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Die Kunst der Organisationsberatung - Praktische Erfahrungen und theoretische Perspektiven

Die Kunst der Organisationsberatung - Praktische Erfahrungen und theoretische Perspektiven

von: Michael Zirkler, Werner R. Müller (Hrsg.)

Haupt Verlag, 2003

ISBN: 9783258066288, 256 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 28,99 EUR

Ersparnis: 3,01 EUR

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Die Kunst der Organisationsberatung - Praktische Erfahrungen und theoretische Perspektiven


 

Michael Zirkler: Gestaltungsräume in der Beratungsarbeit und ihre Inszenierung (S. 145-146)

Woran ist zu erkennen, dass es sich bei dem, was zwei oder mehrere Personen tun, um Beratung handelt? Diese sehr ernst gemeinte Frage ist alles andere als trivial, und sie ist nicht leicht zu beantworten. Im Unterschied etwa zur Arbeit eines Schreiners oder einer Schneiderin lassen sich für die Beratungsarbeit keine eindeutigen äußeren Merkmale definieren. Es ist schwierig, Beratung zu beobachten, weil nicht klar ist, wo und wie sie sich ereignet. Zu sehen ist – unter der Überschrift «Beratung» – eine Zusammenkunft von Personen, deren Mundwerkzeuge sich öffnen und schließen, deren Gesichter bedenklich oder freundlich schauen, deren Hände zuweilen gestikulieren. Zu hören sind verschiedene Geräusche, die sich als sprachliche Äußerungen identifizieren lassen. Es deutet also alles darauf hin, dass Beratung aus «Kommunikation» besteht.

Nun handelt es sich bei Kommunikation aber um einen Akt der Sinn- und Bedeutungsherstellung auf der Seite des Empfängers – nicht des Senders. Der Empfänger gesprochener Sprache, eines geschriebenen Textes oder auch schlicht einer Beobachtung entscheidet nach seinen strukturellen Möglichkeiten1 und seinen Erfahrungen darüber, welche Bedeutung diese jeweils für ihn haben. Dieser Umstand – dass also Kommunikation offenbar sehr viel weniger instruktiv ist, als uns lieb wäre, und nur in beschränktem Maße gezielt und geplant erzeugt werden kann – mag in einem gewissen Sinne beunruhigen. Es ist an dieser Erkenntnis selbst aber überhaupt nichts Neues. Insbesondere Heinz von FOERSTER hat den Umstand auf seine intelligente und gleichzeitig charmante Art vielfach dargestellt (vgl. beispielsweise von FOERSTER 1996 und 1999).

Nicht immer, wenn Menschen zusammenkommen und miteinander sprechen, handelt es sich um Beratung. Doch wenn Beratung stattfindet, findet sie stets in und über Kommunikation statt. Ob sie stattgefunden hat oder stattfinden soll, wird von den Beteiligten festgelegt und definiert. Beratung ist also dann Beratung, wenn die beteiligten Personen ihr Tun als Beratung verstehen.2 Ausschlaggebend dafür sind ihre Vorstellungen, Bilder und Erfahrungen, kurz, das Wissen, das bei ihnen über «Beratung» vorhanden ist.3 Dieses Wissen lässt sich nicht ohne weiteres explizieren, es ist häufig nur latent oder tiefenstrukturell vorhanden. Es zeigt sich aber in seiner diffusen Gesamtheit in den Metaphern, die verwendet werden.

Welche Metaphern im Spiel sind, lässt sich aus Gesprächen mit Beraterinnen und Beratern und mit Klientinnen und Klienten systematisch herausarbeiten. Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich in letzter Zeit zunehmend mit diesem Thema. So findet sich beispielsweise in der Untersuchung von KOLBECK (2001) eine Gegenüberstellung und Auseinandersetzung von Selbstund Fremdwahrnehmungen bei systemischen Beratern und bei mit diesem Ansatz beratenen Klienten. Die Klienten sehen den Berater am häufigsten als «Jongleur» und als «Co-Pilot», sehr selten als «Arzt», «Pfarrer» oder «Feuerwehrmann ». Diese Einschätzung deckt sich mit dem Selbstverständnis der (systemischen) Berater, denen die Ergebnisse zurückgemeldet wurden. «Klassische » Unternehmensberater werden von den Klienten bei KOLBECK hingegen überwiegend mit den Rollenbildern «Feuerwehrmann» und «Arzt» in Verbindung gebracht: «Die Metapher des Feuerwehrmannes wurde von den Interviewpartnern vor allem deshalb gewählt, weil es den Klienten eher eine Statistenrolle in dem Beratungsprozess zugesteht und der Fachberater dann in Anspruch genommen wird, wenn kurzfristig etwas gelöscht werden muss: ‘Die Situation ist immer brenzlig, wenn man McKinsey holt, sonst holt man sie nicht.’ (Klientenaussage)» (KOLBECK 2001: 196).