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Giftige Alte. Altenpflege - Schwierige alten Menschen verstehen und konstruktiv mit ihnen umgehen

Giftige Alte. Altenpflege - Schwierige alten Menschen verstehen und konstruktiv mit ihnen umgehen

von: Gloria M. Davenport

Verlag Hans Huber, 2009

ISBN: 9783456947068, 262 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 30,99 EUR

Ersparnis: 3,96 EUR

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Giftige Alte. Altenpflege - Schwierige alten Menschen verstehen und konstruktiv mit ihnen umgehen


 

9 Ist es die Erziehung? (S. 131-132)

Könnte es sein, dass Alterstoxizität auf frühkindliche Konditionierung zurückzuführen ist? Wie bereits im vorherigen Kapitel festgestellt, würden Entwicklungspsychologen behaupten, dass frühe Umwelteinflüsse das spätere Verhalten eines Menschen formen und prägen. Demnach würde die Umwelt bewirken, dass natürliche Veranlagungen unterdrückt und verleugnet werden. Um dieses Thema näher zu untersuchen, werden nun mehrere Theorien und Modelle vorgestellt, einschließlich der Modelle von Jung, Erikson und Feil. Ferner werden das Recovery Movement (Selbsthilfegruppen zur Verarbeitung und Heilung von Traumata) und Perts Forschungen über den Einfluss von Emotionen erläutert.

Konditionierung

Kinder werden wohl kaum hinterfragen, ob die Haltungen, Glaubenssätze und Werte, mit denen sie indoktriniert werden, dem Bild, das sie von sich haben, tatsächlich entsprechen (Greenwald, 1977). So kommt es, dass genau diese Konditionierung zu unserem Selbstkonzept wird und uns womöglich gefangen hält. Wenn bestimmte Anteile der eigenen Persönlichkeit in der Umgebung, in der wir leben, unerwünscht sind, ist es klüger und bequemer, solche Anteile zu verheimlichen und zu verleugnen. Die anderen Teile werden dann der Persönlichkeit adaptiert, worauf die Persönlichkeit der Umgebung und dem Selbstkonzept entspricht.

Wir leben vielleicht nicht unser wahres Selbst, befinden uns aber in Sicherheit. Diese Prämisse wird von C. G. Jung unterstützt, der sagt, dass die Persönlichkeit durch bestimmte Lebenserfahrungen und Vorbilder entwickelt oder deformiert wird. Er hat beispielsweise festgestellt, dass die meisten Kinder sehr schnell herausfinden, welches Verhalten in ihrer Familie akzeptiert wird und welches nicht. Wenn Eltern unabhängiges Denken und freie Meinungsäußerungen bestrafen, Bravsein, Nettsein und blinder Gehorsam dagegen Vorteile bringt, wird die Mehrzahl der Kinder, um zu überleben, akzeptables Verhalten an den Tag legen.

Das wahre Selbst des Individuums, sein Wesenskern wird verleugnet und unterdrückt, während sich die Persönlichkeit, also der für andere funktionierende Anteil, entwickelt. Dabei entsteht ein falsches Selbstbild und ein Skript (TA), ein unbewusstes Drehbuch des Lebens. Im Laufe der Zeit wird diese verzerrte Selbstwahrnehmung – Persönlichkeit genannt – zur Gewohnheit, und das Individuum nimmt an, dass dieses Bild mit seiner wahren Person identisch ist. Leider besteht unser Wesen aber auch aus unseren versteckten und verleugneten Anteilen (nach Jung aus dem Schatten). Weil wir diese Teile unserer Persönlichkeit aus Angst nicht zeigen können, schieben wir sie ins Unterbewusstsein, wo sie den Blicken entzogen sind, und nur an die Oberfläche durchbrechen, wenn die Kontrollmechanismen nachlassen.

Der Goldene Schatten

Keineswegs alle Schattenteile sind negativ. Jung zufolge, der vom Konzept des Gleichgewichts ausgeht, gibt es auch eine positive Seite: den Goldenen Schatten (Miller, 1989). Auch der wird unterdrückt, wenn er in der Umgebung keine Akzeptanz erfährt. Oft ist er ein Talent, das nicht gelebt werden oder eine angeborene Begabung, die sich nicht entfalten durfte. So bleiben Fähigkeiten und Potenziale, insbesondere bei toxischen alten Menschen, tief im Verborgenen. Wird dieser Schatz nicht gehoben und von der betreffenden Person und ihren Mitmenschen nicht freudig begrüßt, werden sich diese Fähigkeiten nie entwickeln.