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Der Mann, bei dem Honecker wohnte

von: Uwe Holmer

SCM Hänssler im SCM-Verlag, 2009

ISBN: 9783775150941 , 220 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 11,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

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Mehr zum Inhalt

Der Mann, bei dem Honecker wohnte


 

9. Honecker (S. 110-111)

In den Tagen nach dem Mauerfall 1989 wurden die ehemals Regierenden beschimpft und angeklagt. Der Generalstaatsanwalt der DDR erhob sogar Anklage gegen Erich Honecker wegen Hochverrats. Ich dachte, ich verstehe die Welt nicht mehr, und hielt das für die Höhe der Heuchelei. Wie konnte er, der selbst durch die Partei groß geworden war, nun solch eine Anklage erheben! In jenen Tagen saß ich in meinem Arbeitszimmer und dachte an die Genossen, die in Wandlitz, etwa 20 km von Lobetal entfernt, ihre Wohnung hatten. Hatten ihnen nicht noch am 7. Oktober die Massen zugejubelt? Und nun sollten sie die allein Schuldigen sein, die Verräter Deutschlands? Alle Schuld warf man auf sie und meinte, sich damit reinwaschen zu können. »Wie können die das nur verkraften«, dachte ich, »von der höchsten Höhe in den tiefsten Dreck gestoßen zu werden?« Sollte ich nicht einmal hinfahren und ihnen das Gespräch anbieten, vielleicht sogar seelsorgerliche Hilfe?

Aber dann ließ ich es. Andere Arbeit forderte mich. Und da ich den Genossen völlig unbekannt war, hatte ich auch keine Hoffnung, zu ihnen eingelassen zu werden. Doch dann erhielt ich in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr 1989/90 einen Besuch von Pastor Werner Braune, der in unserem Pfarrhaus in Lobetal geboren worden war. Er kam auf Bitten der Kirchenleitung in Berlin und fragte, ob ich bereit sei, »Erich und Margot« aufzunehmen. Meine erste Frage: »Wie komme denn gerade ich dazu?« Seine Antwort: »Die Funktionärssiedlung Wandlitz wird zum 1. Februar 1990 aufgelöst. Die Regierungsmitglieder müssen ihre Häuser verlassen. Honecker liegt im Krankenhaus und wird in den nächsten Tagen noch einmal operiert. Wenn er entlassen wird, weiß er nicht wohin. Man hat ihm zwar eine Mietwohnung in Berlin angeboten, aber jedermann rechnet damit, dass die von aufgebrachten Bürgern gestürmt werden würde.« So wisse er nun nicht, wohin er sich vom Krankenhaus entlassen lassen könne. Da habe er durch Rechtsanwalt Vogel bei der Kirche angefragt, ob sie ihm wohl eine vorübergehende Unterkunft bieten könne. Die Kirchenleitung habe die Anfrage zwar wieder zurückgegeben. Der Staat sei dafür zuständig. Außerdem könne auch die Kirche nicht für die Sicherheit garantieren. Und bei der Brisanz dieser Frage müsse ihr auch versichert werden, dass Honecker wirklich selbst hinter dieser Anfrage stehe. Ich sei jetzt nur einmal im Voraus angefragt, ob wir, wenn die Bitte erneut geäußert würde, das Ehepaar aufnehmen würden. Ich sagte: »Und warum gerade wir?«

Braune erklärte: Die Kirche habe ja auch nur kleine Häuser, die ebenfalls gestürmt werden könnten. Wir aber seien ein ganzes Dorf. Alle Häuser gehörten der Diakonie. Da dachte die Kirchenleitung, wenn Honeckers mitten unter kirchlichen Mitarbeitern leben würden, wären sie vielleicht ein wenig abgeschirmt. Nach der stillen Stunde in meinem Studierzimmer ein paar Tage zuvor war ich innerlich vorbereitet und dachte sofort: »Das kann ja Gottes Antwort auf deine Frage sein.« So gab ich meine persönliche Zustimmung, sagte aber: »Da muss ich natürlich auch noch unsere Mitarbeiter fragen, denn die sind ja auch betroffen.« Doch Braune bat mich zunächst noch um Vertraulichkeit, bis klar sei, ob eine erneute Anfrage zur Kirchenleitung gelangen würde. Nach gut zwei Wochen kam dann die Nachricht aus Berlin, es habe sich kein anderer Weg für Honeckers gefunden, und die Bitte wurde erneuert.