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Ich hab die Unschuld kotzen sehen 3 – Track 4

Ich hab die Unschuld kotzen sehen 3 – Track 4

von: Dirk Bernemann

UBooks Verlag, 2009

ISBN: 9783866086142, 19 Seiten

Format: ePUB

Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild

Preis: 1,99 EUR

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Mehr zum Inhalt

Ich hab die Unschuld kotzen sehen 3 – Track 4


 

Ich komme da an. Gehe da runter. Öffentlicher Proberaum. Es riecht ein wenig nach Fäulnis, wie wenn jemand zwei Kilo Orangen mit Absicht irgendwo verfaulen ließe. Treppenabgang. Kühler Keller, behaglich feucht, ruhig und kalt. Fluchtpunkt, um zu vergessen, Gedanken zu machen und zu verwerfen. Alkohol, Nikotin, kleine Zwischenmahlzeiten. Meine Wahrnehmungsorgane lassen alles rein, und es ist wie ein Nachhausekommen, nachdem man einen beschissenen Arbeitstag hatte. Man schmeißt die Post irgendwohin, geht zum Kühlschrank und das erste Bier ist wie ein nasser Waschlappen im Gesicht des Fiebernden. Ich gehe angstfrei umher. Ich kenne den Weg. Aus einigen anderen Räumen dringt fieses Geschepper von Schlagzeugern, die ihr Zeug schlagen, garniert mit verzerrten Gitarren, und überall wird gebrüllt. Ich will nicht mehr angeschrien werden.

Wir sind keine Freunde, die anderen und ich. Wir machen nur Musik zusammen; nur das, das ist alles; ich weiß auch nicht, ob die anderen beiden untereinander befreundet sind, und ich denke manchmal auch, mir ist zu viel egal, aber diese Anonymität, diese miese Beziehungslosigkeit zur Welt und ihren Bewohnern zieht immer weitere Kreise. Die Jungs sind nur Instrumente, ich habe sie nur eingesetzt, sie sind ersetzbare Gegenstände, die ihrerseits Instrumente bedienen. Wir begrüßen uns per Augenkontakt, ritualisiert, genauso ritualisiert wie der Abschied, da umarmen wir uns immer, und ich weiß auch gar nicht, warum eigentlich; warum schenke ich Menschen Umarmungen, die mir an und für sich egal sind? Sie komplettieren doch nur die Geräuschkulisse, die ich mir ausgedacht habe. Wir beginnen und ich beginne einen Gedanken, während ich meine Gitarre für einen weiteren Kampfeinsatz vorbereite.

Hier kann ich sein. Ich bin ein Mensch. Ich atme und bin. Ich bin ein zufälliger Zellhaufen, der jetzt in einer Art Autopilothaltung eine Gitarre in den für einen über Dreißigjährigen doch recht kleinen und unbenutzten Händen hält. Und zwar in der Art, wie Rockstars eine Gitarre festhalten und nicht wie es Musikschüler tun. Das Ding baumelt in Höhe meiner Oberschenkel. Der Verstärker ist aktiviert. Leise knistert zärtlich Feedback, das Geräusch einer elektronischen Welle nachahmend; ja, wäre der Ozean Strom, er würde klingen wie Gitarrenfeedback.