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Notfallpsychologie und Trauma-Akuttherapie

Notfallpsychologie und Trauma-Akuttherapie

von: Gaby Gschwend

Verlag Hans Huber, 2004

ISBN: 9783456940885, 101 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 14,95 EUR

Ersparnis: 2,00 EUR

  • Inter- and intragenerational economic mobility - Germany in international comparison
    Islamisches Familienrecht - Methodologische Studien zum Recht malikitischer Schule in Vergangenheit und Gegenwart, Band 1
    Einführung in die Studiengangentwicklung
    Meer, du berührst meine Seele - Ein maritimes Lesebuch
    Kompetenzorientierung und Leistungspunkte in der Berufsbildung
    Die handlungsorientierte Ausbildung für Laborberufe / Prüfungsvorbereitung - Aufgaben und Lösungen
    Lehrerbildung in Gewerblich-Technischen Fachrichtungen
    Odem des Todes - Phantastik Anthologie
  • Lernen und Bildung Erwachsener
    Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
    Lippenstift und Motoröl - Eine Untersuchung zur Technologiekompetenz weiblicher Auszubildender am Beispiel der Kraftfahrzeugmechatronikerinnen
    Sherlock Holmes - Der verwunschene Schädel
    Moderne Berufsstrukturen in der Elektroindustrie - Der zweijährige Ausbildungsberuf Industrieelektriker/-in
    Beratungs- und Serviceangebote für die Nachqualifizierung - Instrumentarien, Methoden und Praxiserfahrungen
    Lokale Infrastruktur für alle Generationen - Ergebnisse aus dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser
    Evangelisch-Lutherische Kirchenagende - Die Konfirmation
 

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Notfallpsychologie und Trauma-Akuttherapie


 

5. Trauma-Akuttherapie (S. 51-52)

5.1 Inhalte

Die dritte Ebene der Intervention betrifft längst nicht mehr alle traumatisierten Menschen und besteht in einer eigentlichen akut-psychotherapeutischen Betreuung. Akuttherapie ist definiert und begrenzt durch:

• die Indikation:akute Belastungsstörung und (akute) PTBS
• therapeutische Ziele:begrenzt. Symptommilderung bzw. -befreiung/umschriebene Belastungssymptome.
• zeitlich:übersteigt im Allgemeinen nicht mehr als 10 bis 20 Sitzungen.

Sie ist also in erster Linie und idealerweise angezeigt und ausreichend bei einmaligen, abgegrenzten, auch eher «nicht-persönlich gemeinten» traumatischen Ereignissen wie z. B. einer Naturkatastrophe, die psychisch relativ stabile Personen in einem relativ stabilen sozialen Rahmen betreffen.

Dazu ein Beispiel:

Herr J. ist bei einem Raubüberfall an seinem Arbeitsplatz mit einem Messer angegriffen aber nicht körperlich verletzt worden. Fünf Wochen danach leidet Herr J. noch immer an schwerer Schlaflosigkeit, Albträumen, Panikanfällen und flash - back-Erlebnissen, die es ihm fast unmöglich machen, zu arbeiten. Er hat aber vorher nie traumatische Erfahrungen gemacht, und auch seine jetzigen Lebensumstände weisen keine weiteren destabilisierenden Faktoren auf (harmonische Ehe, gesicherter Arbeitsplatz, gute und unterstützende soziale Verhältnisse), sondern sind im Gegenteil wertvolle Ressourcen. Auch ist Herr J. von ansonsten stabiler Persönlichkeitsstruktur. In einem solchen Falle ist eine psycho - therapeutische Akuttherapie wahrscheinlich gut und hinreichend, und so war es auch bei Herrn J., der sich nach acht Sitzungen «wieder gesund» fühlte: Er hatte die innere Gewissheit: «Jetzt ist es wirklich vorbei.» In anderen Fällen ist, bei ähnlicher Ausgangssymptomatik, eine Trauma- Akuttherapie allein wohl nicht indiziert oder ausreichend.

Frau Z. wurde von ihrem Lebenspartner brutal zusammengeschlagen. Seitdem leidet sie an Angstund Panikattacken, massiven Schlafstörungen und immer wiederkehrenden flashback-Bildern des Geschehenen. Das sind, wie bei Herrn J., typische reaktive Symptome auf das akut Geschehene. Nun ist dies aber nicht die erste Erfahrung solcher Art, die Frau Z. machte: In ihrer Biografie gab es schon einen schlagenden Stiefvater, eine Vergewaltigung mit 15 Jahren und bereits eine andere Partnerschaft, in der sie geschlagen wurde. Hier, wie in vielen anderen Fällen leider auch, handelt es sich um mehrfache und verflochtene Formen traumatogener Einflüsse mit komplexen Folgen für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgeschichte der Betroffenen, die in einer Akuttherapie allein sicher nicht angemessen behandelt werden können. Im Rahmen der psychotherapeutischen Akuttherapie gelten die normalen Richtlinien eines psychotherapeutischen Settings und, anders als in der Notfallsituation, auch «kontrollierte Bedingungen» wie z. B. eine begrenzte Sitzungszeit.

Solche Therapien können/sollten nur von psychologischen oder medizinischen Psychotherapeuten mit entsprechenden Zusatzausbildungen im Trauma-Bereich durchgeführt werden, in Akutfällen oft in ergänzender Zusammenarbeit mit Ärzten, Juristen und sozialen Institutionen, die die «außerpsychologische», d. h. die körperliche, soziale und juristische Betreuung wahrnehmen. Die Therapie sollte von einem anderen Therapeuten durchgeführt werden als jenem, der u. U. schon Betreuer in der Notfallsituation war. Dies ist für beide Seiten, Therapeuten und Betroffene, sinnvoll. Das Argument für eine Weiterführung der Betreuung bei derselben Person über die Notfallsituation hinaus lautet häufig, dass sich ja schon ein Vertrauensverhältnis aufgebaut habe, das man weiter «nutzen» sollte. Dem ist entgegenzuhalten, dass eine anschließende Psychotherapie durch dieses eben speziell geprägte Verhältnis auch schwieriger wird und sich möglicherweise kontraproduktiv auswirkt. Der psychologische Helfer nimmt im therapeutischen Rahmen eine «andere Identität» an, z. B. lässt er sich nicht mehr, wie im Chaos der Notfallsituation, duzen. Tut er es doch, gibt es andere Probleme. Es gibt andere Strukturen, andere Grenzen, eine andere Beziehung als in der Notfallsituation selbst. Die Opfer sind verwirrt und empfinden die neuen Bedingungen leicht als Zurückweisung. Die Durchführung einer Akutpsychotherapie durch den psychologischen Betreuer in der Notfallsituation unterstützt auch die ohnehin vorhandene Regressionsneigung der Betroffenen.