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ABC-Modul (S. 80-81)
Architektur des GehirnsDiese etwas eigenartige Formulierung soll daran erinnern, daß das Gehirn in der Zeit der Reifung im Mutterleib systematisch „aufgebaut“ wird (s. auch „V“, Seite 116). Dabei ist der Bauplan für beide Geschlechter zunächst gleich. So wölbt sich z. B. über der weißen Zellmasse ein vielfach gefaltetes Rindenhirn, der sogenannte Cortex, dem man intelligente Prozesse zuerkennt – das sind die berühmten „grauen (Nerven-)Zellen“.
Zwar geht man inzwischen davon aus, daß die weit größere weiße Masse der Glial-Zellen (glial = griechisch für Klebstoff) mehr leistet, als man früher annahm, aber für unsere Zwecke brauchen wir uns damit nicht zu befassen. Was in unserem Zusammenhang wichtig ist, ist folgendes: Bis ca. 1930 wußte man, daß Männer und Frauen anders sind. Nicht nur sehen sie anders aus (Körperbau, Muskelmasse, Fettverteilung), sie handeln und denken auch anders.
Einige dieser Unterschiede sind Schwerpunkte dieses Buches; ein Aspekt, über den wir im Buch nicht sprechen, ist ein wunderbares Beispiel für diese Unterschiede: Die Art, wie männliche und weibliche Wesen (inkl. Tiere, von den „hohen“ Primaten bis hin zu Ratten) sich orientieren, ist von dieser Gehirn-Architektur abhängig: Männchen und Männer orientieren sich gemäß einer mentalen Karte im Kopf (deshalb können sie Karten besser lesen als Frauen, vor allem, ohne sie auf den Kopf zu drehen, wenn sie nach Süden reisen wollen). Hören Sie Männern zu, die den Weg zu einem Treffpunkt beschreiben, dann „hören“ Sie die Karte (3 Kilometer nach Süden, dann nach Osten abbiegen, d. h. parallel zum Kanal, nach ca. 1 Kilometer nach Norden . . . ).
Weibchen und Frauen hingegen orientieren sich an sogenannten Orientierungspunkten in der Gegend: „Also, bis zum McDonalds fährst du geradeaus, dann links bis zu der großen Eiche, dort rechts, und an der weißen Mauer mußt du ganz scharf rechts abbiegen . . .“ Merke: Wenn die Gehirn-Architektur in einem bestimmten Punkt (z. B. Orientierung) männlich oder weiblich gepolt wurde, kann das Verhalten mit Hormonen zeitweise „temperiert“ werden, aber ohne Chemie ist das Verhalten nicht mehr zu verändern, d. h. nicht mit Verhaltens-Training, gutem Willen etc.
Babies werden angeschaut . . .
Hier ist das Ergebnis einer spannenden Experimentreihe, in der ganz kleine (einige Tage bis einige Wochen alte) Babies im Bettchen liegen. Wenn sie aufgewacht sind und sich neugierig der Welt zuwenden, werden sie von Erwachsenen angeschaut.Frage: Reagieren diese kleinen Jungen und Mädchen identisch oder unterschiedlich? Was glauben Sie?
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