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1.6 Selbstführung als wechselseitige Anpassung (Seite 21)
Selbstführung entfaltet sich im Spannungsfeld komplexer Wechselbeziehungen, die eine erfolgreiche Vermittlung zwischen personeninternen Prozessen einerseits und Einflüssen personenexterner Gegebenheiten andererseits erforderlich machen.
Selbstführung kommt zum Tragen, wenn die Wahrnehmung und Einschätzung konkreter Arbeitsbedingungen nicht oder nur partiell mit selbst gesetzten Zielen übereinstimmen. Personen müssen in diesem Fall Willenskräfte mobilisieren, um innere und äußere Widerstände überwinden und die betreffenden Ziele erreichen zu können. Besonders deutlich wird dies bei der Veränderung eingeschliffener Verhaltensroutinen und Gewohnheiten, die sich oft nur mit großer Willensanstrengung in neue Verhaltenweisen überführen lassen. Die hierfür notwendigen Lern- und Anpassungsleistungen werden von Selbstführungsforschern im Rahmen der sozial-kognitiven Lerntheorie von Bandura (1986) beschrieben (vgl. Manz, 1986, Neck &, Manz, 2007). Zu den Grundannahmen dieser Theorie gehört, dass Personen ihr Verhalten sowohl zielgerichtet als auch selbst bewertend regulieren. Dabei wird zwischen einer spannungserzeugenden und einer spannungsreduzierenden Verhaltensregulierung unterschieden. Bandura und Locke (2003) gehen davon aus, dass Personen durch individuelle Zielsetzung eine psychische Spannung aufbauen und diese Spannung sodann reduzieren, indem sie daran arbeiten, selbst gesetzten Zielen näher zu kommen. Zur Planung und Ausführung ihres Verhaltens müssen sie die aktuelle Nähe zum Ziel und den Erfolg bisheriger Anstrengungen beobachten und bewerten. Auf der Basis von Selbstbeobachtung und Selbstbewertung erfolgen sodann Entscheidungen, ob das bisherige Vorgehen zieldienlich gewesen ist und fortgesetzt werden kann oder ob Kurskorrekturen erforderlich sind, etwa durch Wahl einer neuen Handlungsstrategie, durch Anpassung bisheriger Verhaltensweisen oder Veränderung ursprünglicher Zielvorstellungen. Lernen ist nach Bandura (1986) ein Prozess der aktiven, kognitiv gesteuerten Verarbeitung von Erfahrungen, die in der Auseinandersetzung mit Anforderungen selbst gesetzter Ziele, eigener Verhaltensmöglichkeiten und Gegebenheiten des physikalischen und sozialen Umfelds gesammelt werden.
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