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4 Hochschuldidaktische Implikationen zur Lehre in einem Studiengang »Pflegepädagogik« von Dipl.-Päd. Michael Hunneke (S. 97-98)
Mit Dank an meine Studentinnen und Studenten
4.1 Eine starke Intervention
Im Anschluss an das Ende meines ersten Semesters an der Katholischen Fachhochschule in Freiburg bot mir zunächst ein einzelner Student eine Rückmeldung an, bevor mich vier Studentinnen und Studenten der Pflegepädagogik stellvertretend für die ganze Gruppe, in der ich ein eher randständiges Fach gelehrt und abgeschlossen hatte, um ein gemeinsames Gespräch baten. Ihre Absicht war es, mir ein Feedback über das vergangene Halbjahr geben zu wollen. Mir war einerseits nicht ganz wohl bei dem Gedanken, da ich selber das Gefühl hatte, dass im ersten Semester als Novize an einer Fachhochschule auch aus meiner Sicht nicht alles so gelaufen war wie gewünscht.
Dennoch ließ ich mich auf dieses Gespräch ein, bereitete aber meinerseits einen Vorschlag, sozusagen als Plan B für die künftige Zusammenarbeit, vor. In dem anschließenden gemeinsamen Gespräch wurden wesentliche Gedanken ausgetauscht, die die Zusammenarbeit auf eine ganz neue und, wie ich denke, umfassend anders gedachte Ebene von Hochschuldidaktik stellten. Meine Studentinnen und Studenten waren offensichtlich mit der Ausrichtung meiner Vorlesungen bislang nicht zufrieden und forderten vor allem ein, dass ich die ihnen eigene Expertise in verschiedenen Handlungsfeldern intensiver nutzen solle, statt im Wesentlichen vorzutragen. Sie artikulierten dies in einer sehr reifen Weise, wie sie mir aus der Weiterbildungsarbeit vertraut war.
Ihre Wünsche bezüglich einer künftigen Zusammenarbeit für das im darauffolgenden Semester beginnende Fach Didaktik, das den umfänglichsten Arbeitsschwerpunkt bildet, bezogen sich vor allem auf den Nutzen, den sie aus dieser gemeinsamen Zusammenarbeit zu ziehen gedachten, wobei sie mir unterstellten, im gemeinsamen Lernprozess von mir profitieren zu können. Bei durchaus widerstrebenden Gefühlen (auch durch die Atributtierung meiner Rolle als Hochschullehrer bedingt) habe ich diese Situation als ein Schlüsselerlebnis interpretiert. Meine Erfahrungen von Universität wurden in dem Sinne verstört, dass es auch in einer so genannten Expertenorganisation (Badura 1993; Grossmann 1997) ein anderes Lernen als das klassische Unterweisungsmodell geben könne.
Der Impuls hat einen Teil meiner Lehrform nachhaltig verändert. Es sollte, das war mir klar, deshalb allerdings nicht weniger niveauvoll werden, ganz im Gegenteil. Besonders der Anspruch von Hochschule und Weiterbildung sollte dabei durchaus differenziert betrachtet werden. Keineswegs wollte ich in den allgemeinen Tenor ein stimmen, der Studium und Weiterbildung gleichermaßen als Produktion aus der Praxis für die Praxis operationalisieren will, sozusagen im Sinne einer reinen Fortschreibung von Studium als verlängerter betrieblicher Weiterbildung mit entsprechendem Verwertungsüberhang. Dennoch war der Impuls eindeutig. Wissen ist kein Geschäft von Einzelnen, sondern ein diskursiv zu gestaltendes Geschehen, in dem die verschiedenen Akteure in der Situation, in der sie sich befinden, etwas Neues entstehen lassen. Dies verlangt nach Inputs, aber nicht nach bereits zu Ende gedachten, durchkonstruierten und prinzipiell abgeschlossenen Vorträgen.
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