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Teil IV: Taiwan (S. 197-198)
1 Bildungswesen und Hochschulsystem in Taiwan
1.1 Schulsystem in Taiwan
Das taiwanische Schulsystem sieht einen neunjährigen Pflichtschulbesuch vor. Wie in Japan und der VR China basieren Primär- und Sekundärbildung im Wesentlichen auf einem 6-3-3- System. Auf die sechsjährige Grundschule folgt eine dreijährige Mittelschule (Junior High School), und danach können die Schüler zwischen der dreijährigen Senior High School oder der mehr praxisorientierten dreijährigen Senior Vocational School wählen. Schüler, die ihre Ausbildung nicht an einer der höheren Sekundarschulen fortsetzen möchten, können bereits im letzten Mittelschuljahr mit einem zweijährigen Berufsschulprogramm beginnen oder nach Abschluss der Mittelschule auf eines der fünfjährigen Junior Colleges gehen, die ebenfalls praxisorientierte und relativ spezialisierte Programme anbieten. Die letzten zwei Jahre der fünfjährigen Junior-College-Ausbildung werden dem Tertiärsektor zugerechnet. Die Pflichtschulausbildung findet überwiegend an staatlichen Institutionen statt. Die Senior High Schools sind ebenfalls meist staatlich, während die Senior Vocational Schools und die Junior Colleges zum größten Teil privaten Trägern unterstehen. Der Schulbesuch in Taiwan ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kostenlos.
Alle höheren Sekundarschulen und die Junior Colleges rekrutieren ihre Schüler auf der Grundlage einer Aufnahmeprüfung. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Schultypen bzw. der Wechsel zwischen theorie- und praxisorientierten Lehrinstitutionen ist möglich.
Senior High School und Senior Vocational School befähigen zur Aufnahme eines Undergraduate- Studiums an einer Universität oder einem College. Absolventen der Junior Colleges, die bereits mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, können nach Bestehen einer Eintrittsprüfung unmittelbar zum Master- Studium an einer Hochschule übergehen. Die erste Fremdsprache in Taiwan ist Englisch; sie wird ab dem ersten Mittelschuljahr unterrichtet. Im Schuljahr 1997/98 setzten 62% der Schüler in Taiwan ihre Ausbildung nach Abschluss der Mittelschule an einer höheren Sekundarschule fort.
1.2 Geschichte des taiwanischen Hochschulsystems
Die meisten Abhandlungen zur Geschichte des taiwanischen Hochschulsystems beginnen mit der Gründung der Republik China auf dem chinesischen Festland im Jahre 1912 und der Bildungspolitik Dr. Sun Yatsens bzw. der Guomindang in den Jahren vor der Machtübernahme der kommunistischen Partei Chinas. Angehörige der Festlandshochschulen, die 1949 mit dem Guomindang-Regime nach Taiwan flohen, gründeten dort "Ableger" ihrer Alma Mater, meist unter Beibehaltung des ursprünglichen Namens und in dem Bewusstsein, mit der "Mutterhochschule" auf dem Festland eng verbunden zu sein (z. B. National Chiao Tung University, Sun Yat-sen University). Die Beziehungen zu den Mutterhochschulen auf dem Festland sind auch heute, ungeachtet aller politischen Differenzen, sehr eng. So ist es zu erklären, dass einige Hochschulen Taiwans bereits ihr neunzigjähriges oder hundertjähriges Jubiläum gefeiert haben, obwohl sie tatsächlich erst in den fünfziger Jahren oder später gegründet wurden. Die ältesten Hochschulen Taiwans, die heute noch existieren, sind während der Zeit der japanischen Besatzung (1895-1945) gegründet worden, teilweise auf Initiative oder mit finanziellen Mitteln der Besatzer - ein Fakt, der in den Annalen dieser Hochschulen nicht unbedingt gerne erwähnt wird.
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