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4. Filme machen (S. 60-61)
In der Tom-Sawyer-Verfilmung von 1938 gibt es die wunderbare Szene, in der Tom verdonnert wird, zur Strafe den Gartenzaun zu streichen. Seine Freunde hänseln ihn deswegen, doch er macht nicht nur unverdrossen weiter, sondern »verkauft« den anderen Jungen die Arbeit als erstrebenswertes Vergnügen. Am Ende streichen sie für ihn den Zaun – und bezahlen noch dafür.
Aus einem sehr distanzierten Blickwinkel mag das Filmemachen als ähnlich trickreiche Veranstaltung wirken. Nachdem Produzenten und Drehbuchschreiber ein Jahr oder mehr über dem Stoff gebrütet und Gelder locker gemacht haben, wird die ganze Geschichte plötzlich in vier bis sechs Wochen verfilmt. Bis zu 16 Stunden können Drehtage dauern, sieben Tage die Woche, ob Regen oder Sonne – das laut Dramaturgie erwünschte Wetter regiert die Arbeit, nicht der Schnupfen des Toningenieurs oder der Sonnenbrand des Kameraassistenten. Am Ende des Tages sitzen dann noch Continuity und Tonassistent da und schreiben Berichte, die Regieassistentin wirft den Drehplan des nächsten Tages um und irgendjemand fährt ins Kopierwerk, um den Film in die Belichtung zu geben.
»Alle, die ich kenne, sind Filmverrückte, die ganz für den Beruf leben. Privatleben findet so gut wie nicht statt.« Kathrin Melhop, Regieassistentin, bringt die Sache auf den Punkt: Jeder Einzelne, mit dem wir gesprochen haben, liebt den Film, verzichtet auf sein Privatleben und gibt sein Bestes, um aus einem Projekt einen Erfolg zu machen. Immer heißt es: »Hätte ich nur ein, zwei Wochen mehr Zeit, mich vorzubereiten.« Aber dann schaffen es doch alle in der gleichen Rekordzeit – wie immer.
Alle leben ein bisschen auf dem Schleudersitz, denn jeder der Filmemacher hat (wie die meisten anderen Beteiligten) nur den Vertrag für den laufenden Film in der Tasche. Eigentlich könnten sie danach erst einmal ausruhen. Aber dann ist es gleich wieder da, das Kribbeln ...
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