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Kapitel 1 Prozente, Prozente! (S. 1)
1.1 Schatz, trink nicht so viel, Du musst noch Auto fahren!
Meine liebe Frau, die sich wirklich sehr oft anderweitig beschäftigen muss, wenn ich neue Geschichten aushecke, ist Lehrerin an einem Gymnasium. Als sie neulich in einer 6. Klasse die ausgefallene Lehrkraft ersetzen musste, kam sie auf die Idee, mit den Kindern als Anwendung der Prozentrechnung mal den Alkoholgehalt im Blut eines Autofahrers auszurechnen, der ein Glas Wein getrunken hat.
Das ist ein ziemlich einfaches Rechenspielchen. Wir wissen irgendwie aus dem Biologieunterricht, dass ein erwachsener Mensch so im Schnitt sechs Liter Blut besitzt. Die sechs Liter machen sich für unsere Rechnung ausgezeichnet. Ein mittelprächtiger Rotwein hat 12% Alkoholgehalt. In einem Liter Rotwein sind daher 120 cm3 Alkohol.
Trinkt man ein Glas mit 0.2 Liter, also 1/5 Liter Inhalt, so trinkt man 120/5 Liter, das sind 24 cm3 Alkohol. Jetzt verteilen wir das im Blut und erhalten, wenn wir alles in cm3 rechnen, 24 : 6000 = 0.004, das sind also 4 Teile auf 1000 Teile, oder in Klartext 4 Promille. Holla, das kann doch nicht sein.
Da haben wir uns um eine Null vertan. 4 Promille sind mehr als volltrunken, und das nach einem Glas Rotwein. Meine Frau stand wohl ziemlich verdattert an der Tafel und suchte nach dem Rechenfehler. Ihre Erfahrung war da ganz anders. Aber der Fehler wollte sich nicht zeigen. Die Schüler fanden das auch ziemlich spannend. Einige hatten Ärzte als Eltern und versprachen, mit Mama und Papa das durchzudenken.
Entgeistert und völlig verunsichert kam sie nach Hause und stellte mir diese Aufgabe mit der klaren Zusatzaufgabe, ich sollte gefälligst ihren Rechenfehler finden. Nun, wir kennen auch einige Ärzte und fangen an zu telefonieren. Ziemlich deutlich kam die klare Antwort, dass der Alkohol fast ausschließlich ins Blut geht. Sonst könnte man sich ja die doch mit einer Verletzung einhergehende Blutuntersuchung sparen und statt dessen den Urin testen.
Da waren aber die Aussagen ziemlich klar, im Urin ist kaum Alkohol drin. Auch die Kinder brachten am nächsten Tag diese Aussage ihrer kundigen Eltern: Kaum Alkohol im Urin. Ein Mädchen berichtete von einem Familienstreit am Mittagstisch. Die Mutter hatte sofort mit dem Vater gezankt und meine Frau als Kronzeugin zitiert: Siehst Du, Frau Herrmann sagt auch, Du sollst nicht so viel trinken.
Also musste meine Frau sich wohl doch an der Tafel verrechnet haben und ich .ng ganz von vorne an. Angenommen, da ist ein Mensch, der hat ziemlich genau 6 Liter Blut in seinem Körper rumsausen. Der trinkt nun ein Glas Rotwein, der 12% Alkohol enthält. Das Glas enthalte 0.2 Liter, also 200 cm3 Rotwein.
12% davon sind 200 · 0.12 = 24, also 24 cm3 Alkohol. Den verteilen wir auf 6 Liter, also auf 6000 cm3 Blut. Wir rechnen also 24/6000 = 0.004. Das sind und bleiben 4 Tausendstel, also 4 Promille. Da bleibt kein Tropfen übrig.
Es dauerte einige Tage. Offensichtlich hatte es einen meiner Bekannten, einen Frauenarzt, stark beeindruckt, was wir da so ausgerechnet hatten.
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