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Enthüllt - jetzt gehörst du mir

von: Stefanie London

MIRA Taschenbuch, 2018

ISBN: 9783955769529 , 240 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 3,99 EUR

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Enthüllt - jetzt gehörst du mir


 

1. KAPITEL

Lainey Kline starrte die Schokoladentorte an, auf der in zittrigen Worten aus weißem Zuckerguss Sorry, dass ich euch verlasse stand. War ein Entschuldigungsdessert übertrieben? Subtilität war noch nie ihr Ding gewesen, und die Ankündigung, dass sie einen neuen Job an Land gezogen hatte – und von Melbourne nach London ziehen wollte –, vertrug ja schließlich einen besonderen Pfiff. Einen besonders schokoladigen Pfiff.

Ihre beiden besten Freundinnen, Imogen und Corinna, starrten sie an. „Du machst per Torte mit uns Schluss?“, fragte Imogen. „Im Ernst?“

„Ich mache nicht Schluss“, erwiderte Lainey und bemühte sich, eines der positiven Argumente anzubringen, die sie vor dem Spiegel geübt hatte. „Ich schlage euch einfach nur eine Fernbeziehung vor.“

Imogen schüttelte den Kopf. „Ein Monat ist viel zu kurz, um sich zu verabschieden.“

„Ich fasse es nicht, dass du es eine ganze Woche lang für dich behalten hast.“ Corinna grinste.

Die drei saßen an dem Picknicktisch im Garten von Corinnas Eltern. Corinna war zwar schon vor zwei Jahren ausgezogen, aber noch immer trafen sich die drei Frauen gern im Haus der Familie McKnight, vor allem im Sommer. Der üppige, weitläufige Garten stand voller einheimischer Bäume, die schillernd bunte Vögel wie Rosellasittiche und Rosakakadus anlockten. Normalerweise wirkte das Vogelgezwitscher beruhigend auf Lainey, doch heute nicht.

„Leicht war das nicht, das könnt ihr mir glauben.“ Lainey beobachtete, wie die Bläschen in ihrem Sektglas nach oben stiegen. „Als ich den Flug gebucht hatte, wollte ich es am liebsten überall herumposaunen. Aber euch beiden musste ich es unbedingt gleichzeitig erzählen, und es ist so schwierig, eure Termine unter einen Hut zu bekommen.“

Bei Imogens langen Arbeitszeiten und Corinnas aktivem Sozialleben hatte es eine Woche gedauert, einen Tag zu finden, an dem beide Zeit hatten. Aber so hatten sie es sich geschworen – alle Neuigkeiten mussten innerhalb ihrer Dreierclique verkündet werden. Wenn niemand bevorzugt wurde, konnte das berühmte „Drei sind einer zu viel“-Problem gar nicht erst entstehen. Doch damit würde es bald vorbei sein. Lainey war vor lauter Sorge ganz flau im Magen. Sie war sich bewusst, dass ihre besten Freundinnen zwangsläufig enger zusammenrücken würden, sobald sie fort wäre, und hoffte, dass sie sie nicht völlig vergessen würden.

Darum die Torte. Jemanden, der sich mit Buttercremetorte entschuldigte, konnte man ja wohl kaum vergessen.

„Also, Stylistin der Stars, hm? Vielleicht frisierst du ja am Ende noch die königliche Familie.“ Imogen rang sich ein Lächeln ab, aber ihre Augen schimmerten feucht. „Na ja, zumindest Prince Harry. Der gute alte Will hat ja kaum noch was. Der kann sich seine spärlichen Reste höchstens noch quer über die Glatze kämmen.“

„Ich bezweifle, dass sie mich in die Nähe der Royals lassen“, entgegnete Lainey, griff nach dem großen Messer neben der Torte und schnitt das Sorry mitten durch. „Außerdem werde ich eher mit Social Media zu tun haben.“

Lainey war Friseurin, seit sie an ihrem sechzehnten Geburtstag die Schule abgebrochen hatte. Jetzt arbeitete sie schon seit acht Jahren in dieser Branche, länger, als sie je zuvor irgendetwas durchgehalten hatte. Auf jeden Fall länger als ihre gescheiterten Laufbahnen als Tarotkartenleserin oder Werbe-Girl für Red Bull. Vor zwei Jahren hatte sie dann – gelangweilt und auf der Suche nach einem kreativen Ventil – damit begonnen, ihre Frisuren auf Instagram zu veröffentlichen. Innerhalb von einem Jahr hatte sie über eine Million Follower gehabt, und jede Menge Markenhersteller rissen sich darum, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Und so hatte sie eine Stelle als Social-Media-Beraterin bei einem bekannten Promi-Hairstylisten in London ergattert.

„Der Vertrag läuft aber nur über sechs Monate, richtig?“, fragte Imogen und reichte Corinna ein Stück Torte. „Danach kommst zurück?“

„Ich hoffe, dass sie mich fest anstellen.“ Die Endgültigkeit ihres Umzugs lag Lainey schwer im Magen.

„Wir werden dich natürlich vermissen“, sagt Corinna und warf Imogen einen Blick zu, „aber es freut mich für dich, dass du eine Möglichkeit gefunden hast, deine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Klingt nach einer fantastischen Chance.“

Als die Spätnachmittagssonne langsam tiefer sank und Eukalyptusduft die Luft erfüllte, fragte Lainey sich, ob sie sich nicht besser einen anderen Ort für ihre große Bekanntgabe hätte aussuchen sollen. Hier gab es so viele Erinnerungen. Und so aufgeregt sie wegen ihres neuen Jobs auch war, beim Gedanken daran, ihre besten Freundinnen zurückzulassen, wurde ihr ganz schlecht. Als würde sich ihr Körper physisch gegen die Trennung von den anderen sträuben.

Es ist das Beste so. Du warst unglücklich, und ein Neuanfang ist genau das, was du brauchst.

„Ich freue mich ja auch für dich“, versicherte Imogen mit schon leicht schwammigen Worten. Die Frau war wirklich ein Leichtgewicht – zwei Gläser Sekt, und schon hatte sie einen kleinen Schwips. „Aber ich wünschte, du hättest hier einen so coolen Job gefunden.“

„Ich muss einfach weg.“ Zu Laineys Entsetzen zitterte ihre Stimme.

Imogen runzelte die Stirn. „Weg wovon?“

Das Geständnis lag ihr schon auf der Zungenspitze. Zu gern wäre sie mit ihrem Geheimnis herausgeplatzt, aber was würde das bringen? Die Entscheidung war gefällt. Schon in einem Monat würde sie abreisen, und Lainey hatte es sich zur Regel gemacht, nie auf den negativen Dingen herumzureiten.

„Ich meine damit nur, dass es in Übersee mehr Chancen gibt“, erklärte sie behutsam. „Hier kann ich mich nicht weiterentwickeln. Marsha schien es nicht das Geringste auszumachen, dass ich gekündigt habe. Sie hält jeden für ersetzbar. Und es ist ja nun mal auch nicht so, als hätte ich eine Beziehung, die mich hier hält. Zum Glück.“

Lainey hoffte, dass Imogen wegen des Alkohols nicht bemerken würde, wie falsch ihre Stimme klang. Corinna zog eine Augenbraue hoch, hakte aber zum Glück nicht weiter nach.

„Jedenfalls seid ihr zur Verschwiegenheit verpflichtet“, fuhr Lainey fort. „Ich will es allen anderen selbst erzählen.“ Sie sah den beiden fest in die Augen und lächelte, als sie nickten. „Ich möchte, dass die Leute es von mir persönlich erfahren.“

Das Bewerbungsverfahren für diesen Job lief zwar schon seit fast zwei Monaten, doch Lainey hatte niemandem ein Sterbenswörtchen erzählt, bis sie vor einer Woche den Vertrag unterschrieben und ihren Flug gebucht hatte. Irgendwie hatte sie nicht wirklich daran geglaubt, dass es klappen würde. Selbst jetzt noch kam ihr die ganze Sache ein bisschen unwirklich vor.

„Hast du eine ‚Bevor ich meine Heimat verlasse‘-Löffelliste?“, fragte Corinna. „Es muss doch irgendetwas geben, das du vor deiner Abreise unbedingt noch abhaken willst.“

Nicht irgendetwas, sondern irgendjemanden. Laineys Umzug hatte genauso viel mit der Verwirklichung ihrer Karriereträume zu tun wie mit der Flucht aus ihrer aussichtslosen Situation in Melbourne. Sie hatte etwas Dummes getan. Idiotisches. Ungeheuer Dämliches.

Etwas, das sich eines Tages im Kapitel „Wie ich mich am liebsten selbst foltere“ in ihren Memoiren wiederfinden könnte.

Im Laufe der Jahre hatte Lainey sich über beide Ohren in den einen Mann verknallt, der absolut unerreichbar war. In den einen Mann, der sie keines zweiten Blickes würdigte – Corinnas großen Bruder.

Und zusehen zu müssen, wie Damian McKnight heiratete, sich scheiden ließ und schließlich in der Fernseh-Kuppelshow Australia’s Most Eligible groß herausgebracht wurde, hatte sie innerlich zerrissen. Ihr großer Traum, dass sich ihre Liebe erfüllte wie in ihren heiß geliebten romantischen Komödien, hatte sich in Luft aufgelöst. Und jetzt blieb ihr nur noch eine Lösung: Irgendwohin zu gehen, wo sie sich auf die wichtigen Dinge – wie ihre Karriere – konzentrieren und vergessen konnte, dass sie zu einem unglücklichen Liebesleben verdammt war. Weil sie den einen Mann haben wollte, den sie nicht haben konnte.

„Das ist doch die perfekte Gelegenheit, mal über die Stränge zu schlagen“, sagte Corinna. „Du kannst hier anstellen, was immer du willst, und dann nach England abhauen, ohne dich den Konsequenzen stellen zu müssen. Es gibt doch garantiert jemanden, an dem du dich schon immer mal rächen wolltest. Vielleicht ein bescheuerter Kunde, der dir das Leben schwer gemacht hat?“

„Oder vielleicht sage ich einfach deinem Bruder, dass ich ihn scharf finde“, erwiderte Lainey augenzwinkernd. Corinna tat so, als würde sie sich die Finger in den Hals stecken, und alle lachten.

Es war ein Running Gag. Sowohl Lainey als auch Imogen hielten Damian McKnight für den heißesten Typen überhaupt – ein Prädikat, das normalerweise für die Hemsworth-Brüder und Prince Harry reserviert war. Aber darüber Witze zu reißen, war die einzige Möglichkeit, geheim zu halten, wie sehr Lainey sich zu ihm hingezogen fühlte – denn je mehr sie es übertrieb, desto weniger glaubten die beiden anderen, dass es ihr ernst wäre. So konnte sie ihre wahren Gefühle vor aller Augen verbergen.

Er war ihr Märchenprinz, ihr Mr. Darcy, er war Harry und sie Sally. Er war Danny und sie Sandra Dee. Der einzige Mann, der sie je wirklich gekannt hatte.

„Apropos Damian“, bemerkte Corinna,...