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Vorwort zur 1. Auflage (S. 23-24)
Die Neurorehabilitation ist seit einigen Jahren einem starken Wandel unterworfen, der hauptsächlich auf zwei Gründen beruht: Einerseits hinterfragen Ergebnisse einer aktuellen und zunehmend lebhaften Forschung etablierte physiotherapeutische Behandlungsansätze, andererseits wächst der Kostendruck bei gleichzeitig sinkenden Ressourcen. Vor diesem Hintergrund steht die rehabilitative Arbeit, welche darin besteht, Problembereiche eines Individuums mit allen seinen bio-psycho-sozialen Aspekten umfassend zu erkennen, eine den individuellen Zielen angepasste Behandlung zu planen und Behandlungserfolge zu überprüfen. Allen diesen Aspekten ist gemeinsam, dass Merkmale oder Fähigkeiten von Menschen mit ihrem bio-psycho-sozialen Hintergrund und ihren individuellen Zielen und Erwartungen dargestellt werden müssen.
Der Wahl geeigneter Assessment-Instrumente für die Messung von Behandlungsergebnissen, zur Qualitätssicherung und in der Forschung, kommt eine zentrale Rolle zu. Die Instrumente sollten zuverlässig und empfindlich sein und das messen, was sie vorgeben zu messen: Sie müssen bestimmte Gütekriterien erfüllen. Das von Derick T. Wade 1992 erschienene Buch „Measurements in Neurological Rehabilitation" (Oxford University Press 1992) wurde zu einem Standardwerk und gilt als Nachschlagewerk und Referenz bei der Auswahl von Assessments. Einige weitere Autoren geben eine mehr oder weniger grosse Übersicht über die gebräuchlichsten Messinstrumente in der Neurorehabilitation. Einen Beitrag und ersten Anstoss zur vorliegenden Arbeit gab die Tagung „Messen in der Neurorehabilitation im Rahmen der Physiotherapie" vom 21. Oktober 1996 im Bürgerspital Solothurn (CH).
Als greifbares Ergebnis dieser Tagung entstand eine Zusammenstellung der in der Schweiz bekanntesten und gebräuchlichsten Assessments. Kurz darauf, im August 1998, wurde die Interessengemeinschaft Physiotherapie in der Neurorehabilitation (IGPNR) gegründet. Die IGPNR ist eine Gemeinschaft von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die sich für die Qualitätssicherung, einen breiten fachlichen Austausch sowie für die Interessenvertretung der Physiotherapie in der Neurorehabilitation einsetzt. Sie besteht aus Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die in verschiedenen Kliniken und Einrichtungen der Schweiz in der Früh- , Rehabilitations- und Spätphase tätig sind.
Anlässlich der Generalversammlung der IGPNR im Jahr 2002 bildete sich eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, einen bestehenden Katalog von elf Assessments bezüglich Gütekriterien zu überarbeiten und zu erweitern. Zu Beginn der Arbeit wurde eine Umfrage in den Mitgliederkliniken der IGPNR durchgeführt. Von 28 verschickten Fragebogen konnten 21 ausgewertet werden (6 Akutphase, 16 Rehabilitationsphase und 3 Langzeitphase). Das am häufigsten verwendete Assessment war das Performance Oriented Mobility Assessment (POMA) oder auch Tinetti-Test, gefolgt vom Functional Indepence Measure (FIM), dem Modified Ashworth-Scale und dem Olson, einer Messung der Gehgeschwindigkeit. Wurde nach der Wichtigkeit für den klinischen Alltag gefragt, stand wiederum der POMA (Tinetti-Test) an erster Stelle, gefolgt vom Olson-Gehtest, dem Manuellen Muskelfunktionstest und dem FIM.
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