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Hände weg!? - Warum man die Bibel nicht lesen sollte - und warum doch.

Hände weg!? - Warum man die Bibel nicht lesen sollte - und warum doch.

von: Joachim Kügler

Echter Verlag GmbH, 2001

ISBN: 9783429032005, 137 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 8,99 EUR

Ersparnis: 0,91 EUR

  • Trotzdem Lehren
    Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts
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Mehr zum Inhalt

Hände weg!? - Warum man die Bibel nicht lesen sollte - und warum doch.


 

Die Bibel ist … (S. 13)

… nichts für normale Leser/-innen!

Wenn wir ein Buch in die Hand nehmen, das nur einen Text enthält, etwa einen Roman, dann wissen wir, dass es sinnvoll ist, mit dem Lesen am Anfang anzufangen und am Ende aufzuhören. Natürlich haben wir die Freiheit, in derMitte anzufangen, nach einigen Kapiteln zurückzuspringen, manche Teile mehrmals zu lesen und andere gar nicht.

Der Text kann sich dagegen nicht wehren, er ist uns Lesenden hilflos ausgeliefert. Aber wir gehen damit das Risiko ein, dass sich uns vieles imText nicht erschließt, weil er so erzählt ist, dass man ihn eigentlich linear lesen sollte.Wer bei Agatha Christie die Stelle verpasst, wo Poirot denMörder enttarnt, verpasst Entscheidendes.

Umgekehrt nützt es auch nicht viel, die Enttarnung zu lesen und nicht zu wissen, wer vorher eigentlich ermordet wurde. Ein wichtiger Grund nun, warumman die Bibel nicht lesen sollte, liegt darin, dass sie im Grunde kein Buch in diesem Sinne ist.

mehr als ein Text

Schon der Name „Bibel" ist eigentlich ein Plural. Das Wort kommt nämlich vom griechischen „biblia", was „Bücher" bedeutet. Trotzdem ist die Bibel aber auch nicht nur eine Art Buchladen, wo die einzelnen Bände beziehungslos nebeneinanderstehen.

Vertreter der Kanonischen Bibelauslegung („Canonical Approach") betonen seit einiger Zeit energisch, dass die Bibel nicht nur eine Textsammlung ist, sondern wirklich ein sinnvolles Ganzes darstellt und auch so zu lesen ist. Und das stimmt auch, aber eben nur in einem bestimmten Sinn und nur innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaft.

Die hebräische Bibel von Juden und Jüdinnen hat z.B. weniger Bücher als das, was die christlichen Kirchen „Altes Testament" nennen.2 Und auch die Reihenfolge der Bücher ist teilweise anders. Sogar zwischen dem Alten Testament der katholischen-orthodoxen und demder protestantischen Tradition gibt es Unterschiede.

So ist zum Beispiel das „Buch der Weisheit" (auch „Weisheit Salomos" oder „Sapientia Salomonis" genannt) in der katholischen Bibel ein selbstverständlicher Bestandteil des AltenTestaments, während es in einer lutherischen oder reformierten Bibelausgabe entweder fehlt oder den „deuterokanonischen", also zweitrangigen Schriften zugeordnet wird.

Das bedeutet, dass im Grunde jede Konfessionsfamilie ihren eigenen Text hat und damit einen – wenn auch vielleicht nur geringfügig – unterschiedlichen Zugang zur Offenbarung.

mehr als ein Erzählfaden

Freilich, in der Regel haben wir eine bestimmte Übersetzung in der Hand, bewegen uns also innerhalb des Kanons einer Konfession (oder Konfessionsfamilie) und denken nicht groß darüber nach, dass es auch andere Formen der Bibel gibt.

Auch dann sollteman sich aber darüber imKlaren sein, dass das kein Text ist, der einfach linear zu lesen ist wie ein Roman.Natürlich ist es sinnvoll, am Anfang zu beginnen, weil der Beginn der Bibel ja tatsächlich vom Uranfang handelt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde…" (Genesis 1,1).

Aber die fortlaufende Lektüre wird doch spätestens dann schwierig, wenn man zu den beiden Büchern der Chronik kommt und einem die ganze Story, die man inzwischen kennt, nun –mit einigenVariationen – noch einmal erzählt wird.