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Lateinisch-griechisch-arabische Begegnungen - Kulturelle Diversität im Mittelmeerraum des Spätmittelalters (Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik, Band 15)

Lateinisch-griechisch-arabische Begegnungen - Kulturelle Diversität im Mittelmeerraum des Spätmittelalters (Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik, Band 15)

von: Margit Mersch, Ulrike Ritzerfeld

Akademie Verlag GmbH, 2009

ISBN: 9783050046648, 337 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 62,80 EUR

Ersparnis: 7,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Lateinisch-griechisch-arabische Begegnungen - Kulturelle Diversität im Mittelmeerraum des Spätmittelalters (Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik, Band 15)


 

Kulturelle Diversität im Mittelmeerraum des Spätmittelalters (S. 9)

Margit Mersch

In jüngerer Zeit verstärkt sich in der Mittelalterforschung die Auffassung von Europa als einem Begegnungsraum der drei monotheistischen Weltreligionen mit einem multikulturellen Erscheinungsbild. Dies trifft insbesondere auf den Mittelmeerraum zu. In Teilen Spaniens, Süditaliens, Griechenlands, des Balkans, der Levante und auf den großen Mittelmeerinseln teilten über Jahrhunderte hinweg Gruppen mit verschiedener Sprache und Religion dasselbe Territorium und darüber hinaus oft auch gemeinsame Erfahrungen im sozialen, kommerziellen oder religiösen Alltag.

Juden bildeten in allen Regionen maßgebliche Minderheiten. In Süditalien bewahrten zahlreiche griechischsprachige orthodoxe Christen über Jahrhunderte ihre kulturelle Identität unter lateinischer Vorherrschaft. Auch kleine Gruppen von Muslimen konnten sich in Süditalien und Sizilien sowie auf Mallorca und Malta halten.

Im östlichen Mittelmeer stellten weitgehend koloniale Machtsituationen die Rahmenbedingungen. Die französischen Fürsten und Herzoge von Morea und Athen, die Venezianer als Herren von Kreta, Korfu und Euböa (Negroponte), die Lusignans auf Zypern und die Genuesen in Galata/Pera sowie Chios implementierten lateinische Kulturenklaven in die byzantinische Welt.

Zugleich führten sowohl die zeitweiligen Eroberungen der Kreuzfahrer im Hl. Land als auch langfristige intensive Handelsbeziehungen zu kulturellen Anleihen und Importen aus den arabisch-islamischen Kulturen, die insbesondere das Erscheinungsbild der Hafenstädte des Mittelmeeres veränderten.

Im byzantinischen (Rest-)Reich bestanden weitreichende und intensive Kontakte zu Mongolen, Seldschuken, Ayyubiden und Mamluken ebenso wie zu italienischen Fürsten und Händlern, weshalb Byzanz auch nach dem lateinischen Kaiserreich (1204–1261) wichtiger Knotenpunkt eines politisch und kulturell bedeutenden Netzwerkes blieb.

Die kurze und unvollständige Zusammenstellung zeigt, dass es sich bei der Multikulturalität des Mittelmeerraums um ein komplexes Phänomen handelt. Zum einen kann die kulturelle Diversität der Gruppen an der Religion festgemacht werden, zum anderen an der Sprache, beide Differenzfaktoren können, müssen aber nicht gemein- sam auftreten. Sie können des Weiteren einhergehen mit ethnischen und/oder politischen Identitätsdefinitionen.

Bei all dem sind soziale Gruppierungsmechanismen, die nicht selten quer zu den kulturellen und politischen Differenzen verlaufen, nicht berücksichtigt. Wenn wir von lateinischen, griechischen und arabischen Begegnungen im Mittelmeerraum sprechen, dann werden damit vermutlich Assoziationen zur lateinischen, griechischen und arabischen Sprache hervorgerufen, aber auch zur römisch-lateinischen Kirche, zur griechisch-orthodoxen Kirche und zum Islam, zu Rom, Byzanz und Granada und ebenso zu diffusen kulturellen Zuschreibungen, die hauptsächlich die jeweilige visuelle Kultur betreffen: etwa Gotik, Ikonen und Arabesken.

Diese gemeinhin analog oder gar als zusammengehörig assoziierten Grenzziehungen sind aber kaum jemals alle in Übereinstimmung miteinander vorzu.nden. Weder im Mittelalter noch heute haben wir es mit Begegnungen von ‚Kulturblöcken‘ zu tun, sondern mit komplexen Verflechtungen (von Akteuren wie Strukturen) auf unterschiedlichen Ebenen.

Vor allem aber kann es große Schwierigkeiten bereiten, in einer inter- oder transkulturellen Kontaktsituation die jeweiligen bedeutsamen Differenzfaktoren aus.ndig zu machen. Spielten etwa für die römisch-lateinischen Christen als Angehörige der ‚fränkischen‘ Okkupationsmacht und die indigenen griechisch-orthodoxen Christen in Zypern im alltäglichen Zusammenleben die Sprachunterschiede, Religionsfragen, der soziale bzw. der rechtliche Status oder politische Differenzen eine größere Rolle?

Vermutlich wechselte die Relevanz der jeweiligen Aspekte in den unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen: auf dem Markt, bei Hofe, in der Kirche etc.