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Die großen Kriminalfälle

Die großen Kriminalfälle

von: Helfried Spitra (Hrsg.)

Campus Verlag, 2004

ISBN: 9783593374383, 286 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 7,95 EUR

Ersparnis: 2,05 EUR

  • Blutnacht
    Der Fluch des neuen Jahrtausends: Eine Bilanz
    Infam
    Untreu
    Außer Atem
    Verschollen
    Interpretation. Max Frisch: Homo faber
    Nachtengel
  • Der Brigant
    Der Liebessalat
    Konfuzianismus erleben
    Mein deutsches Dschungelbuch
    Die schönsten Trekking-Routen Asien, Afrika, Neuseeland
    Der Nachbar
    Erste Hilfe für Windows XP
    HTML und XHTML. Das umfassende Handbuch
 

Mehr zum Inhalt

Die großen Kriminalfälle


 

Der Mörder in der Mülltonne (S. 250-251)

Mittelbexbach, eine Bergmannsgemeinde im Saarland am Ende des Zweiten Weltkrieges. Zwei Kirchen im Dorf: eine für die Katholiken und eine für die Protestanten. Die Katholiken sind in der Mehrheit – 75 gegenüber 25 Prozent. Die Menschen hier leben von der Steinkohle (die schon 1849 der damals noch königlich-bayerischen Gemeinde einen Eisenbahnanschluss nebst Bahnhof bescherte), von der Ziegel- und Backsteinproduktion sowie von den Eisen- und Stahlwerken im benachbarten Neunkirchen. Kleine, arbeitsame, unauffällige Leute wohnen noch heute in Bexbach, das durch Zusammenlegung von Mittelbexbach und Oberbexbach zur Stadt geworden ist.

In der Nacht des 20. April 1945 hallen durch die stockfinsteren, menschenleeren Straßen Mittelbexbachs zwei Schüsse. Auf dem Pflaster an der Ecke Dr.-Ludwig-Nieder-Straße und Susannastraße, dort, wo die besser situierten Mittelbexbacher wohnen, stirbt, von zwei Kugeln getroffen, Johann Kerner, nicht einmal 50 Meter von seinem Haus entfernt. Johann Kerner ist 53 Jahre alt und seit 1920 im Polizeidienst, erst als Landjäger und Oberlandjäger, seit 1933 als Polizeimeister in Mittelbexbach.1935 ist er in die NSDAP eingetreten.

Er ist seit 1921 verheiratet und nun Vater zweier Kinder, zehn und siebzehn Jahre alt. Wenige Minuten zuvor hat ein Mann an seiner Haustür geklingelt und zu Frau Kerner, die ihm öffnete, gesagt: »Der Kerner soll zum Bürgermeister kommen! Es ist was passiert.« Die Frau hat ihren Mann beschworen, so spät nicht mehr aus dem Haus zu gehen; der Mann an der Tür ist ihr unheimlich; außerdem hat Johann Kerner etwas am Fuß, sodass er schlecht laufen kann. Doch der Polizist, der sich schon hingelegt hatte, zieht sich pflichtschuldigst wieder an, greift sich eine Taschenlampe und macht sich auf den Weg zum Bürgermeister; das Rathaus ist nur einige Fußminuten entfernt.

Johann Kerner kommt nur ein paar Schritte weit; dann strecken ihn die Schüsse nieder. Es ist gegen 22:20 Uhr und es herrscht Ausgangssperre. Am Morgen danach sucht ein Anwohner, der nachts die Schüsse und Johann Kerner laut schreien gehört hatte, am Tatort nach Spuren.

Er findet die Hülsen von zwei abgefeuerten Geschossen und zwei Patronen – die eine angeschlagen, die andere unversehrt. Sowohl die Hülsen als auch die Patronen sind vom Kaliber 9 Millimeter. Der Zeuge liefert die Beweisstücke bei der Hilfspolizei ab. Zwei Wochen später stellt der Gerichtsmediziner in Homburg in seinem Obduktionsbericht fest: Johann Kerner wurde in den Bauch und in den Hals getroffen:

»Der Schuss in den Unterbauch ist fast genau von vorne erfolgt, etwas von oben nach unten. Das Geschoss, Kaliber 9 mm, durchschlug den inneren Beckenmuskel, splitterte den linken Beckenknochen teilweise auf und blieb im Unterhautgewebe des Gesäßes stecken. Dieser Schuss hätte bei sofortiger ärztlicher Versorgung den Tod Kerners nicht herbeigeführt. Der Schuss in den Hals – es war ein Durchschuss – ist in ziemlich horizontaler Richtung von links vorne nach hinten rechts abgegeben worden. Er durchschlug die Halswirbelsäule, zerstörte lebenswichtige nervöse Zentren des oberen Halsmarks und hatte den sofortigen Tod zur Folge.«

Verletzungen – besonders die, die durch den Schuss in den Hals verursacht wurden –, die an eine Hinrichtung denken lassen. Der tödliche Schuss ist auf den Polizisten abgegeben worden, als der schon hilflos auf dem Boden lag.