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Immanuel Kant - Vernunft und Leben

Immanuel Kant - Vernunft und Leben

von: Volker Gerhardt

Reclam, 2004

ISBN: 9783159503028, 381 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 7,50 EUR

Ersparnis: 1,10 EUR

  • Zwischen Formation und Transformation - Die Religionen Europas auf dem Weg des Friedens
    Totenmesse - Thriller
    Die Odyssee des Fälschers - Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand
    Todesahnung - Thriller
    Sag Fuck It! - Kleines Buch, große Wirkung
    Der sterbende Detektiv - Roman
    Trenn Dich schlank - Abnehmen mit Trennkost für eine Person
    Der wunde Punkt - Roman
  • Katechetische Blätter. Zeitschrift für Religionsunterricht, Gemeindekatechese, Kirchliche Jugendarbeit, Heft 4/2004
    Die Blüte des Eukalyptus - Roman
    Eine Szene im Theater der Unendlichkeit - Max Beckmanns Dramen und ihre Bedeutung für seine Bildrhetorik
    Glaubensgenossen in Not - Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Hilfe für aus rassischen Gründen verfolgte Protestanten. Eine Dokumentation
    Der Hebammenkreißsaal - Ein Versorgungskonzept zur Förderung der physiologischen Geburt
    Gipfeltreffen 4 - Ein Buch zum Nachlesen und Nachgehen
    Sprachkritik in der Schule - Theoretische Grundlagen und ihre praktische Relevanz
    Migrations- und Integrationsforschung – multidisziplinäre Perspektiven - Ein Reader
 

Mehr zum Inhalt

Immanuel Kant - Vernunft und Leben


 

2. Ein Leben für das Werk (S. 62-63)

Das Abenteuer des Erkennens
Die Lebensgeschichte des Immanuel
Kant ist schwer zu beschreiben. Denn er
hatte weder Leben noch Geschichte.
(Heinrich Heine)


1. Abenteuer der Existenz. Es ist eine unter Kennern weit verbreitete Meinung, dass sich über Kant keine »spannende Biographie« schreiben lasse. Denn sein Leben, so heißt es, sei »gleichmäßig und einförmig« verlaufen (Höffe, 1983, 19). Das ist eine zutreffende Bemerkung, wenn wir Spannung vom Wechsel der Orte und der Positionen abhängig machen. Aber kann es dann auf dieser Erde überhaupt etwas Spannendes geben? Muss nicht ein Kosmonaut alle Zurückgebliebenen für Nesthocker halten? Wissen wir nicht längst, dass sich die wahren Abenteuer im Kopf ereignen? Was sind die Flugkilometer eines Piloten gegen einen Spaziergang auf dem Mauerstreifen oder gegen einen ungestörten Blick auf den bestirnten Himmel über uns?

Bedenken wir nur, was Kritiker dem anfangs kaum lebensfähigen, stets klein und schwächlich gebliebenen Immanuel Kant an inneren Spannungen, an Ausschweifungen der Phantasie, an exzessiven Verdrängungen und – bei alledem – an eiserner Willenskraft zuschreiben, dann wandelt sich das Bild: Das in dem vermeintlich so idyllischen Königsberg anscheinend so gleichförmig verlaufende Leben ergibt ein Psychogramm aus stärksten Gegensätzen. Mit einem Mal wirkt das so gleichmütig und heiter erscheinende Porträt des Philosophen wie eine Maske, hinter der einer sein wahres, von Ehrgeiz, genialischem Anspruch, polemischer Lust, satirischem Schalk, chinoiser Höflichkeit und schrecklich enttäuschtem Liebesverlangen dauerhaft verzerrtes Gesicht verbirgt.

Selbst der kenntnisreiche Verfasser der ersten wirklich kritisch nach den Quellen gearbeiteten Biographie spricht von Kant als einem deadpan – einem Mann mit der Maske eines Toten, einem »Pokerface« (Kuehn, 2001, 64). Nehmen wir hinzu, dass Königsberg damals alles andere als eine Idylle war und dass die den religiösen, ethnischen, militärischen, ökonomischen und technischen Veränderungen besonders krass ausgesetzte, in wenigen Jahren von der Mitte an den Rand gedrängte alte Hauptstadt Preußens eine Stadt in der Krise, mindestens in starkem Wandel war, dann erkennen wir im Urteil über das gleichförmig ereignislose Leben des Philosophen nichts als eine Gedankenlosigkeit.

Bei Heinrich Heine, der vielleicht den größten Anteil an der Legende von der monströsen Philisterhaftigkeit des Königsberger Philosophen hat, kommt die Selbstverteidigung des vagabundierenden Dichters hinzu, der stets geneigt ist, die Sesshaften verächtlich zu machen. In diesem, bloß die äußere Bewegung zum Kriterium erhebenden Urteil schließt der umhergetriebene Nietzsche sich Heine an. Und so hält sich bis heute der Verdacht, der »Chinese von Königsberg« habe deshalb auf das »Ding an sich« nicht verzichten können, weil er im Grunde ohne eigenes Leben war.