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Paragraf 8 Anerkennung: Teilhabe statt Anreizung (S. 159-160)
Erfolg verdient Anerkennung. Nach dem Erfolg, hinterher, im Nachhinein. Erfolg ist immer gemeinsamer Erfolg, nie individueller Erfolg. Erfolg ist immer eine erbrachte Leistung, die in Relation zu sinnvoll vergleichbaren Leistungen anderer steht. Karotte-vor-die-Nase-halten, also der Versuch, mit Anreizen das Erreichen individueller, vorab fixierter Ziele zu stimulieren, ist ächtungswürdig und gehört unter Strafe gestellt. 22:30 Uhr, die Arbeit ist getan, die Sendung ist gelaufen.
Der Moderator der Talkshow kabelt sich ab, schüttelt dem Aufnahmeleiter die Hand und lädt seine Gäste auf einen Umtrunk einen Stock tiefer unter dem Studio ein. Dort treffen sich Redaktion, Tontechniker, Kameraleute, Leute von der Maske und der Requisite, Aufnahmeassistenten, Beleuchter, Regisseur und Regieassistenten, außerdem die Gäste mit Anhang. Es gibt Schnittchen, Sekt und Bier. Entspannung macht sich breit. Man ist sich einig: Eine verdammt gute Sendung war das. Spannendes, hochbrisantes Thema, Gäste mit Rückgrat, reibungsloser Ablauf und ein Moderator in Höchstform. Der Redaktionsleiter grinst, er klatscht den Moderator ab. Händeschütteln, Schulterklopfen, lachende Gesichter. Hier wird ein Erfolg gefeiert.
Was bringt Spaß bei der Arbeit? Garantiert nicht das Geld. Kein Mensch wacht morgens auf, räkelt sich und streckt sich und sagt sich: Aaaah, heute hab ich so richtig Lust, Shareholder-Value zu generieren! Heute mache ich die Inhaber noch ein Stück reicher und sichere mir meinen fetten Anteil davon! – Nein, das ist es nicht, was einen aus dem Bett treibt. Spaß macht es im Alltag, wenn du Teil eines guten Teams bist und gemeinsam etwas Herausragendes geleistet hast. Wenn die Teammitglieder stolz aufeinander sind. Man steht morgens auf und hofft, nette Leute zu treffen, spannende Projekte oder herausfordernde Aufgaben zu haben. Irgendeinen Durchbruch zu erzielen.
Heute packen wir’s! Unternehmen handeln davon, etwas gemeinsam zu unternehmen. Unternehmen bieten Aufgaben, die man nur zusammen mit anderen lösen kann. Das kitzelt unsere intrinsische Motivation heraus, entfesselt unseren Willen. Dieses Phänomen heißt Arbeit. Wenn man für sich alleine etwas macht, dann ist das ein Hobby. Das Kenzeichen von Arbeit ist, dass die Ergebnisse nicht für sich selbst, sondern für andere erbracht werden. Wenn man ein Bild malt, ist das keine Arbeit, man macht es nur für sich. Sobald man es verkauft, gibt es einen Kunden. Dann hat man etwas für andere geleistet. Dann ist das Malen mehr als das Aufbringen von Farbe auf Leinwand, dann ist es Arbeit.
Aaaah, heute hab ich so richtig Lust, Shareholder-Value zu generieren!
Nur wer etwas für andere leistet, verdient Geld. Hartz-IV-Empfänger bekommen auch Geld, aber sie verdienen es nicht. Deutschland ist eines der wenigen Länder auf der Welt, wo man legal Geld bekommt, ohne etwas für andere zu leisten. Man kann hier sogar vergleichsweise sehr gut leben, ohne zu arbeiten. De facto heißt das, dass die einen für die anderen mitarbeiten, denn die Transferleistungen müssen ja erst erwirtschaftet werden. Bemerkenswert ist, dass das in Deutschland ohne ernsthafte Störung des inneren Friedens funktioniert.
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