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Mobilität bewegt Schule - Das niedersächsische Curriculum Mobilität an schulischen und außerschulischen Lernorten
Die Mobile Risikogesellschaft (Seite 11)
Sven Kesselring
Die Moderne ist davon geprägt, dass sich feste soziale Strukturen, althergebrachte Traditionen, Verlässlichkeiten und Berechenbarkeiten immer mehr auflösen. Modernes Leben ist hoch dynamisch, bewegt und wandelt sich stetig, erzeugt Übergänge: Jeder ist gezwungen, seine sozialen Grenzen und Zugehörigkeiten immer wieder neu zu definieren und den eigenen Lebensverlauf aktiv zu gestalten. Dabei werden auch räumliche und materielle Elemente im Umfeld der Menschen permanent verändert und neu konfiguriert. Man kann die Moderne als einen kontingenten Prozess begreifen, in dem Menschen individualisiert und aus überkommenen Strukturen herausgelöst werden.
Das fortwährend ansteigende Maß an räumlicher Mobilität in modernen Gesellschaften drückt diese Veränderungen ebenso aus wie die „time-space compression“ (Harvey 1989) kapitalistischer Gesellschaften, der „death of distance“ (Cairncross 1997) und die Beschleunigung des modernen Lebens (vgl. Rosa 2005). Die Theorie der reflexiven Modernisierung und der Risikogesellschaft (vgl. Beck 1986, Beck et al. 2004a) versucht, die zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Moderne zu erfassen: Für Ulrich Beck bedeutet „Globalisierung“ zunächst, dass nationale „Container“-Gesellschaften aufgebrochen werden, gleichzeitig jedoch neue Risiko-, Ungewissheits- und Unsicherheitskonstellationen entstehen (Beck 2000).
Dieser Beitrag untersucht unterschiedliche Lesarten der Kosmopolitisierung und der Globalisierung modernen Lebens. Vor dem Hintergrund der reflexiven Modernisierungstheorie wird Globalisierung als Vorherrschaft von Ambivalenz auf globaler Ebene verstanden. Sie geht einher mit der Mobilisierung von Gesellschaften und der Entstehung einer globalisierten mobilen Risikogesellschaft.
Vor mehr als 20 Jahren veröffentlichte Ulrich Beck sein Buch Risikogesellschaft. Es beeinflusste maßgeblich die deutsche und andere europäische Soziologien. Erschienen im Jahr des Reaktorunglücks in Tschernobyl, lieferte es die Grundlage für einen weiteren kritischen Ansatz in der deutschen Soziologie. Neue soziale und ökologische Bewegungen veränderten damals die Gesellschaft: Hannah Arendts Vorstellung von einer kritischen Zivilgesellschaft und von den mobilisierenden Potenzialen des öffentlichen Raumes genoss große Popularität.
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