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Vorwort zur ersten Auflage (S. 7-8)
Liebe Leserin, lieber Leser. Ein Buch von nur zweihundert Seiten über eine 3D-Konstruktionssoftware? Was soll das schon leisten angesichts tausendseitiger Handbücher und Megabytes über Megabytes an Hilfedateien und Tutorials, die noch dazu gratis mit der Software kommen und die das Internet auf Ihre Festplatte spült? Ein bekanntes Phänomen des Internets ist, dass die relevanten Informationen zwar alle vorhanden sind, aber in einem Ozean ungeprüfter Daten untergehen, in dem man sie letztendlich nicht mehr findet. Wollen Sie sich da wirklich selber durchschlagen? Oder können Sie eine Handreichung gebrauchen, die Sie bis zu dem Punkt führt, an dem Sie wissen, was Sie im Internet eigentlich fragen wollten?
Eine der Hürden des Mechanical CAD heißt: Wie erkenne ich das zugrunde liegende Prinzip? Wie kann ich mein Bauteil mit einem Minimum an Aufwand in ein virtuelles Modell umsetzen, das all meine Forderungen erfüllt? Nun lässt sich die Mehrzahl aller Bauteile im Maschinenbau auf Extrusion und Rotation zurückführen. Man muss nicht mit allerneuesten Funktionen versuchen, das Problem anderweitig zu lösen, sondern kann es meist mit einfachen Mitteln genau so gut machen: Extrusion und Rotation. Wenn Sie diese Mittel gut beherrschen, dann werden Sie im virtuellen Konstruieren sehr viel schneller fit, als wenn Sie versuchen, Ihr Problem plus zehntausend Funktionen unter einen Hut zu bringen. Denn je weniger Sie lernen, desto schneller sitzt Ihr Repertoire.
Man kann es weiter zuspitzen: Die Idee des MCAD beginnt mit einem Punkt in einem Koordinatensystem, der davon träumt, ein Kreis zu werden. Der Kreis begreift seine Geschlossenheit und schwingt sich zum Zylinder auf, um Volumen zu gewinnen – doch der Punkt bringt letztendlich alles zustande. Selbst im Vokabular des Konstrukteurs spiegelt sich der Wunsch nach Einfachheit, wenn er von Kolben und Zylindern spricht, aber das Wirkprinzip des Ottomotors meint.
Von dieser Einfachheit handelt das Buch, das Sie in Händen halten. Es dauert erfahrungsgemäß eine ganze Weile, bis ein Novize in der Kunst des Modellierens die Grundformen sieht, die in seinem Wunschobjekt stecken. Darum werde ich Ihnen hier kein Renommierobjekt aufbürden, keinen Motor mit 965 Teilen: Den schaffen Sie alleine, sobald Sie seine Einfachheit begriffen haben. Die Zweidimensionalität des Grundgedankens kann Sie außerdem davor bewahren, auf Anleitungen von Leuten hereinzufallen, die das Komplexe suchen und sich ansonsten gern in den blanken Flächen ihrer Geheimwissenschaft spiegeln. Ein kleines Buch vermindert schließlich den Leseaufwand und verfolgt damit in einer Zeit, in der unendlich viel publiziert wird, ein wichtiges Ziel: sich auf das Wesentliche zu beschränken. Dieses „Bilderbuch" versucht überdies, das Wesentliche möglichst anschaulich zu machen. Womit wir wieder beim Thema sind. Die Sache ist viel einfacher. Das zu verstehen ist das Komplizierte daran.
Aachen, im Herbst 2005
Harald Vogel
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