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KAPITEL 2 Drogen: Das ist Wirtschaft, Mann (S. 27-28)
Sie erinnern sich sicher noch an Bill Clintons Geständnis während seines ersten Präsidentschaftswahlkampfs, dass er als Student zwar Cannabis geraucht, aber nicht inhaliert habe. Nun, bei mir ist es genau umgekehrt: Ich habe nie selbst Hasch geraucht, aber bei Studentenpartys den Rauch anderer eingeatmet. Überhaupt habe ich keine Drogen probiert, hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Als Studentin konnte ich mir entweder eine Flasche billigen Wein leisten oder viel mehr Geld für ein illegales Rauschmittel ausgeben, das denen, die es nahmen, auch nicht viel mehr zu bringen schien als mir der Alkohol. Und später habe ich mich einfach, meinem steigenden Einkommen angemessen, zu den teureren Weinen hochgearbeitet.
Viele Menschen sind der Ansicht, dass die Drogenpolitik des Staates ausschließlich mit Moral zu tun haben sollte, denn Drogen sind in ihren Augen schlecht. Auf diesem Grundsatz basiert der »Kampf den Drogen«, wie er nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Großbritannien und den anderen europäischen Staaten geführt wird. Doch nicht erst Steven Soderberghs Film Traffic dürfte den Menschen klargemacht haben, dass eine Null-Toleranz- Politik vermutlich nicht funktioniert, wenn so viele Leute illegale Drogen nehmen. Mehr als einer von fünf Menschen verstößt irgendwann im Leben gegen das Betäubungsmittelgesetz (in Amerika ist es fast einer von dreien über zwölf Jahren) und wird nicht von seinen Freunden verpfiffen – da muss man sich doch fragen, wie sinnvoll ein solches Gesetz ist.
Im Umgang mit Drogen gibt es drei Ansätze: Erstens das Ideal einer drogenfreien Gesellschaft, aus dem sich die Rhetorik im Kampf gegen die Drogen speist. Zweitens die Ansicht, dass Drogenabhängigkeit eine Krankheit ist und ein Verbot der Drogen nicht ausreicht, sondern zusätzlich medizinische Behandlung und Präventionsprogramme nötig sind. Drittens die liberale Einstellung, dass jeder die Freiheit haben sollte, zu nehmen, was er möchte, solange er anderen damit nicht schadet. Vor der im Alltagsleben praktizierten Toleranz gegenüber Drogen konsumierenden Angehörigen, Freunden oder Bekannten können Politiker trotz innerer Widerstände langfristig nicht die Augen verschließen.
Vielleicht gelingt es der Ökonomie, Klarheit in die philosophische und politische Debatte zu bringen. Immerhin handelt es sich hier um einen Markt, auf den sich staatliche Beschränkungen auswirken. Das heißt, dass sowohl der Preis als auch nichtwirtschaftliche Erwägungen bei der Drogenpolitik eine Rolle spielen.
Bei einem illegalen Gewerbe wie diesem gibt es natürlich nur wenige fundierte Fakten, aber wenden wir uns dem zu, was wir wissen: Drogenkonsum scheint so alt wie die Menschheit zu sein. Die alten Griechen nahmen Opium, die Azteken Peyote (Mescalin) und Marihuana. Versuche des Staates, Drogen zu verbieten, sind ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, eine direkte Folge viktorianischer Moral. Zu den bekanntesten Beispielen gehört der 18. Verfassungszusatz in den Vereinigten Staaten, der in den zwanziger Jahren den Genuss von Alkohol illegal machte. Die Prohibition erwuchs aus den Kampagnen viktorianischer Temperenzler, die Getränke aus Sarsaparille oder Löwenzahn oder Klette propagierten. Die jungen Leute unserer Zeit, die an Wodka-Cocktails und Alkopops gewöhnt sind, könnten damit vermutlich wenig anfangen.
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