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Wer stirbt schon gern im Schloss? - Fränkische Novellen aus alter Zeit

Wer stirbt schon gern im Schloss? - Fränkische Novellen aus alter Zeit

von: Hermann Kaussler

Verlag Walter E. Keller, 2004

ISBN: 9783934145245, 103 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 7,80 EUR

Ersparnis: 1,40 EUR

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Wer stirbt schon gern im Schloss? - Fränkische Novellen aus alter Zeit


 

Wenn nur die vier Augen nicht wären - Warum die weiße Frau in Hohenzollern-Schlössern spukt (S. 8-9)

Schon im frühen Kindesalter brachte man Kunigunde, die Tochter des Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg, in ein Kloster der Zisterzienserinnen. Ihre Mutter war an den Schwarzen Blattern gestorben. Nach dem Trauerjahr ging der Vater erneut auf Freiersfüßen. Als er eine junge, forsche und ebenbürtige Grafentochter fand, war das Kind im Wege.

Kunigunde gewöhnte sich rasch an das Klosterleben unter den Frauen aus hoher Herkunft. In würdigen, langen, weißen Gewändern gingen diese umher. Selbst ihre Kopfbedeckung bestand aus einem langen weißen Tuch. Eine einfache Metallfibel musste bei jeder Schwester unterhalb des Kinns das über die Backen gestraffte Tuch zusammenhalten, sodass die Gesichter aller Nonnen wie kleine ovale Schiffchen aus dem weißen Stoff hervorlugten. Vor dem kommenden Bräutigam Christus sollten alle geweihten Schwestern als Bräute einander ähnlich sein wie die fünf klugen Jungfrauen im biblischen Gleichnis von der Wiederkunft.

Die Klosterfrauen nahmen das Kind zu den frommen Andachten in die alte romanische Kapelle mit, in der die Psalter in lateinischer Sprache im Wechselgesang, zuvor von der Äbtissin intoniert, das erhabene Kirchenschiff erfüllten. Noch im Kreuzgang waren die frommen Gesänge zu hören.

Die Frauen sorgten gut für die Halbwaise. Sie umhegten sie mit ihrer mütterlichen Art und gaben ihr ebenfalls ein weißes Linnengewand und ein langes Kopftuch aus gebleichtem Flachs, das ein wenig gelbliche Farbtönung aufwies. Jedoch die Spange unterhalb des Kinns mochte Kunigunde nicht leiden. Erst versuchte sie, sich dieses Utensils mit Tränen zu erwehren, dann mit stundenlangem Schmollen, und als auch das ihr keine Abhilfe brachte, sagte sie eines Tages, dass sie als Grafentochter so einen Zwicker unter dem Kinn nicht bräuchte. Und nächstens wolle sie ihrem Vater darüber berichten, wenn er zur Osterzeit wieder in das Kloster kommen und sich nach ihr umschauen würde. Das fruchtete. Von nun an brauchte sie die lästige Spange nicht mehr zu tragen. Jetzt sollte ihr tiefschwarzes Haar unter dem Tuch hervorschauen dürfen. In andachtsvollen Stunden, in denen die Klosterfrauen dem Kinde die Heiligenlegenden, die alten Klosterregeln und auch die lateinische Sprache beibrachten, sollte es auf die heiligen Gelübde vorbereitet werden.

Im Klostergarten waltete die kluge Schwester Apollonia. Nach den Andachten und den frommen Unterweisungen wollte das Kind mit dieser Schwester immer dorthin. Es sammelte Schneckenhäuser und Kieselsteine und baute mit ihnen die Einfassung von Gräben, aber auch Burgen aus Sand. Kleine Zweige, die sie in die Erde steckte, sollten die Bäume sein. Sie merkte sich sehr schnell die Namen und die Verwendung der Heilkräuter. Baldrian, Wermut, Benedikten- und Johanniskraut seien zur Beruhigung und wirkten als Mittel gegen Schlaflosigkeit, die Kamille helfe gegen das Kollern in den Därmen, Salbei und Spitzwegerich trieben den Schleim aus der Brust und hülfen gegen Stickhusten, so erklärte es ihr die gute Schwester.