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1 Einführung (S. 1-2)
Jedes Produktionsunternehmen befindet sich in einem ständigen Wandel, der seit den 1980er-Jahren deutlich schneller geworden ist. Offensichtlich wird dies vor allem an der ständigen Verkürzung der Lebensdauer der Produkte am Markt. Dem Wettbewerbsdruck durch fernöstliche Unternehmen (hier insbesondere China) und zunehmend auch osteuropäische Anbieter begegneten die deutschen Unternehmen zum einen durch die Verlagerung von Teilen ihrer Produktion in Niedriglohnländer, zum anderen durch unterschiedliche methodische Ansätze und organisatorische Maßnahmen. Schlagworte wie CIM (Computer Integrated Manufacturing), JIT (Just in Time), TQM (Total Quality Management) und LP (Lean Production), oft als einzig denkbare Lösung der Probleme propagiert, verlieren schnell ihre anfängliche Faszination. Ob es mit der Fraktalen Fabrik [War93b], dem Business Reengineering [HC03], der Prozessorientierung [Eve956], der Mass Customization [Pil06] und der Digitalen Fabrik [Wes03] ebenso geht, bleibt abzuwarten. Eins ist jedoch insbesondere den Konzepten seit Beginn der 1990er-Jahre gemeinsam: die Ausrichtung des gesamten Unternehmens auf den Kunden und die konsequente Vermeidung von Verschwendung nach dem Vorbild des Toyota Produktionssystems [Spa03]. Daneben bestimmen jedoch weitere Randbedingungen die zukünftige Ausrichtung der Produktionsbetriebe, die Bild 1.1 zusammenfasst.
Zur Erfüllung der Kundenwünsche müssen Unternehmen zunächst funktional ausgereifte Produkte mit einer hohen Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Hierzu zählen neben physischen Erzeugnissen zunehmend auch Dienstleistungen [BuSc06]. Dabei sind kurze Lieferzeiten und hohe Liefertermintreue sicherzustellen, trotz gestiegener Komplexität und einer stetigen Ausweitung der Variantenvielfalt. Zur Realisierung dieser Produktmerkmale sind die vorhandenen Ressourcen effektiv zu nutzen und weitere Randbedingungen zu beachten. So stehen der Produktion permanent neue Verfahren und Prozesse zur Verfügung, hinzu kommt die fortschreitende Automatisierung einzelner Verfahren mit ihren Nebenprozessen wie Werkstück- und Werkzeugwechsel sowie Qualitätsprüfung. Die Integration verschiedener Fertigungsprozesse in einer einzigen Maschine mit dem Ziel der Komplettbearbeitung von Werkstücken ist eine weitere wichtige Entwicklungslinie der Produktionstechnik. Neben diesen technischen Randbedingungen sind die Belange der Mitarbeiter von großer Bedeutung. Unter dem Stichwort Dezentralisierung bzw. Segmentierung der Produktion ist die Arbeitsorganisation zunehmend geprägt durch die stärkere Delegation von Kompetenz und Verantwortung und die Gliederung in weitgehend autonome Arbeitsgruppen, die ihre engere Arbeitsumgebung möglichst selbst gestalten.
Ökologische Forderungen zielen auf einen möglichst geringen Schadstoffausstoß der Fabrik, die rationelle Energieumsetzung und das weitgehende Schließen von Material- und Hilfsstoffkreisläufen innerhalb und außerhalb der Fabrik. Ergänzt werden diese Randbedingungen durch zahlreiche Gesetze und Vorschriften, welche hauptsächlich die Gestaltung der Arbeitsplätze, die Arbeitssicherheit, Umweltschutzmaßnahmen sowie die Mitbestimmung der Mitarbeiter betreffen. Diesen Bedingungen müssen die Produktionsbetriebe ihre Betriebsmittel, inner- und außerbetriebliche Logistik, Ablauforganisation und Gebäude ständig anpassen. Dabei sind im Wesentlichen drei Zielfelder zu betrachten. Im Vordergrund steht die Wirtschaftlichkeit der Produktion. Es gilt, die Teile, Baugruppen und Erzeugnisse unter Vermeidung jeglicher nicht Wertschöpfender Tätigkeiten in möglichst kurzer Zeit und mit möglichst niedrigen Beständen herzustellen. Dabei sind die vorhandenen Einrichtungen und das Personal bestmöglich zu nutzen.
Wegen der raschen Veränderungen des Marktbedarfs, der Produkte und der Produktionstechnik ist jedoch auf eine möglichst hohe Flexibilität der Einrichtungen und Abläufe zu achten. Diese bezieht sich zum einen auf die Möglichkeit einer raschen Anpassung an die schwankende Nachfrage bezüglich der Menge und Zusammensetzung der Produkte. Zum anderen sollte eine schnelle Umstellung auf ein verändertes Fertigungsverfahren oder auf eine andere Fertigungsorganisation dadurch erleichtert werden, dass die Betriebsmittel und die Ver- und Entsorgungseinrichtungen ohne großen Aufwand räumlich neu anzuordnen sind. Schließlich ist die Attraktivität der Fabrik ständig durch eine motivierende Arbeitsorganisation und -umgebung sowie eine immer geringere Umweltbelastung zu verbessern.
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