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Auswirkungen eines Streiks gegen
den Neoliberalismus
(Seite 3)
«Boah krass, Marion! Guck ma meine Arme, ey!», sag ich, spanne meinen Bizeps an und halte ihn ihr unter die Nase. «Iiiieh», sagt sie, sie hat «iiieh» gesagt und ich frage: «Iiiieh? Magst du meine Arme etwa nicht? Die sind doch krass!»
«Doch, doch, die Arme sind okay, aber krass ist höchstens der Geruch. Könntest echt mal Deo nehmen», sagt sie und mir fällt auf, dass meine Marion echt oberflächlich ist. «Ich geh dann mal duschen», sag ich und schleiche mich ins Bad. Vor dem Duschen will ich noch schnell 50 Liegestützen runterreißen, schaffe aber nur vier und bleibe dann einfach auf dem Teppich vor der Badewanne liegen. «Erst mal entspannen», denke ich, ist doch auch mal ’ne schöne Perspektive dieses Bottom-up .
Und was da nicht alles auf dem Boden liegt bei uns im Bad: Staubmäuse, Mäusespeck, Q-Tippse, Zahnpastatubendeckel, Mietverträge, Geschmeide, Gestrümpf und Gesocks, alles tummelt sich auf den lindgrünen Fliesen und wartet auf Entsorgung. Richtig romantisch werde ich, wie ich so auf dem Badeteppich liege und versuche, zwei Q-Tipps so lange aneinander zu reiben, bis die wattigen Enden Feuer fangen. So ein Feuerchen würde dieses Flair noch zwei Etagen höher heben, aber es will mit diesen Ohrenputzern einfach nicht klappen. Ich rufe also nach Marion. «Marion!», rufe ich. «Oh, meine Marion! Lass uns ein Feuer der Leidenschaft entzünden! Reib dich an meinem stählernen Körper, bis die Liebesglut uns verglüht!»
Es vergehen ein paar ewige Minuten, in denen ich nach Marion winsele und vor Ungeduld mit dem Bauch auf den Teppich platsche, aus der Wohnung kann ich Gerumpel und Gepumpel hören, bis sich endlich die Badezimmertür öffnet. Sie guckt mich an, wie ich so nackt auf dem Bauch liege, und wirft mir Streichhölzer zu. «Mach dir dein Feuer der Liebe selbst, ich bin weg!», sagt sie und ich rufe ihr noch hinterher: «Marion! Meine Marion! Bringst du mir ’ne Pizza mit? Oder was vom Griechen? Aber ohne Djuwetschreis, der ist rot. Davor hab ich Angst, Reis sollte nicht rot sein, hörst du mich, oh Marion?»
Doch anstatt einer Antwort von meiner Liebsten zu vernehmen, höre ich, wie die Wohnungstür lauter als sonst ins Schloss fällt. Gut, dass ich jetzt Streichhölzer habe, richtig viele. Mit einem ganzen Paket Zündis hat meine Flamme Marion mich bedacht. Das muss Liebe sein, meine ich und entzünde mein erstes Streichholz. Sehr romantisch war das allerdings noch nicht, die Badezimmerlampe war einfach zu hell, so greife ich nach dem einzigen schweren Gegenstand in meiner Reichweite und schleudere ihn gegen den Lichtschalter. Der Gegenstand war eine Flasche Schaumbad und landete einen Volltreffer. Bin halt ein Topsportler. Ein paar Minuten lang genieße ich die Dunkelheit, bis ich ein feuchtes Geglibber an meinen Füßen spüre. Für eine Weile hoffe ich, dass es sich dabei um die weichen, feuchten Körperteile von Marion handelt, doch ein entzündetes Streichholz verrät mir, dass es sich nur um auslaufendes Schaumbad handelt. Schade, dabei hatte ich doch so Hunger...
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