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Die neue Weltwirtschaftskrise

Die neue Weltwirtschaftskrise

von: Paul Krugman

Campus Verlag, 2009

ISBN: 9783593407357, 249 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 21,20 EUR

Ersparnis: 3,70 EUR

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Die neue Weltwirtschaftskrise


 

Kapitel 6 Masters of the Universe (S. 142-143)

In den schlechten alten Zeiten, vor dem Siegeszug des Kapitalismus, war die Gestalt des bösen Spekulanten – des schwerreichen Übeltäters, der die Märkte zum Nachteil aller rechtschaffenen Arbeiter manipuliert – ein gängiges massenkulturelles Phänomen. Doch mit dem Niedergang des Kommunismus, dem Erfolg der Globalisierung und dem neu erwachten Vertrauen in die freien Märkte ereilte die Figur des bösen Spekulanten das Schicksal der Hexen und Hexenmeister: Ernsthafte Menschen vermochten solchem Hokuspokus nichts mehr abzugewinnen.

Niemand – außer ganz extremen Laisser-faire-Vertretern vielleicht – leugnete zwar, dass es mitunter zu Insidergeschäften kam oder dass ein Aktienkurs hier oder ein Rohstoffpreis dort manipuliert wurde. Doch derlei galt als Kavaliersdelikt, an Verschwörungstheorien der Art, dass das Schicksal ganzer Länder von den Finanztransaktionen einzelner Drahtzieher abhängen könnte, mochte niemand glauben – für so etwas hielt man die Märkte für viel zu groß. Insofern schien es einfach undenkbar, dass Einzelpersonen oder kleine Gruppen in der Lage sein könnten, den Währungskurs selbst einer nur mittelgroßen Volkswirtschaft nennenswert zu beeinflussen.

Doch da irrte man möglicherweise. Einer der bizarrsten Aspekte der Wirtschaftskrise der neunziger Jahre war die markante Rolle der sogenannten Hedge-Fonds. Dabei handelt es sich um hoch spekulative, auf makroökonomische Entwicklungen setzende Invest mentfirmen, die in der Lage sind, kurzfristig mit Summen zu operieren, die weit über das Einlagekapital hinausgehen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass solche Fonds den Weltmärkten hart zusetzten – im Erfolgsfall nicht weniger als im Fall des Scheiterns. Und in einigen Fällen zumindest hatte der böse Spekulant tatsächlich seine Finger im Spiel.

Hedge-Fonds: Was ist das eigentlich?

Hedge-Fonds haben mit »Hedging« (Kurssicherungsgeschäften) überhaupt nichts zu tun. Eigentlich tun sie genau das Gegenteil. Wer »Hedging« betreibt, versucht potenzielle Verluste durch kompensatorische Gegengeschäfte (Wetten, Anlagen und so weiter) abzudecken. Hedging soll also sicherstellen, dass Marktschwankungen das eigene Vermögen möglichst nicht mindern. Hedge-Fonds hingegen versuchen gerade die Marktschwankungen optimal für sich zu nutzen. Die typische Strategie dabei ist, Verkaufspositionen (das heißt das Versprechen, Wertpapiere oder Waren zu einem späteren Termin zu einem bestimmten Preis zu liefern) mit Kaufpositionen zu kombinieren. Gewinne ergeben sich, wenn a) die auf Baisse verkauften Werte im Kurs fallen (sodass der Verkäufer sich zum Erfüllungstermin günstiger eindecken kann, als er liefern muss) oder b) die gekauften Werte im Kurs steigen oder c) beides zusammenfällt.

Exkurs

Die Fachbegriffe »short« und »long« sind hier ziemlich wichtig und nützlich, deshalb einige Erläuterungen. Die Eröffnung von Kauf- oder Long- Positionen bedeutet, dass der Anleger versucht, von künftig steigenden Kursen oder Preisen zu profitieren. Dies ist also die Strategie des gewöhnlichen Investors, der Wertpapiere, Grundstücke/Immobilien oder sonstige Anlagewerte erwirbt (sogenannte Hausse-Spekulation). Bei Verkaufs- oder Short-Positionen (auch: »Leerpositionen«) hingegen spekuliert der Anleger auf fallende Kurse (sogenannte Baisse-Spekulation).

Um einen Baisse-Verkauf durchzuführen (also »short« zu gehen), leiht man sich zum Beispiel eine Aktie von ihrem Inhaber mit dem Versprechen der späteren Rückgabe und verkauft sie anschließend. Dies bedeutet, dass die Aktie zum Rückgabetermin (Erfüllungstermin) zurückgekauft werden muss. Der Baissier spekuliert also darauf, dass der Kurs der Aktie bis dahin fällt. In der Zwischenzeit aber kann er mit dem Erlös aus dem Verkauf frei wirtschaften, das heißt ihn anderweitig investieren.