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"Neuntes Gebot Du sollst die Menschen lieben (S. 117-118)
Montagmorgen, 9:35 Uhr. Sie sitzen am Schreibtisch und nippen an einem Cappuccino. Da klingelt Ihr Telefon, und auf dem Display leuchtet Ihnen das Wort »CHEF« entgegen. Gut gelaunt nehmen Sie ab. »Schulte.« »Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Schulte, Ihr Chef hier. Wie geht’s Ihnen? Hatten Sie ein schönes Wochenende?«
»Morgen, Chef, und danke: ja. Es war mal wieder traumhaft. Am Freitagabend habe ich mit meiner Frau einen Krimi gesehen, dabei haben wir uns Popcorn in der Mikrowelle gemacht …« »Das mit dem Buttergeschmack, das Sie so mögen?« »Ja, genau, Chef. Am Samstag konnten wir allerdings nicht so richtig ausschlafen, weil die in der Wohnung über uns schon um halb neun den Staubsauger anwerfen mussten!« »Die Behringers über Ihnen? Oh nein, Herr Schulte! Das tut mir aufrichtig leid für Sie. Dabei hatten Sie doch erst letztes Wochenende die lauten Handwerker im Treppenhaus …«
»Halb so schlimm, Chef. Wir sind dann zum Brunch gegangen und anschließend raus in die Berge gefahren. Ich habe meine neue Digitalkamera ausprobiert und fast vierhundert Fotos geschossen. Und stellen Sie sich vor: Jedes einzelne davon ist ein kleines Kunstwerk geworden!« »Wirklich? Mensch, das ist ja toll! Kommen Sie doch gleich mal in mein Büro, dann schauen wir uns die gemeinsam bei einem Glas Sekt an. Ich habe von meiner Frau noch eine Flasche hier stehen und zufällig gerade vier Stunden Zeit. Was meinen Sie? Ach, und fast hätte ich’s vergessen: Dürfte ich Sie bitten, Ihren Entwurf für die Sitzung heute Nachmittag mitzubringen?«
»Bin schon auf dem Weg, Chef, bis gleich!« »Bis gleich, Herr Schulte, hat mich sehr gefreut!« Nennen wir dieses Gespräch das »Sektfrühstück«. Vergleichen Sie damit nun das folgende Gespräch, das wesentlich kürzer ausfällt: »Schulte.« »Kommen Sie mal mit dem Entwurf rüber?« »Ja, Chef, soll ich auch noch …?« »Tut, tut, tut …« Auch dieses Gespräch fand an einem Montagmorgen um 9:35 Uhr statt, auch dieses Gespräch war der erste Kontakt der beiden Gesprächsteilnehmer an diesem Morgen, in dieser Woche. Nennen wir dieses Gespräch »Tut, tut, tut«."
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