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1. Notstand (S. 5-6)
»Schau dir das an«, sagte Ronald Tekener. »Das sind keine Städte mehr, das sind Festungen.« Die PETRALONA, ein Beiboot der TRAJAN, stand im Orbit des Planeten, der das Ziel ihrer kurzen Reise darstellte. Auf Mawego hoffte Tek auf eine bedeutende Entdeckung. Seiner Einschätzung nach standen die Chancen dafür ausgezeichnet – und meistens fuhr der Smiler gut damit, seinem Gefühl zu vertrauen. In dem kleinen Besprechungsraum am Rand der Zentrale musterten Tekener und sein kleiner Begleiter die Aufnahmen der Planetenoberfl äche, die von den Ortern in Realbilder verwandelt wurden. »Es sind Festungen, die mir keinerlei Respekt einflößen.«
Senego Trainz, der Anführer der Mikro-Bestien, schien den kantigen Geschützforts und hoch aufragenden Wällen keine Aufmerksamkeit mehr zu widmen, sondern betrachtete die Orterergebnisse, die in Form von Datenkolonnen über das kleine Display liefen, das er in der Hand hielt.
»Wenn nötig, werden wir sie stürmen und zerstören.«
»Nicht so voreilig! Sowohl die Dron als auch die Hasproner gehören zum Galaktikum. Sie sind nicht unsere Feinde.«
»Dann ist es also üblich, dass die Mitgliedsvölker des Galaktikums aufrüsten und Heerscharen von Soldaten auf Planeten schicken, die weder zum einen noch zum anderen Sternenreich gehören?« Humor, dachte Tek. Das ist eine Eigenschaft, die ich bislang weder bei Trainz noch bei irgendeiner anderen Mikro-Bestie als besonders prägend ausgemacht habe. Er zoomte einen Teilbereich des Holos näher heran. Tatsächlich – er hatte sich nicht getäuscht. Eine ganze Armada voll ausgerüsteter Kampfgleiter parkte am Rand eines Wüstengebiets.
»Sagen wir es so – ich komme mir nicht gerade vor, als blicke ich auf eine Welt, die zu einem friedlichen Sternenbund gehört.«
Senego Trainz maß gerade einmal 22 Zentimeter; trotz seiner bulligen Statur und den drei glühend roten Augen im glänzenden Schädel, die ihn eindeutig als die Miniaturausgabe eines Haluters defi nierten, wirkte er alles andere als furchterregend. Beging jedoch ein Feind den Fehler, Trainz oder eine andere Mikro-Bestie zu unterschätzen, konnte er dies sehr schnell mit dem Leben bezahlen. Nicht umsonst hatten sie innerhalb der Terminalen Kolonne TRAITOR als
»Assassinen des Chaos« einen furchtbaren Ruf gehabt.
Trainz’ rechte Schädelseite bestand – im Gegensatz zum sonstigen pechschwarzen Äußeren – aus schneeweißer Haut, die von nässenden Narben und Geschwulsten bedeckt war. Auch die Gliedmaßen der rechten Körperhälfte waren von dicken Narben bedeckt. Ein einziger Blick genügte, um Trainz als Veteran zahlloser Kämpfe zu identifi ieren. Wo und wie genau er sich die schrecklichen Verletzungen zugezogen hatte, darüber schwieg er.
»Eine friedliche Welt«, sagte die Mikro-Bestie, »um die sich sowohl Kampfschiffe der Dron als auch der Hasproner sammeln. Eine Aufrüstung ersten Grades wie aus dem Lehrbuch.«
»Es ist bislang kein einziger Schuss gefallen. Und das wird es auch nicht.« Trainz tippte auf den Sensorfeldern des kleinen Displays. »Bist du dir sicher, Ronald Tekener?
« Mit einem Schub seines Flugaggregats surrte er in die Höhe und landete auf der Armlehne von Teks Sessel.
»Insgesamt sind am Systemrand mehr als eintausend Raumschiffe stationiert. Das genügt, um ganze Planeten zu zerbomben. Von Mawego würde nichts übrig bleiben, wenn ...«
»Wir befinden uns mitten im Bereich des Galaktikums!«, entgegnete der Smiler.
»Weder die Dron noch die Hasproner werden hier einen Krieg beginnen. Sie liegen in einem Konfl ikt, sie plustern sich zu Drohgebärden auf – mehr nicht.«
»Worum streiten sie sich? Etwa um diesen Planeten? Er ist unbedeutend. Für die Dron ein Ruheplanet für Veteranen. Die Hasproner haben einen Handelsbeauftragten geschickt, weil irgendwelche Waren ...« »Das ist mir bekannt!« Tek fixierte die kleinen Augen seines Gegenübers.
»Ich habe die Daten über diesen Planeten genauso durchgeackert wie du.«
Er war gelinde verwundert darüber, dass Trainz über die Hintergründe diskutieren wollte; er war eine charismatische Führerfi gur für die Mikro-Bestien, und wenn nötig, plante er auch die Details eines Kampfeinsatzes – aber allgemeinpolitische Hintergründe zur Gesamtlage in der Galaxis gehörten nicht gerade zu seinen Stärken. Oder doch? Je länger der Smiler nachdachte, umso mehr wurde ihm bewusst, wie wenig er im Grunde genommen über Senego Trainz, den Anführer der wohl schlagkräftigsten Truppe im Dienst der USO, wusste. Das Rätsel um seine Verletzungen und Narben bildete in dieser Hinsicht nur die Spitze des Eisbergs.
»Sieh es als Herausforderung an«, schlug er vor. »Im besten Fall werden wir nicht nur diesen lokalen Konflikt beenden, sondern zugleich das entdecken, weswegen wir die Reise hierher überhaupt erst angetreten haben.« »Den Polyport-Hof, den du hier vermutest.«
»Den verborgenen Hof«, bestätigte Tekener.
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