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Die Oetkers

Die Oetkers

von: Rüdiger Jungbluth

Campus Verlag, 2004

ISBN: 9783593400761, 410 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 7,99 EUR

Ersparnis: 16,91 EUR

  • Elfenkind
    Herbst - Läuterung
    Den Himmel gibt´s echt
    Herbst - Zerfall
    Der Bankräuber
    Bleib cool, Papa
    Du gibst das Leben
    Mein Herz kennt die Antwort
  • Kopfschuss
    Die Zehn Gebote
    Das Feenorakel
    Zeit der Vergebung
    Alphavampir
    Der Geschmack des Wassers
    Succubus Shadows
    Hurentaten
 

Mehr zum Inhalt

Die Oetkers


 

15. »Die meisten Verbraucher verlangten unsere Fabrikate« (S. 207-208)

Oetker profitiert von Währungsreform und Fresswelle

Am 8. April 1945 übergaben US-Einheiten die Stadt Bielefeld an die britische Militärführung. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 beschlossen Truman, Stalin und Attlee, »nazistische Parteiführer, einflussreiche Nazianhänger und die Leiter der nazistischen Ämter« zu verhaften und zu internieren. Vermutlich schon bald darauf wurde auch Rudolf-August Oetker von der britischen Militärpolizei verhaftet. Er war einer von rund 70000 Menschen, die die Briten im ersten Nachkriegsjahr internierten. Oetker wurde nach Paderborn-Staumühle gebracht. Dort befand sich ein riesiges Gefangenenlager, das Civil Internment Camp No. 5. Während der NS-Zeit hatte die Anlage als provisorische Garnison der Waffen-SS gedient.

Nach dem Krieg wurde Staumühle das größte Internierungslager der Briten. Zeitweilig wurden dort mehr als 10000 Menschen gefangen gehalten. Zu Anfang wussten viele der Inhaftierten nicht, weshalb man sie eingesperrt hatte. Dass die Briten nach festgelegten Arrestkategorien verfahren waren, die in bestimmten Fällen zu einer automatischen Verhaftung führten, war ihnen nicht bekannt. Unter den in Staumühle einsitzenden SS-Leuten glaubten zunächst nicht wenige, dass es zu einem Krieg zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion kommen würde.

Diese Männer wollten gegen den Bolschewismus kämpfen und rechneten damit, bald wieder zum Einsatz zu kommen. Aus Stimmungsberichten, die Militärangehörige und Geistliche über das Lager verfassten, geht hervor, dass viele der Internierten am meisten fürchteten, an die Sowjetunion oder osteuropäische Länder ausgeliefert zu werden. Tatsächlich wurden zahl- reiche Männer als mutmaßliche Kriegsverbrecher von den Briten nach Polen ausgeliefert. Im Lager Staumühle machten Gerüchte die Runde, die Ausgelieferten würden gar nicht angeklagt, sondern gleich misshandelt und umgebracht.

Rudolf-August Oetker bekam den Hass, den die Deutschen während des Kriegs in Osteuropa erzeugt hatten, am eigenen Leib zu spüren. Polnische Wachleute nahmen an ihm Rache für das, was sie unter der Naziherrschaft selbst erlitten hatten. Die Männer hatten offenbar erfahren, dass er der Waffen-SS angehört hatte. Dies war an der Tätowierung der Blutgruppe in der linken Achselhöhle zu erkennen, wie sie bei der Waffen-SS üblich war, oder an der Narbe, die entstand, wenn sie herausgeschnitten worden war. Die Wachleute schlugen Oetker so zusammen, dass er schwere gesundheitliche Schäden davontrug. Infolge der Misshandlungen musste Oetker später beim Gehen einen Stock benutzen.

Rudolf-August Oetker musste sich vermutlich schon während seiner Internierung in Staumühle einem Entnazifizierungsverfahren stellen. Über den Ausgang dieses Verfahrens ist bislang nichts bekannt geworden. Die Akten liegen heute noch unter Verschluss im Staatsarchiv in Düsseldorf. Es scheint sich um einen vergleichsweise langwierigen Prozess gehandelt zu haben. Oetker war an der Spitze der Nahrungsmittelfabrik tätig gewesen und Aufsichtsratsmitglied bei der Reederei Hamburg Süd. Vor allem aber war er Untersturmführer der Waffen-SS gewesen, in der auch Zehntausende von KZ-Wachen gedient hatten. Bei dieser Truppe war das Erschießen von Kriegsgefangenen eher die Regel als die Ausnahme gewesen. Im September 1946 wurde die Waffen-SS von den Alliierten zur verbrecherischen Organisation erklärt. Die Akten aus dem Entnazifizierungsverfahren Rudolf-August Oetkers sind mit rund 175 Seiten etwa siebenmal so umfangreich wie die aus dem Verfahren Karl Oetkers, der immerhin stellvertretender Betriebsführer der Nahrungsmittelfabrik gewesen war. Karl Oetker durchlief 1946 ein Entnazifizierungsverfahren.