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Südfrankreich Reiseführer Michael Müller Verlag - Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps

von: Ralf Nestmeyer

Michael Müller Verlag, 2018

ISBN: 9783956547263 , 732 Seiten

8. Auflage

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 20,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Südfrankreich Reiseführer Michael Müller Verlag - Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps


 

Südfrankreich - Hintergründe & Infos
Landschaft und Geographie
Wer nach Südfrankreich reist, hat die Wahl zwischen tief eingeschnittenen Tälern und Schluchten im Nordosten, schneebedeckten Alpen- und Pyrenäengipfeln und den einsamen Ebenen der Haute-Provence und Cevennen sowie der mondänen Küstenlandschaft zwischen Menton und Marseille.

Panoramablick vom Pic de Bure

Südfrankreich bildet unter geographischen Gesichtspunkten keine Einheit. Da ist einmal das fruchtbare Tal der Rhône, welches in das Sumpfgebiet der Camargue übergeht, östlich der Rhône erstrecken sich stattliche Mittelgebirge wie der Luberon oder der Mont Ventoux, der als ein Wahrzeichen der Provence gilt. Im Nordosten wird die Region durch die Seealpen begrenzt, die in Richtung Küste steil abfallen und nur einem schmalen Küstensaum Platz gewähren. Im Nordwesten erstrecken sich die Cevennen mit den dünn besiedelten Causses, die allmählich zur Küste hin abfallen. Schließlich darf eine Landschaft nicht vergessen werden, die im eigentlichen Sinne gar keine ist: das Mittelmeer. Fernand Braudel (1902-1985), einer der renommiertesten französischen Historiker, charakterisierte die Bedeutung des Mittelmeers für Südfrankreich folgendermaßen: „Sein Leben ist mit dem Land verbunden, seine Dichtkunst mehr als nur zur Hälfte ländlich, seine Seeleute können sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten auch zu Bauern wandeln; es ist das Meer der Weinberge und Olivenbäume ebenso wie das Meer der langrudrigen Galeeren und der Galeonen der Kaufleute, und seine Geschichte lässt sich ebenso wenig vom Land, das es umgibt, trennen wie der Ton von den Händen des Töpfers, der ihn formt. „Lauso la mare e tente ‘n terro“ (Preise das Meer und bleibe an Land) lautet ein provenzalisches Sprichwort.“
Wenn vom Wasser die Rede ist, dürfen Rhône und Durance selbstverständlich nicht fehlen. Erst diese beiden eminent wichtigen Lebensadern mit ihren Zuflüssen haben Südfrankreich zu einer blühenden Kulturlandschaft werden lassen; beide waren und sind die Grundlage für die Landwirtschaft und den Handel. Nicht ohne Grund schmücken Vater Rhône und Mutter Durance den Giebel der alten Kornhalle von Aix-en-Provence. Doch trotz ertragreicher Weinstöcke, blühender Felder sowie ausgedehnter Obst- und Gemüseplantagen drängt sich unweigerlich die Erkenntnis auf, dass der typische Provenzale ein Städter und kein Landwirt ist. Das Mündungsgebiet der Rhône, die schwach besiedelte Camargue, steht naturgemäß dem Meer am nächsten und bildet zwischen Großer und Kleiner Rhône gewissermaßen ein Dreieck. Als eines der größten Feuchtgebiete Europas stellt die Camargue ein wahres Refugium für seltene Wasser- und Wattvögel dar. Touristen schätzen vor allem die ausgedehnten Sandstrände. In Küstennähe schließt sich eine von Überschwemmungsbereichen geprägte Landschaft an, in welcher sich vor Jahrtausenden die so genannten Etangs gebildet haben. Die beiden größten, der Etang de Berre und der Etang de Vaccarès, besitzen beachtliche Ausmaße. Die kleineren Salzlagunen werden von weiten Grasflächen umgeben und sind daher nur zu Fuß zu erreichen. Doch kein Etang gleicht dem anderen: Während einige hochgradig salzig und von Algen überwuchert sind, besitzen andere erstaunlich frisches, klares Wasser und eine reizvolle Uferzone. Nordöstlich der Camargue erstreckt sich die rund 11.000 Hektar große Crau; die bizarre Steinsteppe ist ein Paradies für seltene Pflanzen und Tiere. Entstanden ist die Crau vor etwa 12.000 Jahren, als die Durance ihre Fließrichtung änderte; statt des direkten Weges in Richtung Mittelmeer, nahm sie fortan einen Umweg über die Rhône. Quasi als Hinterlassenschaft blieb ein flaches Steinfeld, ihr ausgetrocknetes Delta, zurück. An den Rändern der Crau hat sich die Landwirtschaft verstärkt ausgebreitet und den Charakter der einstigen Steinsteppe verwandelt, nur noch das Herzstück ist bislang unangetastet. Nach Norden hin wird die Crau von den Alpilles begrenzt, einem karstigen Gebirgszug, dessen gezackter Gipfelkamm zwar nur knapp 400 Meter emporragt, aber im Vergleich zur brettflachen Camargue wie ein Vorgeschmack auf die Alpen anmutet.
Die kargen Alpilles sind ein Teil jener parallel verlaufenden Höhenzüge, die die Provence seit dem Tertiär (vor ca. 60 Millionen Jahren) von Osten nach Westen durchziehen. Hierzu zählen die bewaldete Montagnette und die Chaîne de l’Estaque genauso wie das Massif de la Sainte-Baume und Cézannes berühmte Montagne Sainte-Victoire. Nördlich der Durance erhebt sich mit dem Luberon erneut ein lang gestrecktes Kalkgebirge, an dessen nördlichen Ausläufern bei Roussillon und Rustrel die größten europäischen Ockervorkommen auszumachen sind. Den gesamten Norden der Provence nimmt ein weiterer mächtiger Höhenzug ein. Er steigt bei den bizarren Dentelles de Montmirail langsam an, um wenig später am Mont Ventoux mit 1909 Metern seinen höchsten Punkt zu erreichen. Über das von Jean Giono poetisch verklärte Lure-Gebirge geht das Gebirgsmassiv schließlich in die Seealpen über. Die Haute-Provence, wie die karge Landschaft rund um den Mittellauf der Durance genannt wird, zählt nicht nur zu den reizvollsten, sondern auch zu den touristisch noch vergleichsweise wenig erschlossenen Regionen der Provence. Optischer wie auch touristischer Höhepunkt ist zweifelsohne der Grand Canyon du Verdon, der mit seinen steil abfallenden Felshängen eine faszinierende Naturszenerie bietet.
In den bis ans Meer heranreichenden Alpes Maritimes (Seealpen) kommen die Liebhaber einsamer Bergwelten voll auf ihre Kosten. Obwohl nur sieben Kilometer vom Meer entfernt, erreicht der Mont Grammont bereits eine imposante Höhe von 1378 Metern; ein Stück weiter in Richtung italienischer Grenze ragen die Gipfel bis über 3000 Meter empor. Diese hochalpine Gebirgslandschaft steht als Kernzone des Mercantour-Nationalparks unter besonderem Schutz. Der Gegensatz zwischen den Alpes Maritimes und dem lieblichen Küstenabschnitt zwischen Nizza und Menton könnte wohl kaum größer sein, auch wenn durch den Abfall der Seealpen lediglich Platz für einen relativ schmalen Küstenstreifen bleibt, der sich nur links und rechts der Mündung des Var verbreitert. Weiter im Westen schließen sich mit dem Massif de l’Estérel und dem benachbarten Massif des Maures zwei 300 Millionen Jahre alte Gebirgszüge an, die jedoch durch Erosion weitgehend abgetragen wurden; es handelt sich bei beiden um ein Eruptivgestein aus Porphyr, das teilweise stark zerklüftet ist und durch seine rote Farbgebung fasziniert. Ein weiterer landschaftlicher Höhepunkt an der Küste sind die Calanques, fjordartige, tief eingeschnittene Buchten, die erst vor rund 10.000 Jahren entstanden sind, als klimatische Veränderungen, die das Ende der Eiszeit einleiteten und ein Ansteigen des Meeresspiegels nach sich zogen, so dass das Meer dadurch bis weit in die Flusstäler vordringen konnte.

In manchen Schluchten wie den Gorges de Galamus kann man herrlich baden

Der überwiegende Teil der Küste des Languedoc besteht aus ausgedehnten, oft mehr als 100 Meter breiten Sandstränden, die zum Baden geradezu einladen; nur an den Caps ändert sich das Landschaftsbild: Das schwarze Cap d’Agde ist beispielsweise der Ausläufer eines erloschenen Vulkans und wird gerne als „schwarze Perle des Languedoc“ bezeichnet. Ganz im Süden hinter Argelès wird das Küstenprofil der Côte Vermeille felsiger, teilweise fallen die Klippen schroff ins Meer ab und bilden kleine idyllische Buchten, während an den Hängen die grünen Weinberge mit der rötlich schimmernden Erde herrlich kontrastieren.
Einen krassen Gegensatz zur lieblichen mediterranen Landschaft bilden die Cevennen mit ihren beiden höchsten Erhebungen, dem Mont Lozère (1699 Meter) und dem windumtosten Mont Aigoual (1567 Meter). Geographisch gesehen stellen die Gipfel der zum Massif Central gehörenden Cevennen eine Wetter- und Wasserscheide dar. Durch die reichhaltigen Niederschläge entspringen hier mehrere Flüsse, so der dem Atlantik zustrebende Tarn sowie Vidourle, Hérault, Ardèche und Gardon, die ins Mittelmeer münden. Größtenteils liegen die Cevennen im Département Lozère, dessen nördliche Teile weit in das südliche Zentralmassiv hineinragen. In den tief eingeschnittenen, Gorges genannten Schluchten, wie den Gorges du Tarn, ist nur wenig Platz für Ackerland, so dass im Laufe der Jahrhunderte ausgedehnte Terrassenkulturen mit Stützmauern, Treppen und Wasserkanälen angelegt wurden, um Gemüse und Wein anbauen zu können. Geographisch besonders eindrucksvoll sind die Causses, kaum besiedelte steinige Hochebenen, in deren porösem Kalkstein sich riesige Höhlen verbergen. Ganz im Nordwesten des Département Lozère erhebt sich das Aubrac, ein mehr als 1200 Meter hohes vulkanisches Hochplateau mit kahlen Kuppen, das größtenteils als Rinder- und Schafweide genutzt wird. Nach Südwesten setzt sich das Massif Central als Montagne Noire und in den Monts de l’Espinouse fort. Weite Teile dieses...