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Choral des Todes - Thriller

von: Jean-Christophe Grangé

Bastei Lübbe AG, 2009

ISBN: 9783838701196 , 580 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 8,99 EUR

Exemplaranzahl:


  • Todesbräute - Thriller
    Ausgelöscht - 4. Fall für Smoky Barrett - Thriller
    Die Toten schweigen nicht - Thriller
    Der Täuscher - Roman
    Verblendung - Roman
    Vergebung - Roman
    Die Menschenleserin - Roman
    Der faule Henker - Roman
 

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Choral des Todes - Thriller


 

KAPITEL 33 (S. 150-151)

»Nichts für ungut, aber ich musste schallend lachen, als ich hörte, dass Sie Wilhelm Götz für ein Opfer der chilenischen Diktatur gehalten haben.« Kasdan und Volokine sahen sich an. Ihre Heiterkeit hielt sich in Grenzen. »Wir sind keine Experten«, erwiderte der Armenier. »Es hätte genügt, sich die Daten anzuschauen«, sagte Velasco lächelnd. »Götz ist 1987 aus Chile geflohen. Die politischen Flüchtlinge, das heißt diejenigen, die Angst vor Pinochet haben mussten, sind 1973 geflohen, unmittelbar nach dem Putsch.« »Man hat uns gesagt, dass Götz Ärger mit der chilenischen Justiz hatte, als er das Land verließ.

Wie war das möglich, wenn er auf der Seite der Macht stand?« »Auch dort unten haben sich die Dinge geändert. Demokratische Organisationen haben mit Hilfe der katholischen Kirche Informationen über gefolterte, verschwundene oder hingerichtete Menschen gesammelt und Akten angelegt. Die Anwälte der Organisation ›Vikariat der Solidarität‹ zum Beispiel haben gute Arbeit geleistet. Die ersten Strafanzeigen wurden schon Anfang der achtziger Jahre erstattet. Wegen Entführung, Folter, Totschlags. Was das Militär als Verhaftung, Vernehmung, Eliminierung bezeichnete.

In den härtesten Zeiten stieg die Zahl der Vermissten schätzungsweise auf dreitausend. Und das waren nicht nur Chilenen. Die ›Ausländer‹ wurden sogar vorrangig verschleppt: Spanier, Franzosen, Deutsche, Skandinavier. Es waren viele. Die Regierung Salvador Allende, die Pinochet dann mit seinem Putsch beseitigte, verkörperte eine Art Internationale des Sozialismus. Eine verwirklichte Utopie, die Aktivisten aus aller Welt anzog.

Die Belle Époque für alle, die sich zu jenen Ideen bekannten.« Das schien jedoch nicht für Simon Velasco zu gelten. Ein großer, bärtiger, grau melierter Mann mit einer ausladenden Gestik und einem einnehmenden Lächeln. Er sprach akzentfrei Französisch, abgesehen von einem leicht snobistischen Tonfall, den er sich zweifellos auf seinen diplomatischen Abendgesellschaften zugelegt hatte. Ein Großbürger aus Santiago, der bestimmt noch nie ein Gefängnis oder einen Linksradikalen aus der Nähe gesehen hatte. Der Mann bot ihnen eine eisgekühlte Limonade an, was zu dieser Jahreszeit ziemlich merkwürdig war. Aber Velasco schien noch immer im Rhythmus des sehr langen Spätsommers von Santiago de Chile zu leben.

Er hatte sie in seinem Büro empfangen – lackiertes Holz, mahagonifarbiges Leder, Zigarrenduft. Im Halbdunkel hatte Kasdan die goldbraunen Einbände der Bibliothèque de La Pléiade ausgemacht, sich die Brille auf die Nase gesetzt und die Namen der Autoren gelesen: Montaigne, Balzac, Maupassant, Montherlant. Ein ausgesprochener Frankophiler. Nachdem er die Gläser gefüllt hatte, stellte Velasco die Kristallkaraffe ab und nahm ihnen gegenüber Platz. »In den achtziger Jahren schützte eine verkappte Amnestie die Folterer. Zum einen gab es das Problem der Vermissten. Ohne Leichen keine Opfer. Zum anderen kam das Wort ›Folter‹ nicht einmal im chilenischen Strafgesetzbuch vor. Auf den ersten Blick schienen die Militärs nichts zu befürchten zu haben. Aber nur auf den ersten Blick, denn es gab andere Länder, in denen Strafanzeige erstattet wurde.