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Der Mensch auf dem Weg der Individuation - in Theorie und Praxis eines sozialpädagogischen Seminars „Imagination und Malen“
3.1.1. Die Heranführung an die Thematik (Seite 9)
In der folgenden Einführung des Themas sind einige Textstellen der Autobiographie von C. G. Jung genannt, da seine Biographie unmittelbar mit der Entstehung seines Lebenswerkes verbunden ist. Der Lebensweg wurde von Jungs Schülerin und langjährigen Mitarbeiterin Aniela Jaffé herausgegeben. Jung identifiziert sich stark mit seinen Werken und beschreibt wie folgt die Beziehung seiner Autobiographie zu seinem Gesamtwerk:
„Mein Leben ist in gewissem Sinne die Quintessenz dessen, was ich geschrieben habe und nicht umgekehrt. Wie ich bin, und wie ich schreibe, ist Eines. Alle meine Gedanken und mein ganzes Streben, das bin ich. So ist die „Autobiographie“ nur noch das Pünktchen auf dem i“ (Jaffé, 1971, S. 7/8). Jungs innere Entwicklung spiegelt sich in seinen Büchern wider. Der Schwerpunkt des Begründers der Analytischen Psychologie, des Psychiaters und Psychotherapeuten in eigener Praxis sowie des Forschers liegt im Themenkomplex der Selbstwerdung. Es ist ein lebenslanger Weg der Reifung der Seele durch den Individuationsprozess (siehe Kapitel 3.1.3.).
„Bei Jung dominiert wie bei keinem anderen Psychologen seiner Zeit das Überindividuelle. Das Transpersonale spielt eine maßgebliche Rolle, und zwar nicht allein als eine biologisch-instinktgegründete Triebkraft, sondern als „Archetypus“ und damit als eine leiblich-seelisch-geistige Treibmacht, die gerade dadurch über den Menschen hinausweist, dass sie ihn in einen lebenslangen Prozess der Reifung hineinstellt. Gemeint ist die „Individuation“, der Weg zu voller Menschwerdung, zugleich das zentrale Thema der Jungschen Psychologie“ (Wehr, 1985, S. 11).
Im Menschen liegt innerlich ein Antrieb, der einen Reifungs- und Wachstumsprozess der Seele ablaufen lässt, ähnlich wie der Alterungsprozess des Körpers. Der Mensch hat während dieser Entwicklung die Möglichkeit einer Bewusstseinserweiterung durch die Kontaktaufnahme mit seinen unbewussten psychischen Anteilen, wenn sie im Bewusstsein auftreten. Jung wird bereits im Medizinstudium klar, dass er in der Psychiatrie die Verbindung von Geist und Materie findet, die ihn seit Jugendtagen in den Bann zieht. Das Thema des Zusammenschlusses von Natur und Geist wird das Jungsche Lebensthema.
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