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Wozu noch Zeitungen?
Wie das Internet die Presse revolutioniert (Seite 7)
In Bertolt Brechts experimentellen Erzählungen »Geschichten vom Herrn Keuner«, die ab 1926 über einen Zeitraum von über dreißig Jahren aufgeschrieben wurden, begegnet ebenjener Keuner dem Kämpfer gegen die Zeitungen, einem gewissen Herrn Wirr: »›Ich bin ein großer Gegner der Zeitungen‹, sagte Herr Wirr, ›ich will keine Zeitungen.‹ Herr Keuner sagte: ›Ich bin ein größerer Gegner der Zeitungen: ich will andere Zeitungen.« Außerdem klärt uns Herr Keuner über den Zweck des Zeitungswesens auf: »Wenn die Zeitungen ein Mittel zur Unordnung sind, so sind sie auch ein Mittel zur Ordnung. Gerade Leute wie Herr Wirr bewiesen durch ihre Unzufriedenheit den Wert der Zeitungen. Herr Wirr meint, der heutige Unwert der Zeitungen beschäft ige ihn, aber in Wirklichkeit ist es der morgige Wert.« Ginge es nach Steve Ballmer, dem Geschäft sführer des Soft - ware-Giganten Microsoft , würde sich die heutige Gretchenfrage nach dem Wert oder Unwert der Zeitungen bald erübrigen. Ballmer, der wegen seiner rüpelhaft en Auft ritte vor Mitarbeitern des Unternehmens auch »Monkeyboy« genannt wird, orakelte jüngst im Gespräch mit Redakteuren der Washington Post, dass es schon in zehn Jahren keine Printmedien mehr geben werde. Bis dahin, so Ballmer, werde die »ganze Welt der Medien, Kommunikation und Werbung umgekrempelt«: Jeglicher Medienkonsum würde via Internet bedient, statt gedruckter Zeitungen und Magazine werde es ausschließlich elektronische Vertriebswege geben.
Ballmer mag zwar gelegentlich großspurig daherkommen – aber ein außer Kontrolle geratener Spinner ist er deshalb nicht: Immerhin lenkt der 53-jährige Harvard-Absolvent eines der bedeutendsten und profi tabelsten Unternehmen der Welt (Jahresumsatz 2008: 60,420 Mrd. Dollar) und hat sich damit in der Medien- und Computer-Branche einen Namen als Innovator und Querdenker gemacht.
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