sich ein Magazin mit 30 Schuss Munition, und jeder DSS-Agent trug verdeckt weitere vier Magazine, die mit Klettbändern an der Körperpanzerung befestigt waren. Diese Panzerung war vorn und hinten mit jeweils zwölf Inch großen keramischen Gewehrschutzplatten verstärkt.

Die Kolonne bog rechts ab und verließ das Gelände der US-Botschaft. Sie fuhren in südwestlicher Richtung, durchquerten eine große Rotunde und bogen erneut rechts ab, um nach Westen zu fahren. Nachdem sie am Ende des Blocks ein weiteres Mal rechts abgebogen waren, fuhren sie etwa eine Viertelmeile lang gen Norden, bevor sie noch einmal rechts abbogen und sich zwei Blocks weit geradeaus hielten. Schließlich lenkten sie nacheinander links um eine weitere große Rotunde herum und erreichten die Hauptallee, die durch Mexiko-Stadt führte. Die erfahrenen Motorradpolizisten schirmten den Durchgangsverkehr von der Kolonne ab. Sie hatten die Sache im Griff, so wie Cowboys zu Pferde eine Viehherde im Griff hatten. Die Wagengruppe kam ohne Unterbrechung voran.

Vaught saß auf dem Beifahrersitz des mittleren Wagens, der von Jackson, einem ehemaligen Navy SEAL, gelenkt wurde. Die vier Diplomaten saßen hinten. »Scheiße«, murmelte er, während er zusah, wie die Motorräder nach rechts in eine schmale, einspurige Straße abbogen, »sie leiten uns durch die Nebenspur.« Die Nebenspur verlief parallel zur Hauptallee, durch einen erhöhten Mittelstreifen von ihr getrennt, auf dem sich Bäume, Parkbänke, Bushaltestellen und eine Reihe von Betonpfosten befanden. Die Nebenspur diente dem Zweck, den Durchgangsverkehr zu entlasten, indem hier diejenigen Fahrzeuge abbiegen konnten, die nicht die gesamte Länge der Hauptallee befahren wollten. Vaught mochte es nicht, die Nebenspur für diplomatische Fahrten zu nutzen, weil die Kolonne hier zwischen dem Mittelstreifen auf der linken Seite und den Gebäuden auf der rechten eingeklemmt war und es im Ernstfall praktisch keinen Fluchtweg gab.

Er aktivierte sein Kehlkopfmikrofon und sprach über das Funknetz. »Passt genau auf, Leute. Die nächste halbe...