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Hollywood-Romanze in Italien

Hollywood-Romanze in Italien

von: Jackie Braun

CORA Verlag, 2011

ISBN: 9783863496661 , 144 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 1,49 EUR

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Hollywood-Romanze in Italien


 

1. KAPITEL

Seufzend betrachtete sich Atlanta Jackson im Spiegel ihrer Hotelsuite und konnte kaum glauben, dass sie wirklich diese blasse Frau mit den müde blickenden Augen war, die ihr da entgegenblickte.

Nur das lange, gelockte hellblonde Haar, das ihr über die Schultern fiel, war noch dasselbe. Ihre Haut hingegen schien den seidigen Glanz verloren zu haben, und ihre Figur war für eine verführerische Sirene oder auch Sexbombe, als die man sie bezeichnete, nicht mehr üppig genug. Das war auch kein Wunder, nachdem sie innerhalb der letzten zwei Monate beinah zehn Kilo abgenommen hatte, ohne sich der radikalen und kohlehydratarmen Diät zu unterziehen, die momentan bei den Stars und Sternchen Hollywoods beliebt war und Pfunde nur so purzeln ließ.

Das schlichte blaue Leinenkleid würde Zeke überhaupt nicht gefallen. Sie hatte es am Tag zuvor in einer Boutique gekauft, in die sie vor den Paparazzi geflüchtet war. Aus einer Art Trotz und Auflehnung heraus trug sie es jetzt.

Zeke Compton, ihr ehemaliger Manager und Messias, wie er sich selbst nannte, hatte ihr verboten, diese Farbe zu tragen. Auch in Schwarz hatte sie sich nicht sehen lassen dürfen. Angeblich erinnerte es ihn zu sehr an Trauer und Beerdigungen.

„Welchen Grund hat Amerikas beliebteste Schauspielerin, traurig zu sein?“, hatte er gefragt, als ihre Modeberaterin sie in einem schwarzen Designermodell zu einem öffentlichen Auftritt schicken wollte.

Die Antwort darauf würden meine Fans und Kritiker sicher gern erfahren, hatte sie damals gedacht, doch heute wusste sie es besser. Niemand interessierte sich für die Wahrheit. Alle wollten nur an das romantisch verbrämte Märchen vom Aufstieg des armen, schönen Mädchens aus einfachen Verhältnissen zur Millionärin glauben. Dass alles nur eine große Lüge und sie es leid war, manipuliert und bevormundet zu werden, passte nicht in das Bild, das sich die Leute von ihr machten.

Sie schlüpfte in die eleganten flachen Schuhe, und prompt fielen ihr Zekes Worte ein. Im ersten Jahr ihrer Beziehung – sie war aus ihrem Apartment in West Hollywood zu ihm in sein Haus in Bellaire gezogen – hatte er erklärt: „Du musst Schuhe mit mindestens sieben bis acht Zentimeter hohen Absätzen anziehen, sonst bist du nicht groß genug.“ Obwohl sie sich mit ihren einszweiundsiebzig keineswegs als klein empfand, befolgte sie seinen Rat, denn schon seit der Kindheit war sie daran gewöhnt, den Männern in ihrem Leben zu gehorchen.

Mit kleinen Mädchen, die nicht folgen, passieren schlimme Dinge, ertönte es in ihrem Kopf wie ein Echo aus längst vergangenen Tagen. Und wie schon tausendmal zuvor verdrängte sie die tief in die Vergangenheit zurückreichenden düsteren Erinnerungen.

Atlanta warf einen Blick auf die Uhr. Es war Zeit zu gehen, und sie war erleichtert, aus New York endlich verschwinden zu können. Weder diese Stadt noch Los Angeles kamen für sie als Wohnort infrage, nachdem Zeke durch seine boshaften Äußerungen die öffentliche Meinung über sie negativ beeinflusst und sie zur Außenseiterin abgestempelt hatte.

Sie verließ die Suite und vergewisserte sich im Aufzug, dass sie ihr Flugticket und den Reisepass eingesteckt hatte. Ihr Gepäck war schon abgeholt worden, und die Limousine mit getönten Scheiben und Fahrer stand vor dem Eingang bereit. Ein kurzes Spießrutenlaufen an den Paparazzi vorbei, dann war sie in Sicherheit und konnte sich entspannt zurücklehnen.

In ungefähr zwölf Stunden würde sie in Monta Correnti ankommen. Ihre Stylistin Karen Sommerville, eine der wenigen Menschen aus ihrem früheren Leben, die sich nicht von ihr abgewandt hatten, hatte ihr versichert, der malerische Ort in der hügeligen Landschaft zwischen Neapel und Rom wäre der ideale Platz für Atlanta, um eine Zeit lang von der Bildfläche zu verschwinden und neue Kräfte zu sammeln.

Das hatte sie auch bitter nötig, denn sie war so angespannt, dass sie befürchtete, bei der geringsten Kleinigkeit in die Luft zu gehen.

Ehe sie aus dem Fahrstuhl stieg, setzte sie die Sonnenbrille auf. „Die Show kann beginnen“, sagte sie leise vor sich hin.

Mit betont sorgloser und unbekümmerter Miene schlenderte Angelo in die VIP-Lounge des JFK International Airport. Es war wichtig, das Gesicht zu wahren, besonders jetzt, da immer neue Gerüchte über das mögliche Ende seiner Karriere in Umlauf gebracht wurden.

Offiziell hatte das Management seines Vereins verlauten lassen, er werde in die Mannschaft zurückkehren, sobald er seine Schulterverletzung auskuriert habe. In Wahrheit sah die Sache allerdings weniger rosig aus. Zusätzlich zu der Arthritis hatte man bei ihm eine Erkrankung der Schulter diagnostiziert, die die Beweglichkeit der Arme weiter einschränkte. Dank bestimmter Medikamente ließen sich die Schmerzen jedoch ertragen.

„So etwas verheilt nicht von selbst, du musst operiert werden“, hatte der Arzt ihm eröffnet und hinzugefügt: „In deinem Alter besteht trotzdem keine Garantie, dass du jemals wieder in einer Profiliga spielen kannst.“

Statt sich einen Termin für den Eingriff geben zu lassen, hatte Angelo den Vorschlag seines Bruders befolgt und flog jetzt nach Italien, um dort die nächsten zwei Wochen zu verbringen. Damit tat er seinem Bruder einen Gefallen, außerdem konnte er in dem kleinen Ort Monta Correnti von den Medien unbehelligt in aller Ruhe über seine Zukunft nachdenken.

Von den wenigen Gästen an der Bar der VIP-Lounge beachtete ihn niemand, als er hereinkam. Dafür hielten sie sich wohl alle für zu wichtig, diese Industriekapitäne, Aufsichtsräte und dergleichen. Ein bekannter und berühmter Baseballspieler beeindruckte sie bestimmt nicht, und wenn doch, dann überspielten sie es geschickt. Aber vielleicht würde ihn die umwerfend attraktive Blondine bemerken, die an dem vom Boden bis zur Decke reichenden Fenster mit Blick auf die Start- und Landebahnen saß.

Trotz der überdimensionalen Sonnenbrille war Atlanta Jackson leicht zu erkennen, denn sie hatte die Hauptrollen in mindestens einem Dutzend Filmen gespielt, die echte Kassenschlager wurden. Während er den Blick über ihre verführerischen Lippen und das volle, gelockte Haar gleiten ließ, wurde sein Interesse geweckt, und das nicht zum ersten Mal. Vor einigen Jahren waren sie sich zufällig in einem New Yorker Nachtclub begegnet und hatten sich kurz unterhalten. Natürlich hatte er hemmungslos mit ihr geflirtet, doch darauf war sie nicht eingegangen. Seine Bitte, mit ihm zu tanzen, hatte sie rundweg abgelehnt. Noch lange danach hatten seine Teamkollegen ihn damit geneckt, dass er sich diese Abfuhr geholt hatte.

Als sie jetzt die Beine übereinanderschlug, erwachte in ihm heftiges Begehren. Nicht viele Frauen hatten eine so perfekte Figur wie sie. Sie war schlank, wobei sie faszinierende Rundungen an den richtigen Stellen hatte, obwohl sie offenbar Gewicht verloren hatte. Das wunderte ihn nicht, denn ihr viel älterer Manager und Freund, von dem sie sich getrennt hatte, versorgte die Boulevardpresse mit immer neuen Enthüllungsgeschichten.

Erst vor Kurzem hatte ihr Expartner behauptet, Atlanta habe ihn mit zahlreichen, ständig wechselnden Liebhabern betrogen, zuletzt sogar mit seinem zwanzigjährigen Sohn.

Angelo bezweifelte den Wahrheitsgehalt dieser Veröffentlichungen. Bei der ersten Begegnung in dem Nachtclub hatte sie jedenfalls nicht den Eindruck erweckt, die Abwechslung zu suchen oder gern zu flirten. Entschlossen, sich dieses Mal keinen Korb geben zu lassen und behutsamer vorzugehen, stellte er sich an ihren Tisch und wartete, bis sie aufsah.

„Da Sie es ja sowieso ablehnen würden, lade ich Sie gar nicht erst zu einem Drink ein“, begann er. „Aber was halten Sie von einer geistreichen Unterhaltung, um uns die Wartezeit zu vertreiben, bis unsere Flüge aufgerufen werden?“

Sie deutete ein Lächeln an. „Was für ein origineller Vorschlag, Mr. Casali.“

„Vielen Dank.“ Ohne ihre Aufforderung abzuwarten, zog er einen Stuhl hervor und setzte sich rittlings darauf. „Ich war mir nicht sicher, ob Sie sich noch an mich erinnern, immerhin ist es schon einige Jahre her.“

Prompt versetzte sie ihm einen Dämpfer und erwiderte: „Es wurde ja in der letzten Zeit viel über Sie berichtet.“

„Über Sie auch, wenn Sie mir die Bemerkung erlauben.“

„Stimmt.“ Sie presste die Lippen zusammen.

„Verstecken Sie sich deshalb hinter der Sonnenbrille?“

„Kann schon sein. Sie etwa auch?“ Sie wies auf sein Gesicht.

„Ja, natürlich. So kann niemand sicher sein, ob ich ihn beachte oder nicht, und ich werde nicht angesprochen.“

Sie zog die fein geschwungenen Augenbrauen hoch.

„Finden Sie das zynisch, Miss Jackson?“

„Etwas schon.“ Sie zuckte die Schultern.

„Da wir beide die Einzigen hier in der Lounge mit Brillen auf der Nase sind, sollten wir zusammenhalten, so als spielten wir in derselben Mannschaft.“

„Bei allem, was in den letzten Wochen über mich berichtet wurde, müssen Sie sich gut überlegen, ob Sie mich in Ihrem Team haben wollen, Mr. Casali.“

„Wir betrachten es einfach als einen Test.“ Er sah sie schräg von der Seite an. „Sie können mich Angelo nennen.“

Der Mann hat Nerven, dachte sie und lachte. Sie hatte schon jahrelang nicht mehr für eine Rolle vorsprechen müssen. Die Hauptrollen der drei letzten Filme, die...