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Singsand - Zwischen Beer Sheva und Bethlehem

Singsand - Zwischen Beer Sheva und Bethlehem

von: Sabine Peters

Wallstein Verlag GmbH, 2010

ISBN: 9783835307056, 196 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 14,00 EUR

Ersparnis: 4,00 EUR

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Singsand - Zwischen Beer Sheva und Bethlehem


 

Singsand (S. 5)

Wie nebenbei, eine kleine Folge von Tonen. Sie scheren sich um nichts. Es ist auch nichts da. Absolute Leere. Es gibt aber doch Sinne? Sie warten, verharren gespannt.

Gedehnte, ins Zerreisen gedehnte Wachheit. Die Leere umfast alles. Gewalt, in sich selbst gefangen, alles umgreifend, wortlos, ganz und gar undurchdringlich.

Ungewis, ob aus solcher Dichte sich Tone befreien konnten. Der Tonfaden hat keine Wahl. Er kann nur entstehen wie nebenbei.

Als sei er nicht recht da, zumindest nicht ganz ernst zu nehmen. Wie nebenbei nur ein paar Laute. Sie scheren sich um nichts, sie gehen voran, als wusten sie nicht. Sie gehen einfach vorwärts. So kinderleicht. Es ist ja auch ein Kinderlied, das Mozart für Klavier gesetzt hat. Nur ein paar Noten, nicht mal eine ganze Oktave.

Mehr braucht es nicht als die paar Noten, um anzufangen, wie nebenbei.

Oder nein. Ja: Sie waren immer schon da. Immer schon da, die Schritte der Tone. Der Trotz. Winzige harte Kerne an einer Schnur.

Natürlich wissen sie, sie sind zerstörbar. Sie scheren sich um nichts. Sie halten zusammen. Ein Ton nimmt einen anderen bei der Hand. So vielleicht erklären sich die Wiederholungen. cc gg aa g ff ee dd c. gg ff ee d. gg ff ee d. cc gg aa g ff ee dd c.

Beiläufige Wechselrede. Bist da? Bin da.Ah, vous dirai-je.

Ah, das werde ich Ihnen sagen. Der Trotz des französischen Kindes. Die Liedertone reisten durch Europa, sie wurden mit unterschiedlichen Texten versehen. In Schweden sprach das Lied von funkelnden Sternen. In Deutschland kam der Weihnachtsmann. Ah, vous dirai-je.

Ein Kind als ein einziger Widerspruch. Winzige harte Kerne. Tone unterwegs, von A bis Z. Irgendwem ist es mal eingefallen, die Melodie mit dem Alphabet zu unterlegen. Es wurde ein singendes Lernen sein. Sechsundzwanzig Zeichen.

Mit Hilfe dieser sechsundzwanzig Zeichen die Welt buchstabieren: Das wäre die Arbeit des Schreibens. Widerspruch: Es käme darauf an, die Welt ganz anders zusammenzulesen. Daher die zwölf Variationen. Zwölf ist eine gute Zahl.

Stunde der Geister, Mitternacht. Beschwörendes Singen der Buchstaben, die alle Zeit der Welt haben. Die schliesslich auch ganz anders aussehn können, Schrift ist nicht Schrift.

Diese einfachen Töne, dieses umfassende ABC soll die Reiselektüre sein und das Reiselied. Wie beiläufig laufen die Tone fort.Das ist eine Krisenregion! Was hast du da verloren? Das ist ein ganz normales Land. Kein Grund zur Angst. Glückliche Reise euch beiden! Du kommst in die Sonne. Das Ministerium bezahlt dir Ferien und Strand und Sand.

Vielleicht sogar Kamele. Unsereins rennt unterm Regenschirm durch die Pfützen zur Arbeit. Zu den Verrückten da unten wurden mich keine zehn Pferde bringen. Auch wenn ich hundertmal den Pas habe. Lieber United States. Wir beten für euch.

Die Welt ist mehr als der Flecken! Peinlich, wie alle Deutschen ausgerechnet auf das Land starren. Und ich sage dir, das ewige Gequatsche über Bombe hier und Sprengstoffgürtel da und Truppen rein und raus, das ist vor allem eins: langweilig. Jetzt ist die schönste Jahreszeit da unten. Außerdem: Man kann sich auch den Hals beim Duschen brechen.

Du must nicht bei jeder Demonstration in der ersten Reihe mitlaufen. Bringst du mir einen Granatapfel mit? Wüstensand? Musik? Fahrt auf keinen Fall mit einem Bus. Und immer viel Wasser trinken! Schreibst du mir mal? Schreib keine Post, schreib auf. Der Geldumtausch ist günstiger direkt vor Ort. Eben haben sie wieder mit einer Vergeltungsaktion gedroht.