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Der Wert der Dinge – Güter im Prestigediskurs - »Formen von Prestige in Kulturen des Altertums« · Graduiertenkolleg der DFG an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Herakles und Peisistratos in Etrurien (Seite 120)
Nach diesem kurzen Abstecher an die Ostküste Italiens wollen wir noch einmal zu den zeitlich etwas früheren Funden aus dem etruskischen Kerngebiet zurückkehren, die am Anfang unserer Betrachtungen standen. Dürfen auch diese monumentalen Gefäße unter das Leitthema der politischen und wirtschaftlichen Freundschaftspflege gestellt werden? Es ist kaum möglich, diese Frage in einer für alle Gefäße verbindlichen Form zu bejahen. Im Einzelfall können ganz unterschiedliche Faktoren zum Erwerb der Vasen und ihrer Deponierung im Heiligtum oder im Grab geführt haben. Sicher ist jedoch, dass die kolossalen Gefäße im ideologischen Wertesystem der etruskischen Adelskultur eine übergeordnete Bedeutung besaßen, die nicht nur von den Empfängern in Etrurien, sondern ebenso von den Absendern in Athen mitbestimmt wurde. Denn nur so ist es zu erklären, dass ihre Verbreitung auch im westlichen Mittelitalien ein zeitlich klar umrissenes Phänomen darstellt. Bis auf wenige Ausnahmen stammen nämlich alle importierten Kolossalgefäße aus spätarchaischer Zeit, genauer gesagt aus den Jahren zwischen 530 und 480 v. Chr. Gerade in der Gegenüberstellung mit den jüngeren Funden aus dem adriatischen Raum wird ersichtlich, dass der Export der monumentalen Gefäße auch im Westen nicht von marktwirtschaftlichen Gesetzen allein bestimmt wurde (Abb. 5). Auch hier scheinen vielmehr konkrete politische Interessen von Seiten Athens im Spiel gewesen zu sein.
Um diese Interessen genauer zu umreißen, erscheint es angebracht, neben dem Format der Vasen auch die Bilder auf den Gefäßen in die Überlegungen mit einzubeziehen. Ordnet man nämlich die Vasen mit Blick auf ihre figürliche Verzierung (Tabelle 2), so kristallisieren sich in zeitlicher Staffelung drei bevorzugte Motive heraus: Herakles, Peleus und Thetis sowie der trojanische Sagenkreis. Es handelt sich dabei um Bildthemen, die in der attischen Kunst der Spätarchaik generell sehr beliebt waren und die, wie hinreichend bekannt ist, mit der Herausbildung der politischen Identität Athens in dieser Zeit eng verknüpft sind.59 Bei der Beantwortung der Frage nach allfälligen Beziehungen zwischen den Bildern und dem Bestimmungszweck der Bildträger in Etrurien ist daher Vorsicht am Platz.
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