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Die florentinische Prinzessin - Roman

von: Christopher W. Gortner

Goldmann, 2011

ISBN: 9783641071417 , 576 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 8,99 EUR

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Die florentinische Prinzessin - Roman


 

"TEIL VII 1574 – 1588 Der Geliebte (S. 368-369)

33


Ich schritt in meinem Gemach im Palast von Lyon auf und ab, wobei ich unentwegt auf den mit Juwelen besetzten Saum meines Rocks trat und jedes Mal zum Fenster zurückhastete, sobald ich im Hof draußen Lärm hörte. Der Herbst war nach Frankreich gekommen. An den Eichen hingen braun verfärbte Blätter, und die Hügel badeten in feuerroter Pracht. Vier Monate waren seit Charles’ Tod vergangen, vier lange, schwere Monate, in denen ich ihn beerdigt, seine Witwe nach Chenonceau geschickt und mich mit all meinen Kräften darum bemüht hatte, das Reich zu bewahren.

Und jetzt hatte ich die Nachricht erhalten, dass Henri Avignon passiert hatte und die Rhône hinaufzog. Eskortiert wurde er von Hercule, dessen Bedeutung beträchtlich zugenommen hatte, seit wir ihn zum zweiten Erben bestimmt hatten. Bald würde mein geliebter Sohn seinen Thron beanspruchen. Ich wandte mich vom Fenster ab, da Birago mit seinen allgegenwärtigen Mappen hereingeschlurft kam. Unwillkürlich schnitt ich eine Grimasse, als er sie auf meinem Pult ablud. Eigentlich hätte ich Mitleid mit ihm haben müssen. Charles’ Tod hatte ihn schwer getroffen und über Nacht altern lassen.

Er versuchte seinen Kummer zu lindern, indem er jede wache Stunde der Arbeit widmete. Ich war heute allerdings nicht in der Stimmung, seine Leichenbittermiene oder eine seiner Klagen über meine Aufgaben zu ertragen. »Was immer es ist, es kann warten«, erklärte ich ihm. »Aber diese Depeschen sind aus England. Königin Elizabeth verlangt, dass wir uns ihrem Protest gegen weitere Angriffe der Spanier in den Niederlanden anschließen. Sie sagt …« »Sie wird Hercule nur dann gestatten, um sie zu werben, wenn wir unseren Fehdehandschuh in den Ring werfen. Es ist immer dieselbe Ausrede, mit der sie uns nun schon seit Monaten hinhält. Wenn sie unseren Beistand gegen Spanien haben will, dann soll sie auch eine Gegenleistung erbringen.«

»Aber die Unruhen könnten sich auf Frankreich ausbreiten. Wir können nicht …« Ich stampfte mit dem Fuß auf. »Sehe ich so aus, als wäre ich für den Kronrat gekleidet?« Birago richtete sich so hoch auf, wie ihm das dieser Tage noch möglich war. »Vergebt mir. Ich merke, dass ich in einem unpassenden Moment gekommen bin. Die Staatsangelegenheiten müssen offenbar warten.« Damit ging er hinaus. Lucrezia löste meinen Schleier von einem Haken in der Halskrause. »Ich komme mir vor wie eine Kalbskeule bei einem Bankett«, stöhnte ich. »Ist das alles wirklich nötig?« »Unbedingt. Wollt Ihr denn, dass Seine Majestät seine Mutter in ihrer alten Witwentracht sieht?«

»Das ist mir gleichgültig. Er soll nur endlich kommen und …« Kanonensalven übertönten meine Stimme. Meine Hofdamen scharten sich eilig hinter mich, während ich schnell in den Flur hinausstürmte, was mein Leibesumfang und der unbequeme Rock eigentlich gar nicht gestatteten. Als ich den Hof erreichte, erspähte ich Margot mit ihrem Gefolge. Sie trug ein pfirsichfarbenes Kleid mit einer Halskrause, die so weit war, dass sie mehr der Umrahmung des Kopfes als der Verhüllung von Blößen diente. Das Haar über ihrem gepuderten Gesicht war so raffiniert frisiert, dass daraus Federn zu sprießen schienen, an Hals und Brust glitzerten Turmaline. Ich hatte sie aus der Haft in ihren Gemächern entlassen, bestand aber darauf, dass ein von mir ausgewähltes Aufgebot von strengen Ehrendamen sie begleitete."