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Die Haut der Steine

Die Haut der Steine

von: Arwed Vogel

Allitera Verlag, 2003

ISBN: 9783935877879, 141 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 10,90 EUR

Ersparnis: 1,90 EUR

  • Falsches Zeugnis
    Interkulturelles Lernen / Interkulturelles Training
    Geschichten aus Thailand
    Selbstdiagnose und Behandlung unterwegs
    Die großen Kriminalfälle
    Verschollen
    Baumanns Nase
    Die Chirurgin
  • Tod im Talayot
    Ich bin gekommen
    Ausgestempelt
    Die Schere im Bauch
    Bangkok und Umgebung
    Nomadentochter
    Der Sommernachtsmörder
    Das Vermächtnis der Keltin
 

Mehr zum Inhalt

Die Haut der Steine


 

3. Kapitel (S. 51-52)

A nton suchte die Straße ab, Vleutz’ Wagen war nicht mehr zu sehen. Nur noch das gelbe Nachmittagslicht leuchtete auf den Steinen. Über die Fassade vor ihm zog der Schatten von zwei Tauben einen Halbkreis. Als er das Flattern hörte, blickte er nach oben, dann war es wieder still. Er wusste nicht mehr, ob er Judith vertrauen konnte. Er blieb an ihrem Zimmer stehen, als ließe sich darin eine Antwort auf die Frage fi nden. Ob sie wiederkommen würde. Oder ob sie ihn einfach belogen hatte.

Da war der Karton mit den Fotos. Die Kiste mit den Büchern, der Schreibtisch. Das lässt man nicht zurück, wenn man auszieht. Nein, beruhigte er sich, sie kommt schon zurück, sie wird mit mir sprechen, und sie wird eine Antwort haben. Es hat nichts mit Henrik oder dir zu tun, hatte sie gesagt. Sie sei nur hierher zurückgekommen, um ihre Sachen zu holen. Sie habe den Entschluss schon vor Wochen gefasst. Sie hatte Anton angeschaut, ihren Kopf zur Seite gelegt. Er fände doch sicher wieder jemanden, an den er das Zimmer vermieten könne. Anton hatte ihr nicht geglaubt, aber er sagte nichts. Er dachte an die Kündigung auf seinem Schreibtisch und dass niemand einen Untermieter für eine gekündigte Wohnung fi ndet. Er rechnete wieder, ob das Geld reichte, sah Judith nicht an. »Ich helfe dir«, sagte sie plötzlich und wartete, dass er aufsah. »Ich werde mit Vleutz in die Schweiz fahren«, sagte Judith, »er nimmt mich mit. Ich werde herausbekommen, wer die Geldgeber sind. – Versprochen«, sagte sie, als sie seinen Blick sah. Einen Augenblick war er so überrascht, dass er nicht antworten konnte. Dann lief er in sein Zimmer, ohne sich zu bedanken, ohne darüber nachzudenken, warum Judith ausgerechnet mit Vleutz in die Schweiz fuhr. Erst langsam, im Laufe des Tages, wurde er misstrauisch, aber er wollte nicht darüber reden, vielleicht nahm sie sonst ihr Versprechen zurück.

Den ganzen Nachmittag hatte er überlegt, ob er Judith etwas erzählt hatte, was sie Vleutz verraten, was Anton schaden konnte. Einmal misstrauisch geworden, konnte er sich nicht mehr beruhigen. Er musste schließlich mit allem rechnen: auch damit, dass Judith Vleutz alles erzählt hatte, dass er sie längst umgedreht hatte, vielleicht schon von Anfang an. Anton überlegte, ob Johanna davon gewusst haben konnte, aber der Gedanke, dass Johanna auch an Vleutz’ Verrat beteiligt sein konnte, war zu schrecklich, ihm wurde übel. Nein, dachte er, nicht Johanna, sie nicht. Er erinnerte sich an die Wochen, nachdem Vleutz das Haus gekauft hatte. Wie nach dem Tod der Hausmeisterin die Mieter an jedem Abend im Treppenhaus standen und sich in Wut redeten. Ich hätte ihm fast, man sollte ihm. Wir können nicht warten. Dann begann Vleutz Löcher in die Kellerwände zu schlagen, dass der Kies ins Haus rutschte. Er riss im Erdgeschoss Wände ein. Am Abend kamen die Männer von der Arbeit zurück und begutachteten die Schäden. Fassungslos starrten sie auf den Schutt. Die Baukommission besichtigte das Haus. Wir können nichts machen, wir sind nicht die Polizei.

»Sprechen Sie nicht mit ihm, lassen Sie sich auf nichts ein, rufen Sie an, wenn etwas passiert«, sagte die Frau vom Mieterverein. Nachts stellten sie Wachen auf, tagsüber streifte Anton durch das Haus. Noch hatte Vleutz nur die Wohnung der Hausmeisterin in seine Hand bekommen. »Wenn Sie aushalten, können wir ihm vielleicht das Handwerk legen«, sagte der Beauftragte der Baukommission, »es geht nur über die Gerichte.« Aber es ging zu langsam. Frau Kunzl wird bedroht, hieß es. Gerüchte, dass jemand ausziehen will, dass es ein Angebot von Vleutz gäbe. Anzeigen wegen Nötigung, Baugefährdung, Diebstahl. Anrufe bei der Presse, die ersten Zeitungsberichte. Der Oberbürgermeister schreibt: Ich habe meinen Dienststellen Anweisung gegeben … Am gleichen Nachmittag kam die Feuerwehr, um das Dach abzustützen, weil Vleutz die Balken zersägt hatte. Wochen, in denen Anton nicht an seine Arbeit dachte, in denen er in seiner Wohnung allein auf- und ablief und Vleutz beschimpfte. Immer wieder nächtliche Gespräche im Treppenhaus: Der braucht nur Prügel, wenn uns niemand hilft, müssen wir selbst. Ihn hindern, dass. Wenn ich Geld hätte, würde ich.