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Das Kreuz kam zu mir (S. 10)
Ich war frisch im Orden und wurde zum Praktikum der Krankenhausseelsorge nach Leipzig geschickt. Beim Gehen von Zimmer zu Zimmer entstand ein Kontakt zu einem Mann, der entlassen werden sollte. Ein einfacher Mann, lange arbeitslos, unreligiös und seit kurzem wieder mit einer Arbeit als Totengräber.
Am Tag seiner Entlassung traf ich ihn zufällig auf dem Flur, er trug schon den Koffer in der Hand. »Gut, dass ich Sie noch treffe, das will ich Ihnen schenken.
Es hing bei mir in der Küche, aber Sie sollen es jetzt haben «, sagte er, verabschiedete sich und war weg. Es war ein Kreuz, ich schätze Massenproduktion, mit einem einst vergoldeten Jesus, der schon lange nicht mehr glänzte.
Ehrlich: Ich wollte es eigentlich nicht annehmen, stimmte aber aus Höflichkeit doch zu, hängte es an einen zufällig freien Nagel in meinem Zimmer und vergaß es erst einmal.
Ein paar Tage später blickte ich auf das Kreuz und fragte mich: Warum schenkt dir dieser Mann ein Kreuz? Blitzartig durchfuhr es mich: Zum ersten Mal in meinem Leben kommt das Kreuz zu mir. Sonst gehe immer ich zum Kreuz.
Nein, dieses eine Mal kommt es zu mir, völlig überraschend. Ich erschrak zutiefst und erlebte einen Ruck, der mich aufstehen ließ. Wenn ich mich verändern und bewegen lasse, über mich hinausgehe, steht in mir etwas auf, oder wenn ich die Angst vor einer unbekannten Situation überwinde.
Sagte nicht Jesus selbst zu vielen Kranken, noch bevor er sie heilte: »Steh auf!« Mich ließ dieses Kreuz aufstehen.
Holger Adler SJ, Hamburg, geb. 1970
Sein liebevolles Ja
Ein Wort, das mich seit meiner Priesterweihe begleitet und mit den Jahren eine immer reichere Bedeutung erfahren hat, finde ich bei Paulus: »… in Ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat« (2 Kor 1,19f.).
In der schwedischen Bibelübersetzung heißt es fast noch stärker: »In Ihm gibt es nur das Ja.« In Ihm gibt es nur ein Ja zu seiner Schöpfung und vor allem zu uns Menschen. Für mich persönlich heißt das: In ihm gibt es nur ein liebevolles, zärtliches Ja zu meiner Existenz, und zwar von Ewigkeit her. Er hat mich ganz einzigartig erschaffen.
Sein Ja führt ihn dazu, Mensch zu werden, um so die Gemeinschaft mit mir und mit uns mit einer neuen Qualität zu versehen. Er wird so zu einer liebevollen Bejahung auch gegenüber meiner Gebrochenheit, Armut, Scham, meinen Wunden, meiner mangelnden Liebe. Diese Bejahung führt ihn bis ans Kreuz.
Dieses Ja seines Herzens hat mein Herz berührt. Er hat mich ergriffen, um mich immer mehr, wie ich hoffen darf, an sich zu ziehen. Im Mittelpunkt meines Lebens steht der Versuch, sein Angebot anzunehmen und meinerseits mit einem liebevollen Ja zu antworten.
Am wirklichsten scheint er für mich in seinem Ja da zu sein in der Eucharistie, in der Nächstenliebe und im einsamen Gebet vor dem Kreuz. Da finde ich mich in seiner Anwesenheit. Er schaut mich mit seinem lächelnden Gesicht an, und ich darf ihn anschauen.
Bengt Almstedt SJ, Stockholm, geb. 1965
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