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2 Supply Chain Management bei DaimlerChrysler (S. 464-465)
Die Bedeutung einer übergeordneten prozessorientierten Logistik spiegelt sich im ganzheitlichen Ansatz des Supply Chain Management (SCM) wider. Reichte es früher aus, die Beschaffungsprozessketten nur bis zum ersten Lieferanten (1 tier) zu betrachten, stellen globalisierter Materialeinkauf und die wachsende Vernetzung von Entwicklung und Produktion an den OEM mit seinen Lieferanten neue logistische Anforderungen. Die Logistik muss dabei als wertbeeinflussende und prozesssichernde Querschnittsfunktion angesehen werden. Hinzu kommt, dass die Fahrzeughersteller wegen des sich verschärfenden Wettbewerbs auf Nachfrageschwankungen schneller reagieren müssen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn Informationen über sich ändernde Bedarfe, Bestände und Kapazitäten synchron zwischen allen Beteiligten in den Beschaffungsnetzwerken ausgetauscht werden.
2.1 Hohe Transparenz und klare Kompetenzverteilung
Voraussetzungen für ein solches Supply Chain Management in Beschaffungsnetzwerken sind
- das grundsätzliche Wissen und Verständnis der Verhaltensweisen,
- die durchgängige Dokumentation,
- der gezielte Einsatz von Methoden und Werkzeugen,
- die klare Regelung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung.
Den Auslöser für die ersten Supply Chain Management-Aktivitäten im Werk Sindelfingen bildeten Versorgungsengpässe für Türinnenverkleidungen der C-Klasse im Zuge der Modellpflege im Jahre 1997. Wegen der unerwartet hohen Marktnachfrage konnten nicht genügend Türinnenverkleidungen vom Systemlieferanten bereitgestellt werden. Sehr schnell wurde jedoch klar, dass nicht dieser der Verursacher dieser Unterlieferung war, sondern ein Unterlieferant für Vormaterial. Dieser Unterlieferant hatte bereits vor der Modellpflege an 7 Wochentagen in 3 Schichten - also rund um die Uhr - gearbeitet, um die Ausbringung von 1.000 Teilen pro Tag sicherzustellen. Die Erhöhung des Bedarfs auf 1.500 Teile pro Tag konnte daher nicht durch die Ausweitung der Arbeitszeit, sondern nur durch die Installation einer zusätzlichen Anlage gelöst werden Die Inbetriebnahme dauerte jedoch einige Wochen, so dass in den Werken Sindelfingen und Bremen rund 2.000 Fahrzeuge der C-Klasse nicht produziert werden konnten und weitere 3.000 Fahrzeuge nachgerüstet werden mussten. Darüber hinaus kam es durch notwendige kurzfristige Programmumschichtungen in der Folge zu Fehlteilen bei weiteren Modellen.
2.2 Proaktive Methode ersetzt reaktive Methode
Aus der Erkenntnis, dass die Anwendung ausschließlich reaktiver Methoden in einstufigen Beschaffungsprozessketten nicht mehr ausreicht, um die Versorgungssicherheit der Fahrzeugmontage der Zukunft zu gewährleisten, wurde in unserem Hause das Projekt Supply Chain Management (SCM) aufgesetzt. Ziel des Projektes ist es, proaktive Logistikmethoden für die Produktion in Beschaffungsnetzwerken von Morgen zu entwickeln. Hierzu wurde am Beispiel der Türinnenverkleidung der E-Klasse untersucht, wie Beschaffungsnetzwerke aussehen und wie sich solche Netzwerke anhand von Parametern beschreiben lassen.
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